ePredigt vom 20.03.2011 (Matthäus 12;38-42)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 2. Sonntag in der Passionszeit mit dem Namen Reminiszere. Der zentrale Inhalt des heutigen Sonntages ist der Glaube. Wenn wir unseren Herrn mit dem Wort Reminiszere – Herr, gedenke meiner – anflehen, dann sollten wir uns auch daran erinnern, dass der Glaube keine Einbahnstraße von Gott zu uns ist, sondern dass es auch den anderen Weg, nämlich den Weg von uns zu Gott gibt, den WIR beschreiten sollen. Diesen Weg nennen wir Glaube. Dieser Weg ist nicht immer ganz einfach, wie es uns unser Predigttext für den
heutigen Sonntag aufzeigt. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 12. Kapitel des Matthäusevangeliums, die Verse 38-42. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Zeichenforderung der Pharisäer

Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen. Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es
sei denn das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein. Die Leute von Ninive werden auftreten beim jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es
verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. Die Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Welt, um Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist
mehr als Salomo.

Liebe Gemeinde,

ich glaube nur, was ich sehe, der Glaube ist für den Religionsunterricht und die Kirche gedacht und nicht für das alltägliche Leben , das sind so die üblichen Sprüche , die ich immer wieder in der gleichen Form höre. Nun wird eine Unwahrheit nicht dadurch zur Wahrheit, dass man sie gebetsmühlenartig wiederholt. Dieses „Ich glaube nur, was ich sehe“ ist gar nicht mal so neu. Es ist auch nicht in der Hochzeit der Naturwissenschaften entstanden. Nein, dieses „Ich glaube nur, was ich sehe“ war schon die Standardantwort der Theologen zur Zeit Jesu. Sie forderten von Jesus sichtbare Zeichen, bevor sie Ihm ihr Vertrauen schenken wollten. Dass sichtbare Zeichen nunmehr mit dem Glauben recht wenig zu tun haben, darauf wies Jesus die Schriftgelehrten in eindringlicher Form hin.

Hinter dieser Antwort unseres Herrn steckt aber noch ein wenig mehr.
Vielleicht ein wenig versteckt, aber doch erkennbar zeigt unser Herr auf, wodurch der Glaube genährt wird und was den Glauben wirklich festigt, sodass er letztendlich gar keine Zeichen mehr zu seiner Verifizierung benötigt. Der Herr Jesus spricht in unserem heutigen Predigttext drei Grundnahrungsmittel des Glauben an, die uns auch heute noch eine wertvolle Lebens-, wenn nicht sogar Überlebenshilfe sein können. Lassen Sie uns über diese drei Grundnahrungsmittel des Glaubens ein wenig näher nachdenken.

1. Vertrauen

Was ist das eigentlich: Vertrauen ? Ich habe eine interessante Definition gefunden, die auch auf den christlichen Glauben angewandt werden kann. Vertrauen ist die feste Annahme, dass Entwicklungen einen positiven oder erwarteten Verlauf nehmen. Jesus hatte ja bis zu diesem Zeitpunkt schon viel über das kommende Reich gepredigt. Eigentlich hätten die Schriftgelehrten und Pharisäer schon erkennen können, dass es sich bei Jesus um den erwarteten Messias handelt. Hätten sie ihre
Schriften eingehender studiert, wären sie unweigerlich auf den Propheten Jona gestoßen.

Wie die Schriftgelehrten damals, so stehen wir doch auch heute noch da.
Wir haben die garantierten Verheißungen in der Bibel, wir können das historische Geschehen des Leidens und der Auferstehung unseres Herrn in der Bibel nachlesen. Und was machen wir ? Genau, wie vor 2000 Jahren die Pharisäer, so wollen auch wir heute noch Zeichen sehen. Und das, liebe
Gemeinde, hat mit Glauben nichts mehr zu tun.

Jesus hat uns versprochen, dass durch Seinen stellvertretenden Opfertod unsere Sünden gesühnt werden. Dies ist geschehen. Jesus hat uns verheißen, dass sich schlussendlich alle Dinge zum Guten wenden werden. Und darauf, liebe Gemeinde, und darauf allein sollen wir vertrauen. Auch wenn es manchmal in der Welt wahrhaftig nicht danach ausschaut, so dürfen wir doch darauf vertrauen, dass am Ende alles gut ausgeht. Zumindest für uns, die wir dem Herrn Jesus Christus gehören.

2. Hoffnung

Hoffnung, so wird sie unter anderem definiert, ist eine zuversichtliche innere Ausrichtung, gepaart mit einer positiven Erwartungshaltung, dass in der Zukunft etwas eintritt, ohne dass wir einen sichtbaren Beweis dafür in Händen halten. Hoffnungsvoll machte sich auch die Königin aus
Saba auf den Weg, um sich davon zu überzeugen, was ihr von König Salomo berichtet worden war. Gewiss, sie hatte zwar einiges von seiner unendlichen Weisheit gehört, aber man weiß ja nie. Die Leute übertreiben schließlich auch gerne. Das hat sich bis heute auch nicht geändert. Nichtsdestotrotz machte sie sich auf den Weg, und stellte fest, dass alles, was sie gehört hatte, eher noch untertrieben war. Ihre Hoffnung auf dass, was sie erwartete wurde also bei weitem übertroffen.

Und so, liebe Gemeinde, sollen wir es auch heute im 21. Jahrhundert mit der Hoffnung handhaben. Wenn die Hoffnung uns nähren soll, dann müssen wir uns auf den Weg machen, um uns von dem zu überzeugen, was uns unser Herr versprochen hat. Wenn wir nur zu Hause sitzen bleiben und warten, dass der Herr zu uns kommt, dann wird unsere Hoffnung sicherlich enttäuscht werden. Wenn wir uns aber auf den Weg machen, um den Grund unserer Hoffnung zu finden, dann verspricht uns Jesus, dass Er sich finden lassen wird.

Und wenn wir Ihn gefunden haben, dann sagt Er uns auch, dass Er bei uns sein wird alle Tage bis an der Welt Ende. Genau, wie bei der Königin von Saba, so wird auch unsere Hoffnung bei weitem übertroffen werden. Warum aber machen sich so wenige Menschen auf den Weg, um sich zu
vergewissern, dass diese Hoffnung erfüllt werden wird ? Ganz einfach, sie verwechseln Hoffnung mit Illusion. Beide liegen nämlich ganz eng beieinander.

Die Hoffnung sagt: „Da könnte etwas sein, also mache ich mich auf den Weg.“
Die Illusion sagt: „Da scheint zwar etwas zu sein, aber ich lasse mich nicht täuschen“.

Raten Sie mal, wer dies in unser Herz hineinlegt. Genau, der Satan, der große Widersacher. Er weiß ganz genau, dass wir für ihn verloren sein werden, sobald wir den Weg der Hoffnung beschreiten.
Lassen wir uns also von nichts und niemandem davon abbringen, den Grund unserer Hoffnung zu suchen und zu finden.

3. Liebe

Das letzte geistliche Grundnahrungsmittel ist die Liebe. Vertrauen und Hoffnung sind beides, wenn wir so wollen, aktive Tätigkeiten von uns. Ernährt und getragen werden Vertrauen und Hoffnung aber durch die Liebe unseres Herrn zu uns. Diese Liebe zu uns war schon in uns, als wir uns
noch gar nicht mit Vertrauen und Hoffnung beschäftigt haben. Diese einzigartige Liebe hat uns erst auf den rechten Weg gezogen.

Wir können nicht von uns aus losgehen um Gott zu suchen. Nein, es ist genau anders herum. Gott sucht uns, sendet Seine Liebe in unser Herz und lässt uns dann den rechten Weg finden und auch gehen. Diese Liebe begleitet uns ein Leben lang. Auch wenn wir sie nicht ständig und immer
und überall spüren. Aber wenn es wirklich einmal brenzlig wird, dann lässt uns Gott Seine Liebe in uns um so intensiver spüren.

Die Schriftgelehrten und Pharisäer verlangten ein Zeichen von unserem Herrn. Wir haben seit 2000 Jahren ein sichtbares Zeichen der Liebe Gottes zu uns überall in unserer Umgebung; nämlich das Kreuz Christi. Dieses Kreuz soll uns alle Zeit daran erinnern: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Johannes 3, 16).

Wenn wir diese Botschaft, die uns das Kreuz übermitteln will, von Herzen annehmen, dann können wir unseren Weg als Christen bis zu unserem seligen Ende voller Hoffnung und Vertrauen, allein getragen von der Liebe unseres Herrn, gemeinsam gehen.

Dieses, durch Liebe getragene Hoffen und Vertrauen beschreibt auch der Liederdichter Ignaz Franz sehr schön in dem 7. Vers seines Liedes „Großer Gott, wir loben dich…“. Dieser Vers lautet, wie folgt:

Durch dich steht das Himmelstor
allen, welchen glauben, offen;
du stellst uns dem Vater vor,
wenn wir kindlich auf dich hoffen;
du wirst kommen zum Gericht,
wenn der letzte Tag anbricht.

Der Herr schenke Dir Vertrauen, damit Du nicht zweifelst
Der Herr schenke Dir Hoffnung, die Dich trägt
Der Herr schenke Dir SEINE Liebe, die Dich allezeit begleitet

Amen

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche. Lassen wir uns doch alle wieder allein von Gottes Liebe getragen wissen. Auch an scheinbar schweren Tagen dürfen wir uns daran erinnern, dass ER uns letztendlich immer wieder auffängt
und trägt.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber