ePredigt vom 20.02.2011 (Lukas 17; 7-10)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem ersten Sonntag der Vorfastenzeit mit dem Namen Septuagesimae. Der Name deutet auf die 70 Tage hin, die mit dem Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti) vorüber sind. So langsam werden die Predigttexte daher wieder ein wenig ernster, was aber nicht bedeutet, dass sie uns nicht erbauen sollen.
Gerade die etwas ernsteren Texte nehmen uns aus der Wohlfühlphase heraus und geben uns wertvolle Ratschläge für unseren Alltag als Christen. So auch der heutige Text. Unseren heutigen Predigttext finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 17, die Verse 7-10.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Knechtslohn

Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setze dich zu Tisch ? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; danach sollst du auch essen und trinken ? Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war ? So auch ihr ! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

Liebe Gemeinde,

als ich den Predigttext zum ersten Male gelesen habe, fiel mir der Spruch ein, mit welchem sich Pfadfinder weltweit begrüßen, nämlich mit den Worten „Allzeit bereit“. Als ich den Text dann ein zweites Mal gelesen habe, wurde aus dem ansonsten so freudigen „Allzeit bereit“ ein eher freudloses Knechtsdasein, eine Schinderei bis zum Umfallen. Arbeiten bis zum Umfallen, und dann auch noch weitermachen ? Die Worte Jesu habe ich irgendwie ganz anders im Ohr. Hinter dem Text muss also doch noch mehr stecken als das Gebot der pausenlosen Schinderei im Namen Gottes. Gott sei Dank ist dem auch so. Unser heutiger Predigttext will uns an drei Tatsachen erinnern, die wir häufig bei unserem aktiven Christenleben vergessen.

1. Nicht für uns, sondern für andere

Ein Knecht bewirtschaftet in aller Regel nicht das Feld für sich selber, sondern für seinen Dienstherrn. Im Vordergrund steht dabei der Ertrag, der für seinen Herrn dabei herauskommt. Ähnliches gilt auch für uns, die wir im Dienste Jesu Christi tätig sind.

Wir nehmen unsere Aufgaben für andere wahr. Nicht wir stehen im Mittelpunkt, sondern das Wohlergehen des Nächsten ist das Wichtigste für uns. Christenleben hat also schon ein wenig mit dem zu tun, was wir als Selbstaufgabe beschreiben würden.

Wir geben uns und unser Leben ganz in Gottes Hand und bitten ihn, dass Er uns leitet und führt und uns in Seinen Dienst stellt.

Mit unserem Dienst hören wir nicht auf, selber zu existieren, aber von nun an herrscht Christus in uns. Und diesem Herrscher sollen wir so gehorchen, wie ein Knecht seinem Herrn gehorcht.
Immer dann, wenn wir Dank und Anerkennung erwarten sollten bei uns die Alarmglocken angehen. Dann können wir nämlich sicher sein, dass WIR wieder im Mittelpunkt stehen und nicht der Nächste, um den wir uns eigentlich kümmern sollen. Also doch „Knechtschaft“ bis zum Umfallen ?
Nein, liebe Gemeinde, so ist dies nicht gemeint. Jeder von uns soll sich mit seinen Fähigkeiten so einsetzen, dass er freudig seinen Dienst versieht. Die psychosomatischen Kliniken sind schon voll mit „weltlichen“ Burn-Out-Patienten. Da müssen wir sie nicht auch noch mit christlichen „Burnoutern“ bevölkern. Dies will auch unser Herr nicht.

Ein Knecht ist häufig für den ganzen Hof verantwortlich. So sind wir auch für das gesamte Reich Gottes gemeinsam verantwortlich. Jeder setzt sich mit seinen Fähigkeiten zum Wohle des Ganzen ein und nicht zum eigenen Wohle. Die eigene Pflicht tun, dabei aber die Gesamtverantwortung nicht aus den Augen verlieren, die wir als Gemeinschaft untereinander und füreinander haben, genau daran will uns der Predigttext als erstes erinnern.

2. Darf der das ? – Der darf das !!!

Ein zweiter Punkt, an welchen uns unser heutiger Predigttext erinnern möchte ist die Rangordnung im Reiche Gottes. WIR sind die Knechte und ER ist der Herr. Wir haben ja alle so manchmal die Neigung, das Herrschaftsverhältnis ein wenig umzukehren. Gern treffen wir einsame Entscheidungen, ohne diese vorab mit unserem Herrn zu bereden. Geht etwas schief, dann sind wir häufig fürbass erstaunt, wie das denn nun geschehen konnte. Gott sei Dank führt Er uns immer wieder an unsere Grenzen heran und wir dürfen reumütig immer wieder zu Ihm zurückkehren.

Genau so, wie ein Knecht nicht eigenmächtig einen neuen Trecker kaufen darf, genau so wenig sollen wir eigenmächtig handeln, wenn es um unseren Dienst in Gottes Reich geht. Auch wenn es manchmal schwer fällt, wir sollen Seinen Auftrag abwarten; nur dann stehen wir ganz unter Seiner
Führung. Daran dürfen wir uns übrigens nicht nur heute erinnern, sondern immer wieder zwischendurch in unserem Alltag.

Gott hat als Schöpfer des Himmels und der Erde also einen absoluten Herrschaftsanspruch. Genau so, wie der Großgrundbesitzer einen Herrschaftsanspruch gegenüber seinem Knecht hat. Gott kann also die Knechtschaft von uns verlangen, weil Er uns geschaffen hat, wir quasi Sein Eigentum sind. Ja dann mal frisch an’s Werk liebe Gemeinde. Lasst uns gemeinsam rackern bis wir eines Tages tot umfallen.

Aber Stopp !!! Das will Gott ja gar nicht. Er hat zwar den Machtanspruch, aber Er verzichtet auf die Ausübung Seiner Macht als oberster Dienstherr. Ist das nicht wunderbar ? Er möchte, dass wir als
Seine Kinder eine ganz enge, von Liebe getragene Beziehung zu Ihm aufbauen und unterhalten. Das Problem ist nur: Wir sind mit Schuld und Sünde beladen, die uns von einer Beziehung von Gott trennt.

Bleiben wir ruhig bei unserem heutigen Predigttext. Der Knecht wird immer in seiner
Knechtskate hausen, er wird niemals den Schlüssel des Herrschaftshauses in Händen halten. Bis Jesus für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist, ging es uns genau so. Wir standen vor den verschlossenen Toren des Herrschaftshauses Gottes. Als ER für all unsere Sünden bezahlt hat, da
hat uns Gott quasi die Schlüssel zu Seinem Haus in die Hand gegeben.

Seitdem dürfen wir in Seinem Hause nach Belieben ein- und ausgehen. Der erste Weg allerdings, wenn wir so wollen die Schlüsselübergabe, findet statt, wenn wir durch das Kreuz unseres Herrn hindurch gegangen sind.

3. Der große Irrtum

Lassen Sie uns noch einmal den letzten Satz unseres heutigen Predigttextes lesen:
„Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.“

Irgendwie spürt man zu dem vorangegangenen Text einen Stilbruch. Und so habe ich mir den griechischen Urtext vorgenommen und dort einmal nachgeschaut. So wie Luther den Text übersetzt hat kann man ihn gewiss übersetzen. Es gibt aber auch noch eine andere Übersetzung, die lautet
„Ihr sagt: Wir sind unnütze Knechte“ und nicht „Ihr sollt sagen…“. Und diese Übersetzung passt hier einfach besser. Mit diesen letzten Worten will uns unser Herr vor falscher Bescheidenheit warnen. Die kann nämlich ganz schnell zu einer Qual und einer drückenden Last werden.

Wie oft haben wir nach einem Dienst für unseren Herrn an einem anderen Menschen schon gesagt: Es hat sich doch nichts verändert, was soll das also alles ? Wie oft zweifeln wir an dem, was wir im Auftrag unseres Herrn tun ? Vielleicht nur, weil wir nicht sofort Ergebnisse Seines Handelns erkennen können. All das sollen wir ganz einfach lassen. Salopp gesprochen sagt uns Jesus mit unserem heutigen Predigttext nämlich folgendes :
“ Jeder soll das tun, was er kann. Keiner soll sich bis zur Belastungsgrenze verausgaben. Tut euren Dienst mit einem freudigen Christenherzen. Den Rest hingegen, den überlasst bitte mir. Glaubt mir, alles was ihr für mich tut, fällt auf fruchtbaren Boden. Deshalb braucht ihr euch nicht zu grämen“.

Und so bekommt der letzte Satz unseres heutigen Predigttextes dann doch noch einen Sinn, der uns fröhlich stimmen darf. Wir sollen nicht verzagen, wenn etwas nicht so gelingt wie wir es uns vielleicht vorgestellt haben. Wir sollen uns auch nicht Selbstzweifeln hingeben, wenn unsere Bemühungen augenscheinlich in’s Leere laufen. Wir sollen ganz einfach unseren Aufgaben nachgehen und unser Vertrauen ganz allein auf IHN setzen. Denn ER, der Himmel und Erde gemacht hat, lässt auch Seine Geschöpfe nicht im Regen stehen.

Dieses absolute Vertrauen nach geleistetem Dienst beschreibt der Liederdichter Salomo Liscow sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes:
„In Gottes Namen fang ich an…“, der da lautet, wie folgt:

In Gottes Namen fang ich an,
was mir zu tun gebühret;
mit Gott wird alles wohlgetan
und glücklich ausgeführet.
Was man im Namen Gottes tut,
ist allenthalben recht und gut
und kann uns auch gedeihen.

Der Herr lasse Dich treu Deinen Dienst für SEIN Reich versehen
Der Herr schenke dir Sanftmut, wenn Du Deinen Dienst ausübst
Der Herr sende herab auf Dich SEINEN Geist, der Deinen Geist leiten möge

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten restlichen Sonntag und einen fröhlichen Start in die kommende Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber