ePredigt vom 21.02.2016 (Römer 5, 1-5)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Reminiszere. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 5. Kapitel des Römerbriefes, die Verse 1-5. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Frieden mit Gott

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Liebe Gemeinde,

Frieden mit Gott ist doch das wichtigste, was wir im Leben anstreben sollten. Alles andere, ein dickes Bankkonto, ein Nobelauto und eine Prachtvilla verlieren irgendwann ihre Bedeutung. Unser persönlicher Friede mit Gott hingegen bleibt, so wir ihn denn erlangen, bis in alle Ewigkeit bestehen. Wenn wir es so wollen, dann ist der Friede mit Gott unsere Eintrittskarte in den Himmel. Eigentlich müsste doch jeder Mensch daran ein ganz besonderes Interesse haben, seinen ganz persönlichen Frieden in Gott zu finden.

Wenn ich hingegen bundesweit die Gottesdienstbesucher zähle, dann sind es gerade mal noch zwischen 3-4 % der Gemeindemitglieder, die zusammen den Gottesdienst feiern, wenn man dies einmal als ein ganz unverbindliches Indiz für das Interesse am Frieden mit Gott heranziehen möchte.

Jesus Christus hat uns die Türe zu Gott wieder ganz weit aufgemacht. Was hindert also so viele Menschen daran mit Freuden durch diese geöffnete Türe zu gehen hinein in die ewige Gemeinschaft mit unserem Herrn? Ich glaube es sind drei Punkte, die viele Menschen daran hindern, den Weg des Heils zu beschreiten. Schauen wir uns doch heute Morgen diese Punkte einmal ein wenig näher an:

1. Jetzt noch nicht, sondern später

Viele Menschen schieben die „Sache“ mit Gott, wie sie es nennen, gern immer wieder vor sich her. Im Moment habe ich keine Zeit für Gott, ich muss erst mein Studium zum Abschluss bringen. Nein, jetzt geht es auch nicht, ich muss mich mit aller Kraft meiner Karriere widmen. Nein und jetzt geht es immer noch nicht, ich muss mich schließlich neben der Arbeit auch den Bedürfnissen meiner Familie widmen.

Ich habe einfach keine Zeit für Gott; später, wenn ich in Rente bin, dann kann ich die Sache ja mal in aller Ruhe angehen.

Wir sehen, liebe Gemeinde, viele Menschen nehmen auf des Teufels liebstem Möbelstück, der langen Bank, Platz und machen es sich dort ein Leben lang gemütlich.

Der norwegische Bischof Ole Hallesby hat einmal in einer seiner bekannten Morgenandachten folgendes gesagt: „Es kann sein, dass Sie heute Abend zu Bett gehen und morgen in der Frühe in der Hölle aufwachen.“ Natürlich erntete er einen Sturm der Entrüstung für diesen Satz, was ja auch nicht anders zu erwarten war.

Aber so ist es in der Tat. Heute, wenn wir seine Stimme hören, heute sollen wir sein Gnadengeschenk annehmen. Wir wissen alle nicht, was mit uns heute noch passiert. Haben wir aber unser Leben dem Herrn übergeben, dann ist vollkommen egal, was mit uns passiert, wir sind in aller Ewigkeit in seiner Hand und werden in aller Ewigkeit mit ihm leben. Aber nur, wenn wir die lange Bank verlassen und unseren Frieden mit Gott schließen.

„Ich möchte erst noch etwas vom Leben haben, danach bringe ich die Sache mit Gott in Ordnung“ ist auch eine beliebte Ausrede, um nicht hier und heute den Frieden mit Gott zu schließen. Der große Erweckungsprediger Spurgeon antwortete einmal einem jungen Mann, der ihm dies ins Gesicht sagte: „Sie enttäuschen mich, junger Mann, warum wollen Sie denn nur ETWAS vom Leben haben, wenn sie jetzt DAS LEBEN in seiner Gesamtheit und Völle haben können ?“

2. Ich brauche keine Erlösung, ich bin ein rechtschaffener Bürger

Ich gehe mal davon aus, das sich unter uns keine notorischen Verbrecher befinden und dass wir alle also ein rechtschaffenes Leben führen. Aber trotz aller Rechtschaffenheit werden wir immer wieder die ein oder andere Sünde begehen. Und wenn wir dafür keine Vergebung erlangt haben, haben wir eben keinen Frieden mit Gott.

Und lassen Sie uns unseren Zeitgenossen, die glauben, Gott würde auch schon mal alle fünf gerade sein lassen, diesen Zahn beizeiten ziehen.

Lassen Sie uns dies einmal mit einem Strafprozess vor einer Strafkammer verdeutlichen. Nehmen wir einmal an, jemand ist des Betruges in einem Falle angeklagt. Glauben Sie allen Ernstes, dass dieser Angeklagte sich damit freisprechen kann, indem er sagt, dass er bisher doch ein rechtschaffenes Leben geführt hat und man könnte doch dann mal alle Fünfe gerade sein lassen? Natürlich nicht.

Uns umso mehr wird Gott dereinst, wenn wir vor ihm stehen nicht alle Fünfe gerade sein lassen. Wenn wir dann nicht beizeiten unseren Frieden mit Gott hier auf Erden geschlossen haben, dann werden wir unweigerlich in der ewigen Verdammnis landen.

3. Ich glaube nur, was ich sehe

Eigentlich schon ein Satz, den ich so nicht stehen lassen kann. Was ich sehen kann, das muss ich ja nicht mehr glauben. Und trotzdem höre ich diesen Satz so ungefähr 50 Mal im Jahr. Ich pflege dann immer, getreu einem meiner großen Glaubensvorbilder, meinem Gegenüber den beherzten Griff in die Steckdose. Wenn er nur glaubt, was er sieht, und alles andere eben nicht existent ist, dann kann ihm ja nichts passieren. Strom kann man nicht sehen, also ist er auch nicht da.

Meines Wissens hat auch noch niemand meiner Aufforderung Folge geleistet. Aber jeder war zumindest ein wenig verunsichert. Was können wir bei solchen Gelegenheiten empfehlen? Ich empfehle immer der das als ob Experiment. „Tun Sie mal so, als ob Gott existiert. Reden Sie einfach mal mit ihm und lassen Sie alles geschehen unter der Prämisse des als ob.“

Ich habe ganz erstaunliche Rückmeldungen erhalten. Eine Rückmeldung war so interessant, dass ich sie hier kurz schildern möchte. Eine junge Dame berichtete mir, dass ihr so etwas wie die inneren Augen aufgetan worden sind. Gott habe sich ihr durch eine ganz eigene Art und Weise zu erkennen gegeben. Natürlich habe sie Gott nicht gesehen, aber sie sei jetzt davon überzeugt dass es ihn gibt.

Jetzt bleibt nur noch ein 5. Punkt zu klären, nämlich

5. Wie bekomme ich den Frieden mit Gott?

Den Frieden mit Gott erhalten wir alle, die wir ihn den haben möchten, vollkommen umsonst. Frieden mit Gott haben wir dann, wenn uns unsere Sündenlast nicht mehr drückt, wenn wir also von dieser Last befreit werden.

Befreit werden wir von dieser Last, wenn wir unsere Sünden bereuen und unsere Sünden Jesus übertragen, der ja für alle unsere Sünden bereits den Preis bezahlt hat. Wenn wir danach unserem Herrn unser Leben übergeben und ihn bitten, in uns Wohnung zu nehmen, dann wird er bei uns Einzug halten. Und mit diesem Einzug kommt auch der Friede Gottes in unsere Herzen hinein. Und dieser Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft der bewahrt unsere Herzen in Jesus Christus zum ewigen Leben.

Ein Leben, welches im Frieden mit Gott aufgeht, das beschreibt der Liederdichter Jochen Klepper sehr schön in dem 1. Vers seines Liedes: „Er weckt mich alle Morgen…“ (EG 452), der da lautet, wie folgt:

Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor,
dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmerung Pforte ist er mir nah und spricht.

Der Herr Segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber