Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 3. Sonntag nach Ostern, dem Sonntag Jubilate. Unser heutiger Predigttext führt uns zum Beginn allen Geschehens mitten hinein in die Schöpfungsgeschichte.
Den Predigttext finden wir im 1. Buch Mose im ersten und zweiten Kapitel. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam betrachten:

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht ! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht. Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise. Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so. Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte. So sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurden.

Liebe Gemeinde,

immer wieder gibt es wilde Theorien darüber, ob sich die Schöpfungsgeschichte tatsächlich so abgespielt hat, wie wir es soeben gehört haben. Da ich mir einen kindlichen Glauben bewahrt habe, gehe ich einfach einmal davon aus, dass die Bibel recht hat und die Schöpfung in dieser Form stattgefunden hat.

Über einen zentralen Satz aus der Schöpfungsgeschichte sollten wir uns am heutigen Sonntag ein paar Gedanken machen und zwar über den Satz: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.“ Wir sind also keine Gottesknechte und Gottessklaven, die zu einem bedingungslosen Kadavergehorsam verdammt worden sind, sondern seine wertvollen Geschöpfe. Da wir zu einer großen Familie gehören, reden wir uns auch untereinander gern mit Schwester oder Bruder an. Mancher mag das lächerlich finden, aber es trifft den Kern der Sache voll und ganz.

Aus unserer Gotteskindschaft heraus erwachsen auch bestimmte Aufgaben, Rechte und Pflichten, wie es in jeder Familie der Fall ist. Was sind dies für Rechte und Pflichten ? Lassen Sie uns darüber ein wenig näher nachdenken.

1. Die Bedienungsanleitung

Jede Familie, liebe Gemeinde, hat eine Bedienungsanleitung. Als Kinder haben wir diese Bedienungsanleitung, besser bekannt als unsere Erziehung, näher kennengelernt.

Als Christen haben wir ebenfalls eine Bedienungsanleitung. Ich denke, jeder von uns hat sie griffbereit zu Hause im Bücherregal liegen. Natürlich handelt es sich dabei um die Bibel. In der Tat ist die Bibel die Bedienungsanleitung für uns als Christen. In ihr erfahren wir alles, was wir tun und was wir besser lassen sollten.

Anhand unzähliger Beispiele wird uns vor Augen geführt, was uns erwartet, wenn wir dem Worte Gottes gehorsam sind und was uns erwartet, wenn wir dies nicht sind. In aller Kürze hat Gott diese Bedienungsanleitung noch einmal reduziert auf die zehn Gebote.

2. Eltern achten und ehren

Eine intakte Familie ist immer auch dadurch gekennzeichnet, dass Kinder ihre Eltern achten und ehren. Die Folgen der Nichtbeachtung dieser goldenen Regel können wir tagtäglich in den Zeitungen lesen oder aber im Fernsehen verfolgen. Überall dort, wo diese Regel bewusst missachtet wird, herrschen innerhalb kürzester Zeit chaotische Zustände.

Und diese chaotischen Zustände führen wir auch herbei, wenn wir Gott, unseren Schöpfer nicht achten und ehren. Warum geht so vieles schief im Leben der Menschen, die sich über ihr Leben beklagen ? Fragen wir sie doch einmal, ob Gott in ihrem Leben überhaupt noch eine Rolle spielt.

Ich will damit nicht sagen, dass im Leben eines Christen alles so glatt und geschmiert läuft, wie er es sich vorstellt. Aber es läuft so, wie Gott es sich vorstellt. Und wenn es so läuft, wie Gott es sich vorstellt, dann läuft es optimal, besser könnte es gar nicht sein. Denn Gott will doch stets nur das Beste für seine Kinder.

„Achten“ heißt auch bewusst auf Gott hören. Hören kann ich nur, wenn ich vor Gott zur Ruhe komme. Das hatten wir vor kurzem schon einmal betrachtet, ist aber in diesem Zusammenhang ebenfalls besonders wichtig. Auf Gott hören heißt, ihn nicht mit Gebeten „zuzutexten“, sondern in der Stille auf sein Wort zu hören. Gönnen wir uns doch wieder häufiger die sogenannte“stille Zeit“. Wir werden überrascht sein, wie deutlich wir Gottes Wort vernehmen können.

Ehren sollen wir Gott. Ehren heißt, dass wir dankend anerkennen, dass es einen Schöpfer des Himmels und der Erde gibt, der alles zu unserem Wohle geschaffen hat. Wenn wir dies wieder aktiv tun, dann gehen wir automatisch auch ganz anders mit der Schöpfung um. Wenn wir anerkennen, dass die Schöpfung für alle Menschen geschaffen worden ist, dann werden wir sicherlich nicht mehr so achtlos mit all unseren Ressourcen umgehen. Und so ganz nebenbei bemerkt, brauchen wir dann auch keinen reglementierten Klimagipfel mehr.

3. Geschwisterliebe

Wie in einer weltlichen Familie, sind wir auch in der göttlichen Familie von Geschwistern umgeben. Und wie es nun mal im weltlichen Leben geschieht, so kann es auch sein, dass wir den einen etwas mehr mögen als den anderen. Das ist auch ganz natürlich so.

Aber kein Geschöpf Gottes hat das Recht, sich ein anderes Geschöpf Gottes untertan zu machen oder es gar zu unterdrücken. Wir sind alle Kinder des einen lebendigen Gottes. Alle Menschen sind unsere Geschwister und so sollten wir sie auch behandeln.

Da verbietet es sich natürlich von selbst, dass ein tyrannischer Vater zu Hause seine Familie nach allen Regeln der Kunst stramm stehen lässt. Da verbietet es sich auch, dass machtgierige Mitmenschen ihre Geschwister für ihre Zwecke ge- bzw. missbrauchen.

Und um es aktuell auf den Punkt zu bringen. In der Familie Gottes verbietet es sich auch, dass der einzelne nur auf seinen z.B. finanziellen Vorteil bedacht ist und dabei seine Mitmenschen ausbeutet.

Dies alles gehört sich nicht und wir sollten immer an den einen Satz unseres Predigttextes denken: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.“

Dieser Satz klebt bei mir zu Hause am Spiegel, wo ich ihn jeden morgen sehe. Dieser Satz klebt in meinem Auto, wo ich immer wieder an ihn erinnert werde. Und dieser Satz nimmt eine zentrale Stellung auf meinem Schreibtisch ein, wo ich und alle Besucher ihn direkt sehen und lesen können. Und dieser Satz befindet sich auch in meiner Geldbörse. Dort soll er mich insbesondere daran erinnern, dass ich viel mehr abgeben kann, als ich es mir vorzustellen vermag.

Und wenn ich diesen Satz auch in meinem Herzen verinnerlicht habe, dann gibt mir dies jeden Tag ein Stück mehr Gelassenheit auf meinem Wege durch diese Welt.

Unseren Stand hier auf Erden, der auch zu mehr Gelassenheit führt, beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes: „Ich bin ein Gast auf Erden…“, der da lautet, wie folgt:

Ich bin ein Gast auf Erden und hab hier keinen Stand;
der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland.
Hier reis ich bis zum Grabe; dort in der ewgen Ruh
ist Gottes Gnadengabe, die schließt all Arbeit zu.

Der Herr gebe Dir alle Zeit die Gewissheit, dass Du nach SEINEM Bilde geschaffen worden bist
Der Herr lehre Dich, Deine Geschwister zu achten und zu lieben
Der Herr führe und begleite Dich auf Deinem ganzen Erdenwege

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich

Ihr

Ulrich Naber

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