Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Gründonnerstag.
Traditionell gedenken wir an dem heutigen Tage der Einsetzung des Heiligen Abendmahles. Und natürlich beschäftigt sich unser Predigttext mit diesem Ereignis. Wir finden den Predigttext für den heutigen Gründonnerstag im Markusevangelium, Kapitel 14, die Verse 17-26.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und am Abend kam er mit den Zwölfen. Und als sie bei Tisch waren und aßen, sprach Jesus: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch,der mit mir isst, wird mich verraten. Und sie wurden traurig und fragten ihn, einer nach dem andern: Bin ich’s ? Er aber sprach zu ihnen: Einer von
den Zwölfen, der mit mir seinen Bissen in die Schüssel taucht. Der Menschensohn geht zwar hin, wie von ihm geschrieben steht; weh aber dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird ! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nicht geboren wäre. Und als sie aßen, nahm
Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach: Nehmet; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Wahrlich, ich sage euch, dass ich
nicht mehr trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis an den Tag, an dem ich auf’s neue davon trinke im Reich Gottes. Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Liebe Gemeinde,

wenn wir heute zusammen über das Heilige Abendmahl nachdenken, dann lassen Sie uns drei Aspekte bedenken, die uns verstehen helfen, die Liturgie und das innere Verständnis des Abendmahles besser zu erkennen.

1. Das äußere Abendmahl

Obwohl das Abendmahl uns als Christen eigentlich vereinen sollte, haben verschiedene Abendmahlslehren dazu beigetragen, dass wir von einer Vereinigung leider noch weit entfernt sind. Wenn wir uns zu Beginn kurz die verschiedenen Lehrmeinungen anschauen, dann lassen Sie uns dies nüchtern und ohne Vorurteile tun. Im wesentlichen gibt es drei Lehrmeinungen, die der katholischen Kirche, die von Luther und die Lehre von Zwingli und Calvin.

Vor dem Abendmahl werden, wie wir alle wissen, die Einsetzungsworte gesprochen. Wenn die Worte „Dies ist mein Leib“ gesprochen werden, dann verwandelt sich nach katholischer Lehre das Brot in den tatsächlichen Leib unseres Herrn. Diese wesenhafte Verwandlung bleibt auch nach dem
Abendmahl bestehen.

Nach lutherischer Lehre endet diese wesenhafte Verwandlung aber nach dem Ende des Abendmahles und die Hostie wird wieder zu dem was sie ursprünglich war, nämlich eine ganz normale Hostie.

Calvin und Zwingli hingegen deuteten dies ganz anders. In der aramäischen Sprache existiert eigentlich das Wort „ist“ überhaupt nicht, sodass nach der calvinistischen Auffassung die richtige Übersetzung lauten müsste: „das bedeutet mein Leib“. Infolgedessen findet keine wesenhafte Verwandlung statt, sondern das Abendmahl ist ein Zeichen der Erinnerung an die
Einsetzung des Heiligen Abendmahles.

Wenn wir einmal das Blut, also den Wein, außen vor lassen, dann sind sich Katholiken und Lutheraner wohl näher als Lutheraner und Calvinisten. Eigentlich ist dies doch ein vollkommen sinnloser Streit, beschäftigt er sich doch lediglich mit der äußeren Form des Abendmahles.
Neben diesem äußeren Abendmahl gibt es dann auch noch das

2. Das innere Abendmahl

Hier wollen wir darüber nachdenken, was denn eigentlich der Inhalt des Abendmahles ist.
Wo sich vorher Katholiken, Lutheranber und Calvinisten noch die Köpfe heiß geredet haben, da sind sie sich bezüglich des Inhaltes des Abendmahles und dessen Bedeutung nahezu deckungsgleich einig. Das zeigt insbesondere, wie sinnlos dieser Streit auch für Außenstehende erscheinen mag.

Wenn wir zum Abendmahl eingeladen werden, dann mit den Worten des 34.
Psalmes: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist.“

Wenn wir zum Abendmahl gehen, dann dürfen wir einen kurzen Moment lang spüren und erleben, was es heißt, ein Leben im Reich Gottes zu führen. Nirgendwo, sind wir Gott so nahe, wie im Abendmahl. Man könnte auch sagen: Das Abendmahl ist der Teil des Gottesdienstes, in welchem sich Himmel und Erde berühren.

Bei den Worten „mein Leib, für euch gegeben“ und „mein Blut, für euch vergossen zur Vergebung der Sünden“ dürfen wir uns daran erinnern, dass Jesus mit Zöllnern und Sündern gegessen hat und ihnen ihre Sünden vergeben hat. Genau so, wie Er damals Seinen Tischgenossen ihre Sünden vergeben hat, genau so vergibt Er auch uns heute immer wieder unsere Sünden. Dieses Gnadengeschenk dürfen wir immer wieder auf’s Neue für uns in Anspruch nehmen.

Aber das Abendmahl hat auch noch einen dritten Inhalt. Es ist ja nicht der Pfarrer, Priester oder Pastor, der uns zum Abendmahl einlädt. Es ist der auferstandene Herr, der uns zu Seinem Tisch bittet, damit wir mit Ihm Gemeinschaft haben können. Wir sollen aber nicht nur mit unserem Herrn Gemeinschaft halten, sondern der Herr Jesus schenkt uns auch die Gemeinschaft untereinander. In dem Abendmahl, wo Er in Wein und Brot zugegen ist, führt unser Herr alle Menschen zusammen, auch diejenigen, die es eben nicht so gut miteinander können.

Begreifen wir also das Abendmahl auch wieder als ein Geschenk, das Trennendes überwindet und uns alle wieder in die wahre Gemeinschaft hineinführen kann.

3. Das Abendmahl als Hoffnungsmahl

Bis hierher haben wir über die Wirkung des Abendmahles in der Gegenwart gesprochen. Das Abendmahl besitzt auch eine Ausrichtung auf die Zukunft. Wenn wir in der Abendmahlsliturgie die Worte sprechen: „Deinen Tod, o Herr verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit“, dann richten wir unseren Blick von der Gegenwart weg hin in die Zukunft.

In der festen Gewissheit, dass unser Herr wiederkommen wird, soll uns dieses Mahl für unser Leben in der Gegenwart stärken. Egal, was auch geschehen wird, wir wissen:
Unser Herr kommt wieder in Herrlichkeit. Und dieses Stück vorweggenommenen Himmel dürfen wir bei jedem Abendmahl genießen.

Dieses Stück Himmel will uns auch im Alltag begleiten.
Dieses Stück Himmel will uns und unsere Sicht der Dinge wieder in die richtige Perspektive rücken.
Und, wer dieses Stück Himmel einmal genossen hat, liebe Gemeinde, der kann eigentlich gar nicht anders, als dies seinen Mitmenschen weiter zu erzählen.

Dass Jesus uns alle, aber auch wirklich alle einlädt, Gemeinschaft mit Ihm zu haben, das beschreibt der Liederdichter Kurt Rommel sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes: „Wir sind zum Mahl geladen…“, der da lautet, wie folgt:

Wir sind zum Mahl geladen. Der Herr ruft uns zu Tisch
wie einstmals seine Freunde zu Wein und Brot und Fisch.
Er ruft uns Menschen alle, er zieht die Grenzen nicht.
Denn die im Dunkeln leben, holt er zu sich ins Licht.

Der Herr lasse Dich SEINE Gegenwart bei Brot und Wein spüren
Der Herr stärke und erquicke Dich durch Brot und Wein
Der Herr gebe Dir durch Brot und Wein Hoffnung auf ein Leben in SEINER
Ewigkeit

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Abend.
Bis zum morgigen Tage verabschiede ich mich und grüße Sie alle recht herzlich

Ihr
Ulrich Naber

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