ePredigt vom 21.03.2004 (2.Korinther 1, 3-11)

Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am Sonntag Laetare, dem 4. Sonntag in der Passionszeit.
Das Predigtwort steht für diesen Sonntag im 2.Korintherbrief, im 1. Kapitel,
in den Versen 3 – 11):²

„Gelobt sei Gott, der Vater unsers Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir trösten können, die da sind in allerlei Trübsal, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. Denn gleichwie wir des Leidens Christi viel haben, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. Haben wir aber Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil. Haben wir Trost, so geschieht es zu eurem Trost, welcher sich wirksam erweist, wenn ihr leidet mit Geduld dieselben Leiden, die auch wir leiden. Und unsere Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen, daß, wie ihr des Leidens teilhaftig seid, so werdet ihr auch des Trostes teilhaftig sein.
Denn wir wollen euch nicht verschweigen, liebe Brüder, unsere Trübsal, die uns in der Landschaft Asien widerfahren ist, wo wir über die Maßen beschwert waren und über Vermögen, so daß wir auch am Leben verzagten und wir selbst es für beschlossen hielten, wir müßten sterben. Das geschah aber darum, daß wir unser Vertrauen nicht sollten auf uns selbst stellen, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt, welcher uns von solchem Tode erlöset hat und erlösen wird. Auf ihn hoffen wir, er werde uns auch hinfort erlösen. Dazu helft auch ihr durch eure Fürbitte für uns, auf daß unsertwegen für die Gabe, die uns gegeben ist, durch viele Personen viel Dank geschehe.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
Wer viele Nächte nicht durchschlafen kann freut sich über jede durchgeschlafenen Nacht. Aber es sind nicht nur Schlaflosigkeit und Schmerzen, die die Nachtruhe rauben. Oft sind es auch schreckliche Alpträume. Dann sehen wir hilflos, wie eine Bedrohung auf uns zu kommt, der wir nicht ausweichen können. Völlig verstört fliehen wir aus dem Schlaf.

Aber noch schlimmer ist es für uns, wenn das Leben selber zum Alptraum wird. Die Belastungen des Lebens können so groß werden, dass wir mit ihnen nicht fertig werden. Wer dann nicht weiß wohin er sich wenden soll, versinkt in Selbstaufgabe oder Umnachtung. Manche werfen in solcher Ausweglosigkeit ihr Leben fort.

Dabei haben wir einen Gott, der uns nicht aufgibt und der uns retten will.
ER sagt uns in SEINEM Wort der Bibel: (Ps 50,15)
„Rufe mich an in der Not, so will ich dich retten, so sollst du mich preisen.“

Im Gebet können wir allezeit zu Gott kommen:
– mit unserem Flehen um Hilfe
– mit unserem Schreien um Rettung
– mit unserem Anruf in Gedanken, wenn uns die Worte versagen.

Gott hört uns und wird uns zu neuem Leben helfen!
Viele Menschen können das bezeugen – und ich auch.

Doch Gottes Hilfe geschieht nicht immer nach unseren Wünschen und Vorstellungen. Manchmal führt Gott uns einen langen und notvollen Weg, bis an den Rand des Ertragbaren. Aber Gott lässt uns nicht los, wenn wir IHN nicht loslassen.

Gott kann uns im Nachhinein Erkenntnis geben, was dieser Weg an uns bewirkt hat. ER kann eine Erfahrung sein, die das Vertrauen auf Gott durch Tiefe und Wachstum bereichert hat.

Das Leiden kann für uns einen Sinn bekommen. Paulus schreibt aus solch einer Erfahrung an die Gemeinde in Korinth. Dabei berichtet er von seinen Bedrängnissen in Kleinasien. Diese Bedrängnisse haben ihn so getroffen, dass er selber am Leben verzagte. Doch Gott hat ihn durch diese Bedrängnisse geführt.

Das hat ihn erneut Vertrauen und Hoffnung auf Gott geschenkt. Daraus ist die Gewissheit gewachsen, dass Gott auch in den ausweglosesten Situationen hilft. Das lässt Paulus getrost in die Zukunft schauen, auch für Zeiten, wo ihm ähnliches widerfahren wird. Er erkennt für sich einen Sinn in dem durchgestandenen Leiden.

Paulus sagt der Gemeinde: Gott hat mich so durch die Tiefe des Leidens geführt und mir durch SEINE Hilfe Trost gegeben, damit ich Anderen in ihrem Leiden nahe sein und sie trösten kann.

Aus Dankbarkeit gegenüber dem erbarmenden und helfenden Gott, beginnt er diesen Predigtabschnitt mit einen Lobpreis Gottes. Er preist Gott als „Vater unseres Herrn Jesus Christus“, als „Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes“.
Dabei ist der Bezug auf Jesus keine Formel. Paulus spricht davon, dass er an das Leiden Christi reichlich Anteil hat.

Zu unserem Leben als Christ gehört das Leiden. Das ist eine Wahrheit, die uns oft nicht bewusst ist. Doch wir leiden, wie Jesus, an der Sünde und Schuld in dieser Welt. Die Ablehnung Gottes und der Ungehorsam gegen Gottes Wort richtet sich nicht nur gegen Gott, sondern auch gegen SEINE Gemeinde.

Aber wir empfangen als Gemeinde auch Gottes Zuwendung und tröstende Liebe in Christus. Jesus Christus ist selber durch die Tiefen des Leidens gegangen. ER hat für sich um die Annahme des Leidens gerungen. Im Gehorsam gegen Gott hat ER SEIN Leben für uns Menschen geopfert. Damit hat ER uns unsere Schuld vor Gott abgenommen, damit wir frei werden können, Gottes Liebe und Hilfe zu empfangen, denn Gott will uns retten.

Gott möchte alle Menschen frei machen von allem, was sie belastet.

ER hat mit der Auferstehung SEINES Sohnes begonnen, eine neue Welt zu schaffen, in der es keinen Tod und kein Leiden geben wird. In der Gemeinschaft mit Jesus schenkt ER ein neues Leben, das auf diese kommende Welt hin führt.

So führt ER auch alle, die sich in Jesu Namen an IHN wenden, durch die Leiden in dieser Welt hindurch. So wächst in der Gemeinde im Leiden durch Gottes Trost befreiende Hilfe, die trägt.

Das ist für Paulus eine Gewissheit, die Paulus an die Gemeinde damals und auch heute an uns weiter gibt. Paulus sagt:
„Unsere Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen, daß, wie ihr des Leidens teilhaftig seid, so werdet ihr auch des Trostes teilhaftig sein.“

Damit sagt Paulus der Gemeinde und auch uns:
Gott ist unsere Hoffnung, auch im Leiden.

Damit wir daran festhalten können, brauchen wir das Gespräch mit Gott, brauchen wir das Gebet.

Das gilt für unser eigenes Beten, aber auch für das Gebet der Gemeinde, als Fürbitte für uns.

Es geht nicht nur um unser Vertrauen auf Gottes Hilfe in unserem Leiden. Vielmehr sollen viele Menschen vom Angebot und Wirken der Hilfe Gottes erfahren, damit auch sie bei Gott Rettung suchen und finden, damit sie von Herzen in den Lobpreis Gottes über SEINE Barmherzigkeit und SEINEN Trost einstimmen können.

Gottes Segen geleite uns, auch durch unsere Leiden, zu dem Leben, das ER uns geben möchte.

Es grüßt herzlich
Ihr Pfr.i.R. Steinführer