Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 18. Sonntag nach Trinitatis. Den heutigen Predigttext finden wir im Epheserbrief Kapitel 5, die Verse 15-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise; und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für
alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.

Liebe Gemeinde,

„Denn es ist böse Zeit“, so lesen wir es zu Beginn unseres Predigttextes. Jetzt müssen wir uns kurz zeitlich um 2000 Jahre zurückversetzen. Die paulinischen Briefe waren ja in einer Zeit verfasst, in der das Christentum noch nicht so verbreitet war wie heute.
Außerdem genossen die Christen der damaligen Zeit keine besonderen Rechte oder gar einen besonderen Schutz. Vielmehr war das Gegenteil der Fall. Als eine Art Sekte wurden sie immer wieder verspottet, verhöhnt und sogar dergestalt verfolgt, dass viele Christen ihre Zugehörigkeit zu der „Sekte der Nazarener“ mit dem Leben bezahlt haben.

Es war also schon eine böse Zeit. Gerade in diese böse Zeit hinein spricht Paulus die Gemeinden an und gibt ihnen wertvolle Ratschläge, wie sie diese Zeit einfach besser durch- und überstehen können. Das Schöne daran ist, dass wir diese Ratschläge auch heute noch für unsere persönlichen schweren Zeiten 1:1 umsetzen können. Grund genug also, dass wir uns heute Morgen ein wenig intensiver mit den paulinischen Ratschlägen beschäftigen.

1. Seid weise

Weise, liebe Gemeinde, bedeutet nicht schlau zu sein. Nein, weise zu sein heißt sich die Urteilsfähigkeit zu bewahren. Überlegen wir doch einfach mal, wie wir von Presse, Funk und Fernsehen immer und immer wieder beeinflusst werden. An der Nachricht, die uns immer und immer wieder präsentiert wird muss ja doch wohl was dran sein. Also glauben wir sie und machen sie uns zu Eigen.

Was alle machen kann ja gar nicht falsch sein, so eine andere Prämisse.
Und in schlechten Zeiten finden wir eine besondere Mainstream-Bewegung, nämlich das kollektive Jammern und Klagen.

Und da hinein spricht Paulus und rät uns, weise zu sein. Nicht immer alles nachplappern, was irgendein „Wichtigmann“ als Dogma vorgibt, sondern sich selber ein Urteil bilden, das ist es, was Paulus uns anrät. Ein Urteil kann ich mir aber nur dann bilden, wenn ich eine Angelegenheit einer gründlichen Prüfung unterziehe. Und das sollten wir immer tun, bevor wir vielleicht falsche Schlüsse ziehen und falsche Urteile fällen, die in falschen Entscheidungen münden.

2. Nach Gottes Willen fragen

„Ich bastel mir die Welt so wie sie mir gefällt.“ Eigentlich eine ganz tolle Lebenseinstellung. Doch was mache ich, wenn mein Nachbar dies auch tut und seine Welt mit meiner kollidiert? Schon haben wir den größten Krach in Aussicht.

Die Bibel gibt uns jede Menge Tipps und Ratschläge, wie ein friedvolles, gottgerechtes Leben auf Erden funktionieren kann. Fragen wir sie doch einfach mal, wie Gott sich unser Leben vorgestellt hat. Und wo finde ich die besten Ratschläge? Ich glaube, ganz komprimiert können wir sagen:

a. Das Doppelgebot der Liebe
b. Die 10 Gebote
c. Die Gleichnisse im Neuen Testament

Nehmen wir uns doch in der nächsten Woche einmal die Zeit und studieren diese drei Wegweiser für ein gelingendes Leben. Ich kann uns allen garantieren, dass wir ganz schnell an die Grenzen kommen werden und vielleicht sogar versucht sind, vollkommen resigniert aufzugeben, weil wir das alles überhaupt nicht in die Tat umsetzen können, was wir dort vorfinden.

Das, liebe Gemeinde, ist auch gar nicht schlimm. Nehmen wir die Wegweiser doch einmal als Richtungsweiser, die uns in die richtige Richtung führen wollen. Wenn wir die richtige Richtung einschlagen, dann wird uns unser Herr schon helfen, auch auf den rechten Straßen zu wandeln.

Vertrauen wir doch gerade in den schweren Zeiten unseres Lebens allein dem einen der uns versprochen hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

3. Nüchtern bleiben

Dies bezieht sich auf zwei Ebenen. Natürlich ist damit auch das körperliche „nüchtern bleiben“ gemeint. Wir sollen gerade in den schweren Zeiten unseres Lebens nicht versuchen, unsere Probleme im Alkohol zu ertränken. Das funktioniert bekanntermaßen nicht. Es sind, wie das Sprichwort es sagt, erheblich mehr Menschen im Becher ertrunken, als im Bach.

‚“Nüchtern bleiben“ heißt aber auch noch etwas ganz anderes, nämlich den Verstand schärfen. In schwierigen Zeiten neigen wir ja dazu alles, aber auch wirklich alles ganz, ganz düster zu sehen. Aber, liebe Gemeinde, auch in vermeintlich schlechten Zeiten ist nicht alles und jedes immer und immer wieder nur schlecht.

Paulus fordert uns auf, das Gute hinter dem vermeintlich Schlechten zu suchen. Gott will doch nur das Beste für uns. Was für uns zunächst schlecht aussieht hat vielleicht doch auch eine gute, aber zumindest erträgliche Seite.

Wenn wir so an die Probleme herangehen, dann kommen wir dem nach, was Paulus uns an einer anderen Stelle seiner Briefe anempfiehlt, nämlich aus allem das Beste zu machen. Und schon sind wir von tiefschwarz zumindest schon mal wieder auf hellgrau angekommen.

4. Fröhlich und dankbar sein

Das ist mal ein ganz toller Ratschlag, wenn es einem so richtig schlecht geht. Sagen Sie das doch einmal jemandem, der gerade seine Arbeitsstelle verloren hat. Sagen Sie ihm doch einfach: “ Sei fröhlich und dankbar“. Was meinen Sie, wie gut das rüberkommt.

Ich glaube, so ist der Predigttext auch nicht gemeint, nämlich dass wir andere auffordern sollen, stets fröhlich und dankbar zu sein. Nein, wir sollen in uns gehen. Gerade in schweren Zeiten sollen wir uns daran erinnern, was Gott uns alles Gutes erwiesen hat und in wie vielen Situationen wir ihm überschwänglich gedankt haben für das was er für uns getan hat.

Ich persönlich habe ein Gottestagebuch. Dort trage ich alle Erlebnisse und Gegebenheiten ein, wo mir Gott ganz nahe war, wo er mir direkt geholfen hat und wo ich seine Gegenwart unmittelbar spüren und erleben konnte. Wenn ich einmal eine persönlich schwere Zeit habe, dann nehme ich mir mein Gottestagebuch vor und lese darin. Meist relativieren sich die Probleme dann schon ein wenig.

Dankbar sein hat aber auch noch eine andere Seite. Wenn ich jemandem Danke, dann habe ich viel von ihm bekommen und verstehe mich gut mit ihm. Machen wir es doch mit Gott genauso. Und wie ? Ganz einfach, indem wir uns täglich ein wenig Zeit nehmen um in Gottes Ruhe und seinen
Frieden einzutreten. Und wenn es nur 3 Minuten sind. Nehmen wir uns doch drei Minuten, wo wir uns hinsetzen und ganz stille vor Gott werden, damit er zu uns reden kann.

Und das klappt? Nö, jedenfalls dann nicht, wenn wir uns erhoffen in magischen drei Minuten die Lösung für all unsere Probleme fix und fertig präsentiert zu bekommen. Das kann sein, muss es aber nicht. Aber wir kommen bestimmt geistig und geistlich gestärkt aus der wirklich stillen Zeit heraus. So gestärkt, dass wir uns weise und verständig unseren Problemen, bzw. deren Lösung widmen können.

All das, was wir gerade gehört haben, fasst der Liederdichter Heinrich Georg Neuß sehr treffend in dem 3. und 4. Liedvers seines Liedes „Ein reines Herz, Herr, schaff in mir…“ (EG 389) zusammen, die da lauten, wie folgt:

Lass deines guten Geistes Licht und dein hell glänzend Angesicht
erleuchten mein Herz und Gemüt, o Brunnen unerschöpfter Güt,
und mache dann mein Herz zugleich an Himmelsgut und Segen reich;
gib Weisheit, Stärke, Rat, Verstand aus deiner milden Gnadenhand.

Der Herr helfe Dir stets bei Deiner Suche nach Weisheit durch seine milde Gnadenhand
Der Herr stärke Dich allezeit durch sein Wort, welches Dich führt und leitet
Der Herr gebe Dir ein fröhliches Gemüt, das ihm von Herzen fröhlich danken kann

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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