ePredigt vom 20.12.2015 (Philipper 4, 4-7)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 4. Sonntag im Advent.
Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Philipperbrief, Kapitel 4, die Verse 4-7. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam
lesen:

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich euch: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden ! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Liebe Gemeinde,

wer den Text mitgelesen hat, der hat sicherlich die vielen Ausrufezeichen bemerkt, die wir dort vorfinden. Ich habe einmal im Duden nachgeschaut welche Definition er denn für ein Ausrufezeichen hat. Sie lautet: Das Ausrufezeichen verleiht dem vorangehenden besonderen Nachdruck. Da wir im Predigttext 4 Ausrufezeichen haben, muss der Predigttext wohl auch 4 für uns ganz wichtige Botschaften in sich haben.
Schauen wir uns diese einmal der Reihe nach an.

1. Freuet euch !

Weihnachten steht vor der Tür. Wir freuen uns über ein paar freie Tage, die wir in Ruhe verbringen dürfen. Wir erfreuen uns an der weihnachtlichen Dekoration in unseren Wohnungen und an der heimeligen Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt. Also was soll dann diese Aufforderung in unserem heutigen Predigttext. Wir freuen uns doch schon.

Diese vordergründige, bald wieder vergehende Freude ist aber in unserem Predigttext nicht gemeint. Wir sollen uns über das freuen, was unser Heiland für uns getan hat. Wäre der Herr Jesus nicht für uns gestorben und hätte damit ein für alle Mal für unsere Sünden bezahlt, dann hätten wir heute keinen freien Zugang zu unserem Herrn im Himmel. Aber gerade weil unser Herr dies alles für uns getan hat, ist unser Weg in den Himmel wieder frei.

Und darüber, liebe Gemeinde, dürfen wir uns freuen. Diese tiefe Freude will uns ein Leben lang begleiten. Auch wenn die äußeren Umstände wenig Grund zur Freude geben, dann dürfen wir uns trotzdem an dem erfreuen, was unser Herr für uns getan hat. Wir dürfen uns nur nicht von äußeren Umständen treiben lassen. Im Herzen soll immer diese Freude alles überlagern, was uns diese Freude verderben könnte.

Diese Freude dürfen wir das ganze Jahr, und nicht nur in der Vorweihnachtszeit und an den Weihnachtsfeiertagen in uns tragen.

2. Eure Güte lasst kund sein allen Menschen

Liebe Gemeinde, unser Herr ist nicht allein für uns, sondern für die gesamte Menschheit ans Kreuz gegangen. Natürlich sollen wir diese Freude und dieses Geschenk ganz für uns persönlich in Anspruch nehmen.

Aber wir sollen diese Freude nicht in unsere Herzen einschließen. Wir sollen diese Freude weitergeben. Wir sollen sie allen Menschen weitergeben, die diese noch nicht in sich tragen. Gott will uns dabei als seine Werkzeuge gebrauchen.

So wie es viele verschiedene Werkzeuge gibt, so gibt es auch viele verschiedene Möglichkeiten diese Freude weiterzugeben. Dem einen liegt es, anderen Menschen von dieser Freude zu erzählen. Dem anderen liegt es vielleicht eher diese Freude in praktische Taten umzusetzen und sich so für andere Menschen einzusetzen. Ich bin fest davon überzeugt, dass unser Herr einem jeden von uns ganz genau zeigen will und wird, wie wir diese Freude ganz persönlich weitergeben können.

Eine Eigenschaft erfahren wir direkt am Anfang des Satzes. Eure Güte…
Was ist das denn eigentlich, die Güte ? Wenn wir den Originaltext betrachten, dann kann dieses Wort auch mit Gnade und Milde übersetzt werden. Wir sollen bei allem was wir tun die Gnade und die Milde im Vordergrund walten lassen.

3. Der Herr ist nahe !

Jetzt so unmittelbar vor dem Weihnachtsfest ist diese Botschaft eigentlich nichts besonderes. Aber schauen wir mal ein wenig weiter.
Weihnachten wurde Jesus geboren, ganz ohne Zweifel. Aber er kommt noch einmal wieder zurück. Dann allerdings nicht als kleines Kind in der Krippe, sondern als König aller Könige. Bis zu diesem Zeitpunkt hat jeder Mensch, der auf Erden lebt die Möglichkeit zu ihm zurückzukehren und das Himmelswohnrecht in Anspruch zu nehmen.

Mit unserem Tod auf Erden und mit dem neuerlichen Kommen unseres Herrn endet dann diese Möglichkeit. Da wir beide Zeitpunkte nicht kennen, ist es heute an der Zeit, diese Entscheidung zu treffen und heute ihm alle unsere Sünden zu bekennen. Wenn wir dies hier und jetzt tun, dann sind wir augenblicklich Himmelsanwärter. Von diesem Augenblick an müssen wir uns keine Sorgen mehr darüber machen, wie es denn mit unserem Leben weitergeht. Ab diesem Moment übernimmt der Herr Jesus das Ruder in unserem Lebensschiff und steuert uns auf den Himmel zu.

Der Herr ist nahe hat aber nicht nur eine zeitliche, sondern auch eine örtliche Komponente. Der Herr ist uns auch örtlich heute schon ganz nahe. David drückt dies in Psalm 139 sehr treffend aus, wenn er sagt:
„Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“

Wenn wir von Gott im Himmel sprechen, dann denken viele Menschen immer, dass Gott Millionen von Kilometern von uns entfernt ist. Als Kinder haben wir das Lied gesungen: „In dem Himmel ferne, da wo die Englein sind…“ Da habe ich noch ziemlich naiv gedacht: Da kann ja kein Mensch hinkommen. Wir waren zu dieser Zeit ja noch nicht einmal auf dem Mond gelandet. Aber Gott sei Dank wohnt Gott nicht in dem Himmel ferne.

Er ist nämlich hier. Hier mitten unter uns. Und darüber dürfen wir uns freuen. Er ist nur eine Handbreit von uns entfernt und hält schützend seine Hand über uns. Darauf dürfen wir uns verlassen. Darauf dürfen wir unser ganzes Leben aufbauen.

4. Sorgt euch um nichts ….!

Das sagt sich so einfach. Wenn Gott wüsste, was ich alles für Nöte und Probleme habe, dann würde er dies ganz bestimmt nicht zu mir sagen.
Doch, liebe Gemeinde, dann würde er dies noch viel eindringlicher sagen.

All das, was uns Sorgen bereitet und was uns bedrückt sollen wir nämlich im Gebet vor ihn bringen. Er, der schützend seine Hand über uns hält, möchte uns nämlich auch ganz konkret bei all unseren Alltagssorgen und Nöten zur Seite stehen. Wir dürfen alles vor ihn bringen und fest darauf vertrauen, dass nur das geschehen wird, was am besten für uns ist. Darum dürfen wir ihm auch schon in unserem Sorgengebet von Herzen danken, dass er bei uns ist und uns zur Seite steht.

Liebe Gemeinde, wenn wir dies tun, dann wird der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, unsere Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus unserem Herrn. Ist das nicht das schönste Weihnachtsgeschenk, was man uns bereiten könnte.

Dieses unbedingte Vertrauen auf unseren Herrn beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem zweiten Vers des Liedes „Befiehl du deine Wege…“ (EG 361), der da lautet, wie folgt:

Dem Herren musst du trauen, wenn dir’s soll wohlergehn; auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr heb sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten 4. Advent und ich verabschiede mich bis zum nächsten Donnerstag, dem Heiligabend.

Herzlich Grüße sendet Ihnen allen
Ihr

Ulrich Naber