ePredigt vom 20.11.2011 (Daniel 12; 1b-3)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Ewigkeitssonntag. An diesem Sonntag gedenken wir traditionell all derer, die uns im Glauben bereits voraus gegangen sind.
Unseren Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Daniel im 12. Kapitel, die Verse 1b-3. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande. Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.

Liebe Gemeinde,

gemeinhin wird unser heutiger Sonntag ja auch Totensonntag genannt.
Jetzt verbinden wir mit dem Wort Tod meist etwas endgültiges. Aber wie uns der Predigttext soeben gezeigt hat, ist mit dem Absterben unserer irdischen Hülle eben noch nicht alles vorbei. Doch lassen Sie uns nichts vorwegnehmen. Lassen Sie uns gemeinsam betrachten, was uns der heutige
Predigttext sagen will.

1. Die große Trübsal

Liebe Geschwister, im vergangenen Jahr haben viele unter uns nahe Angehörige und andere liebe Menschen verloren. Für all diese Menschen war und ist es eine große Trübsal, wie Sie auch unser Predigttext beschreibt. Der geliebte Mensch ist auf einmal nicht mehr unter uns. Gemeinsamkeiten sind nur noch als Erinnerungen vorhanden. Und darum ist es auch so wichtig, dass wir mit dem Friedhof eine Anlaufstelle des Trostes haben.

Auf dem Friedhof können wir mit den Verstorbenen reden, Trost finden und wenn wir anderen Trauernden begegnen, Trost spenden. Anonyme Bestattungen und Friedwälder sind zwar preiswertere Formen der Bestattung, aber es fehlt der persönliche Platz des Trauerns. Die Trübsal, die wir empfinden, wenn wir einen geliebten Menschen verloren haben, ist etwas ganz natürliches. Genau so natürlich ist es aber auch, dass die Zeit der Trübsal allmählich schwindet und dem Trost Platz macht. Wollen wir uns den Trost ein wenig näher betrachten.

2. Der Trost

Wie wir soeben gehört haben, ist mit dem Tode also nicht alles aus und vorbei. An einem von Gott bestimmten Tage werden alle Leiber auferstehen. So weit, so gut. Aber der Text geht noch weiter. Es werden zwar alle auferstehen, aber ein Teil der Menschen wird in die Hölle geworfen werden und der andere Teil wird in den Himmel gelangen.

Himmel und Hölle werden sowohl im Alten, als auch im Neuen Testament über 70 mal erwähnt. Es ist ja so, dass wir an den Himmel nur all zu gern glauben, die Existenz der Hölle aber immer wieder gern in Zweifel ziehen. Davor möchte ich eindringlich warnen, auch wenn viele Theologen gerade die Existenz der Hölle negieren.

Wenn ich morgens früh den Wetterbericht höre und es wird eindringlich vor Blitzeis gewarnt, dann gehe ich entweder gar nicht aus dem Haus, oder ich treffe entsprechende Vorsichtsmaßnahmen. Keinesfalls würde ich mich mit meinen Sommersandalen auf den Weg zur Arbeit machen. Das würde glaube ich keiner von uns tun. Keiner von uns würde sagen: „So ein Quatsch, Glatteis gibt es nicht !!!

Wenn es aber um die Hölle geht, dann verhalten wir uns weniger vorsichtig. Wir tun beinahe so, als ob es die Hölle nicht gibt. Und dies, liebe Gemeinde, kann fatale Auswirkungen für unsere eigene
Ewigkeit haben. Also lassen Sie uns die Bibel doch wieder in allen Punkten ernst nehmen, auch in den weniger bequemen Aussagen sollten wir ihr unser absolutes Vertrauen schenken.

3. Die Entscheidung

Wer bestimmt eigentlich, welcher Mensch in den Himmel und welcher Mensch in die Hölle kommt ? Geht das bei Gott nach einem arithmetischen Zufallsprinzip oder nach einer klug ausgetüftelten Verteilung ? Gerade die Zeugen Jehovas haben ja ganz abenteuerliche Vorstellungen über diese „Himmelsquote“.

Bisher war das ja alles eher negativ, worüber wir nachgedacht haben. Deshalb ist es jetzt Zeit für eine frohe Botschaft, für eine Botschaft, die alle Schatten des Lebens an die Seite drängt. Wir haben es selber in der Hand, ob wir im Himmel oder aber in der Hölle landen. Ist das nicht wunderbar ? Wir entscheiden ganz alleine für uns selbst, wo wir die Ewigkeit verbringen wollen.

Alle Menschen, die zu Lebzeiten ihr Leben in die Hand unseres Herrn gelegt haben, werden mit IHM zusammen die Ewigkeit verbringen, also in den Himmel kommen. Diese Entscheidung, liebe Gemeinde, kann uns kein Mensch abnehmen, diese Entscheidung kann auch kein anderer Mensch für uns treffen. Diese Entscheidung ist eine reine Privatsache zwischen unserem Herrn und uns.
Bei dieser Entscheidung geht es in der Tat um Leben und Tod.

Wenn ich dies so dramatisch beschreibe, dann möchte ich niemanden ängstigen, aber ich möchte auch nicht schuldig daran werden, dass auch nur ein Einziger unter uns nicht die Möglichkeit dieser Entscheidung kennt.

Nun wollen wir aber alle zunächst mal darauf hoffen, dass es bis zu unserem Eintritt in die Ewigkeit noch ein wenig dauert. Dann ist dies doch alles nur ein billiger Trost, ein Trost auf die Ewigkeit, die wir im Moment noch nicht schauen können. So, liebe Gemeinde, erlebe ich es häufig in Gesprächen und Diskussionsrunden.

Nun müssen wir aber bedenken, dass unsere Entscheidung für unseren Herrn nicht erst in der Ewigkeit ihre Früchte trägt. Nein, auch schon hier auf Erden hat unser JA zu IHM schon Auswirkungen auf unser weiteres Leben. All diejenigen, die in der Vergangenheit oder aber heute JA zu IHM gesagt haben, die haben schon hier und heute ein Stück weit den Himmel auf Erden.

Wir dürfen schon heute darauf vertrauen, dass ER uns beisteht und schützend SEINE Hand auf uns legt. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass ER gerade bei denjenigen ist, die am heutigen Ewigkeitssonntag ihre persönliche große Trübsal erleben. Unser Herr, darauf sollen wir vertrauen, führt uns durch alles Leid und durch all die Trauer dieser Welt hindurch bis ER uns auch dahin führen wird, wo sich unsere Lieben bereits heute schon befinden.

Lassen Sie mich kurz noch ein letztes sagen. „Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz….“ so lautet der Schluss unseres heutigen Predigttextes. Das bedeutet nicht, dass alle Pfarrer und Prediger einen Freifahrtschein in den Himmel haben. Von manchen wird es leider so verstanden. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir unsere Entscheidung für unseren Herrn auch nach außen tragen sollen. Wir lehren ja nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten. Sowohl an unseren Worten, als auch an unseren Taten soll man erkennen können, wem wir anhangen. Und dann trifft auch uns diese wundervolle Verheißung.

Diese unsere Verheißung beschreibt der Liederdichter Nikolaus Herman sehr schön in dem
4. Vers seines Liedes „Wenn mein Stündlein vorhanden ist…“, welcher lautet, wie folgt:

Weil du vom Tod erstanden bist.
werd ich im Grab nicht bleiben,
mein höchster Trost dein Auffahrt ist,
Todsfurcht kann sie vertreiben;
Denn wo du bist, da komm ich hin,
dass ich stets bei dir leb und bin;
drum fahr ich hin mit Freuden.

Der Herr gebe Dir allezeit SEINEN Frieden
Der Herr lasse Dich allezeit SEINE Gegenwart spüren
Der Herr begleite Dich allezeit bis in die Ewigkeit

Amen.

Liebe Gemeinde,

für dieses Kirchenjahr verabschiede ich mich von Ihnen allen und würde mich sehr freuen, Sie alle am nächsten Sonntag, dem ersten Sonntag des neuen Kirchenjahres wieder begrüßen zu dürfen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber