ePredigt vom 19.11.2014 (Jesaja 1, 10-17)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Buß- und Bettag. Den Predigttext für den heutigen Feiertag finden wir bei dem Propheten Jesaja, Kapitel 1, die Verse 10-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Höret des Herrn Wort, ihr Herren von Sodom! Nimm zu Ohren die Weisung unseres Gottes, du Volk von Gomorra! Was soll mir die Menge eurer Opfer?, spricht der Herr. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes von Mastkälbern und habe kein Gefallen am Blut der Stiere, der Lämmer und Böcke. Wenn ihr kommt, zu erscheinen vor mir – wer fordert denn von euch, dass ihr meinen Vorhof zertretet? Bringt nicht mehr dar so vergebliche Speisopfer! Das Räucherwerk ist mir ein Gräuel!
Neumonde und Sabbatte, wenn ihr zusammenkommt, Frevel und Festversammlung mag ich nicht. Meine Seele ist feind euren Neumonden und Jahresfesten; sie sind mir eine Last, ich bin’s müde, sie zu tragen. Und wenn ihr auch eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut. Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen, lasst ab vom Bösen! Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!

Liebe Gemeinde,

Buß- und Bettag ist nun schon eine lange Zeit in fast ganz Deutschland kein Feiertag mehr, und auch fast schon kein Gedenktag mehr. Haben wir Buße und das Beten verlernt, weil wir diesen Tag nicht mehr haben? Ich glaube, es geht uns ganz so, wie den Bewohnern von Sodom und Gomorra, an die sich der heutige Predigttext richtet. Sie hatten auch Buße und Gebet verlernt. Anstelle von Buße und Gebet traten mehr oder weniger sinnvolle äußerliche Ersatzhandlungen. Gerade in diese Situation hält Gott diesem Volk einfach ausgedrückt, eine gewaltige Standpauke. Was sagt Gott ganz konkret?

1. Das Äußere

Man wollte ja auch weiterhin zu Gott gehören. Wer weiß, wofür ich ihn irgendwann einmal gebrauchen kann. Und was macht man in einem solchen Falle. Man hält die Beziehung „pro forma“ aufrecht.

Um Gott milde zu stimmen, werden Opfergaben über Opfergaben dargebracht.
Zum einen sehen die anderen, wie fromm man doch ist und zum anderen wird sich Gott doch wohl von so vielen Opfern milde stimmen lassen. Zumindest aber wird er doch das ein oder andere Vergehen unter den Tisch fallen lassen angesichts der Opfermengen, die ich ihm bereitet habe.

So, liebe Gemeinde dachten die Menschen damals. Damals ? Denken wir heute nicht genau so. Sonntags wird Gott gepriesen. Das muss dann aber auch für die ganze Woche reichen. Und wenn ich schon das Finanzamt um 1.000 € betrogen habe, dann soll Gott auch einen Zehner davon abkriegen.
Man ist ja schließlich kein Unmensch. Der Sonntag ist Dir, der Rest aber ist mir.

Aber sind wir eigentlich immer noch mit dem Herzen dabei, wenn es um Gott geht? Haben sich nicht viele Automatismen eingeschlichen, die eine persönliche Beziehung zu Gott gar nicht mehr entstehen lassen?

Die Schelte von damals, liebe Gemeinde, hätten wir heute auch verdient.
Halten wir zunächst einmal fest: Von Äußerlichkeiten lässt Gott sich jedenfalls nicht beeindrucken.

2. Das Innere

Gott, liebe Gemeinde, sieht zunächst erst einmal das Herz an. Auf unser Herz kommt es ihm an. Unser Herz soll allein ihm gehören. Und obwohl wir uns vielleicht von ihm abgekehrt haben, obwohl wir nur noch Sinn für die Äußerlichkeiten haben, will Gott doch nach wie vor eine intakte Beziehung mit einem jeden von uns führen. Doch dazu müssen wir zu ihm umkehren.

„Wascht euch, lasst ab vom Bösen“, so haben wir es in unserem Predigttext gehört. Und damit kommen wir auch schon zu dem zentralen Thema des heutigen Tages. „Wascht euch“ heißt nichts anderes, als dass wir unsere Sünden bereuen sollen, also Buße tun sollen. Wenn wir unsere Sünden ehrlich bereuen, dann ist unser Herr treu und gerecht.

Buße heißt aber nicht, dass ich meine bisherigen Sünden bereue, mir aber vielleicht im innersten Winkel meines Herzens vielleicht schon die nächsten Sünden ausgedacht habe. Buße heißt, dass ich mit allem, was mir an Kräften zur Verfügung steht die Sünde meiden will. Es gibt also keine leichtfertige Buße. Buße setzt immer ein reumütiges Herz voraus, welches unter allen Umständen wieder zurück zum Herrn will.

„Lasst ab vom Bösen“. Wir sollen das Böse meiden wie die Pest. Das heißt z.B. auch, dass ich alles aus meinem Umfeld entferne, was mich auch nur im weitesten Sinne an die Sünde erinnert. Mit dem Bösen gar nicht mehr in Kontakt zu kommen ist schon mal der erste Schritt hin zur Umkehr.
Denken wir nur an einen trockenen Alkoholiker. Dieser wird auch keine voll ausgestattete Bar in seinem Wohnzimmerschrank unterbringen wollen.

Wenn wir der Sünde entsagen wollen, dann müssen wir auch der Versuchung entsagen. Wenn wir der Versuchung entsagen, dann haben wir den ersten großen Schritt in Richtung Heimat hin zu unserem Herrn getan. Nur leider wird der Versucher uns unser ganzes Leben lang immer wieder versuchen in seinen Bann zu ziehen. Und da hilft nur eines, nämlich das inständige Gebet zu unserem Herrn, den wir jederzeit bitten dürfen, uns von der Versuchung zu befreien.

3. Gutes tun

Die Buße und die reumütige Umkehr hin in die richtige Richtung ist also der erste Schritt auf einer langen Lebenswanderung. An diesem Punkt sollen wir aber nicht stehen bleiben. Nach dem Umkehren in die richtige Richtung kommt auch das losmarschieren auf das richtige Ziel. Auf diesem Wege sollen wir lernen, Gutes zu tun.

Gutes zu tun, liebe Gemeinde, müssen wir aktiv lernen. Es ist uns nicht in die Wiege gelegt. In die Wiege gelegt ist uns das Böse. Weg vom Bösen hin zum Guten, auf diesem Wege hilft uns nur die ständige Beziehung im Gebet zu unserem Herrn. Sobald wir davon ablassen, werden wir sehr schnell merken, wie der Versucher wieder an unsere Herzenstüre klopft, und um Einlass begehrt.

Was denn nun das Gute ist, das zeigt uns der Prophet Jesaja ganz konkret auf. Und diese konkreten Handlungsweisen galten nicht nur damals, sondern sie besitzen weiterhin ihre uneingeschränkte Gültigkeit.

Lassen Sie mich noch kurz aufzeigen, wie wir uns als Christ in der Welt verhalten sollen nach unserer Abkehr von dem Bösen hin zum Guten. Als Christ soll ich für Recht sorgen. Also muss ich mich einmischen, wenn irgendwo Unrecht geschieht. Ich bin also angehalten, meine Komfortzone zu verlassen und mich dem Unrecht aufrecht entgegen zu stellen. Als Christ soll ich den Unterdrückten helfen. Überall dort, wo z.B. Menschen sich im sozialen Abseits befinden, da soll ich mich bemühen und gerade diesen Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Wenn wir in unserem Predigttext von Witwen und Waisen lesen, dann müssen wir uns vergegenwärtigen, dass zur damaligen Zeit die intakte Familie die Regel war. Die Familie war es auch, die die Kleinsten aber auch die Ältesten, also die schwächsten Mitglieder der Familie, mit dem versorgte, was sie zum Leben benötigten. Brach die Familie weg, so war die Waise oder die Witwe total mittellos. Und genau diesen Menschen, die es auch heute noch unter uns gibt, diesen Menschen sollen wir die guten Taten angedeihen lassen.

Wenn wir dies machen, dann bringen wir Gott das rechte Opfer, was ihm wohlgefällig ist. Lassen Sie uns doch gleich damit beginnen.

Auf diesem Wege sind wir auf den ständigen Beistand und die Güte und Gnade unseres Herrn immer wieder auf’s Neue angewiesen. Dies beschreibt der Liederdichter Martin Moller sehr schön in dem 5. Vers seines Liedes „Nimm von uns, Herr, du treuer Gott……“ (EG 146), der da lautet, wie
folgt:

Leit uns mit deiner rechten Hand
und segne unser Stadt und Land;
gib uns allzeit dein heilig Wort,
behüt vor’s Teufels List und Mord:
ein selig End wollst uns verleihn,
auf dass wir ewig bei dir sein.

Der Herr halte das Böse stets von Dir fern Der Herr gebe dir die Kraft, Gutes zu tun Der Herr beschütze Dich dabei auf allen Deinen Wegen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Buß- und Bettag und verbabschiede mich bis zum kommenden Sonntag.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber