Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Miserikordias Domini. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Petrusbrief, Kapitel 5, die Verse 1-4. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch Teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um
schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund; nicht als Herren über die Gemeinde, sonder als Vorbilder der Herde. So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen.

Liebe Gemeinde,

wenn wir uns den Predigttext lesen, dann stoßen wir auf das Wort „Älteste“. Getrost zurückgelegt könnten wir nun sagen: „Damit sind wir nicht gemeint. Das geht uns auch nix an.“ Doch weit gefehlt. Älteste sind nicht nur die Gemeindeältesten, Presbyter und andere Funktionsträger in der Gemeinde. Älteste könnte man auch mit dem Wort „Ältere“ übersetzen. Und schon sind wir wieder im Boot. Ältere bedeutet nämlich nichts anders als erfahrene Christen. Und als solche tragen wir
auch ein Stück weit Verantwortung gegenüber unseren im Glauben noch eher unerfahrenen Geschwistern.

Was sollen wir also tun? Nehmen wir uns doch heute Morgen einmal drei Punkte vor, die uns Petrus an’s Herz legt.

1. Weidet die Herde Gottes

Zugegeben das hört sich sehr pathetisch an. Wenn Petrus schon ein Wort aus dem Tierreich wählt, dann lassen Sie uns doch auch bei diesem Vergleich bleiben. Was macht denn ein Schäfer, der seine Herde weidet?

Zunächst einmal sorgt er dafür, dass die Herde genügend Futter hat.
Futter im übertragenen Sinne ist das Wort Gottes. Wie die einzelnen Schafe ihr Futter zu sich nehmen, so sollen wir unseren Glaubensgeschwistern helfen, das Wort Gottes zu sich zu nehmen und in sich aufzunehmen. Es ist ja nicht damit getan, dass man etwas hört und dann wieder nach Hause geht und seinem gewohnten Alltagstrott nachgeht.

Wir sollen unseren Geschwistern dabei helfen, das gehörte Wort auch in sich aufzunehmen, es wirken zu lassen und auch danach zu leben und zu handeln. Glauben Sie mir eines, liebe Gemeinde, diese Aufgabe ist sehr verantwortungsbewusst. Viele Menschen verzweifeln nämlich ganz schnell
an ihrem „neuen“ Glauben. Erst ganz euphorisch und dann zu Tode betrübt.
Das kann ganz schnell geschehen. Dann sollen und müssen wir eingreifen und unseren Geschwistern klarmachen, dass der Glaube ein ganz dynamischer Prozess ist. Wir müssen ihnen sagen, dass auch die Zweifel zum Glaube mit dazugehören und letztlich dafür sorgen, dass der Glaube in ihnen immer weiter wachsen kann.

Dann sorgt der Schäfer dafür, dass die Herde von außen nicht angegriffen werden kann. Er bietet seiner Herde also einen Schutzraum.
Diesen Schutzraum sollen wir unseren Geschwistern auch bieten. Gerade, wenn sich jemand neu bekehrt hat, sind die satanischen Angriffe besonders gewaltig. Der Teufel wittert dann seine letzte Chance und fährt alles auf, was den Neubekehrten doch noch umstimmen könnte.

Da sind dann die Familienmitglieder, die auf den Neubekehrten einreden und ihm klarmachen wollen, welchem Unsinn er denn nun wieder auf den Leim gegangen ist. Dann kommen noch die lieben Arbeitskollegen hinzu, die einem schon den Heiligenschein andichten. Und so geht es lustig weiter.

Hier dürfen und müssen wir auch wieder eingreifen. Der Neubekehrte soll in uns einen persönlichen Schutzraum finden, mit dem er über alles reden kann. Gemeinsam im Gebet können wir ihn dann stärken und ihn gewiss machen, dass er sich für das einzig Richtige in seinem Leben entschieden
hat. Auch hier sind wir gefordert. Es kann sein, dass jemand wochen- und monatelang immer mit den gleichen Problemen zu uns kommt. Dann müssen wir eben wochen- und monatelang als Schutzraum zur Verfügung stehen.

Als letztes sorgt der Schäfer noch dafür, dass die Herde unter seinem Schutz auch zur Ruhe kommen kann. Im übertragenen Sinne machen wir dies in unseren Gottesdiensten, Hauskreisen und Gemeinschaftsstunden. Dort finden wir uns zusammen, um Gott anzubeten zu loben und zu preisen, aber auch um auf sein Wort zu hören. Unermüdlich sollen wir unsere Geschwister zu unseren Veranstaltungen einladen. Gerade zu Beginn ihres Glaubenslebens erfährt der „Novize“ in der Gemeinschaft Halt und Unterstützung für ein weiteres Leben in der Welt da draußen, in der er
ja auch weiterhin leben muss.

2. Freiwillig und von Herzensgrund

Neben dem, was wir machen ist es auch wichtig, wie wir etwas machen.
Wenn wir mit der Einstellung: „Schon wieder so ein Neubekehrter, na das soll wohl was geben….“ an die Sache herangehen, dann wird dabei auch nichts Vernünftiges rauskommen.

Alles, was wir machen, soll vom Grunde unseres Herzens aus geschehen.
Und wie geht das? Ganz einfach, liebe Gemeinde, wenn Christus in unserem Herzen wohnt, dann bestimmt er von dort, was wir tun sollen. Und wenn wir nicht mehr weiterwissen, dann müssen wir ihn eben fragen.

Wissen Sie übrigens, dass es gerade die Berufsgruppe der Pfarrer ist, die wie eine anonyme Befragung ergeben hat, aus Zeitmangel am wenigsten beten? Und dies soll uns eine Warnung sein. Auch als Hausgenossen unseres Herrn sollten wir uns niemals die Zeit des Gebetes nehmen
lassen. Gerade im Gebet erfahren wir ja die innere Führung, was wir machen sollen. Auf einen Einkauf bereiten wir und doch auch mit einem Einkaufszettel vor und kaufen nicht einfach irgendetwas, was sich gerade irgendwo in den Regalen befindet.

Und auf unseren Einsatz als Älteste sollten wir uns dann auch gebührend vorbereiten, damit wir nicht irgendeine Botschaft weitergeben, sondern DIE Botschaft. Und diese Vorbereitung geschieht im Gebet.

3. Vorbilder

Jetzt wird es etwas kritisch. Von wem lernen wir am liebsten? Von dem Theoretiker, der uns vielleicht sagt, wie man ein Möbelstück zusammenbaut oder von dem Praktiker, der uns zeigt, wie so etwas
praktisch funktioniert ? Natürlich von dem Praktiker. An Ort und Stelle können wir dabei direkt sehen, wie etwas entsteht.

Als erfahrene Praktiker des Glaubens sollen wir als Vorbilder unseren Neubekehrten vorleben, was es denn heißt, ein Christ zu sein. Wir sollen nicht als Herren und Meister der Bibel dastehen und sagen: „Dies darfst Du nicht tun und das erst recht nicht, und du musst dies und das unbedingt tun usw.“ Man soll uns an unseren Taten messen können.

An unseren Taten soll man uns erkennen und unsere Taten sollen die Menschen neugierig werden lassen auf ein Leben als Christ. Und hier wird es kritisch. Die Messlatte hängt nämlich zuweilen so hoch, dass wir uns gar nicht mehr daran messen lassen können.

Schon Paulus hatte es auf den Punkt gebracht, wenn er sagt, dass er das Gute, was er eigentlich tun soll nicht tut, das Böse hingegen, was er nicht tun soll tut. Daran sollten auch wir uns immer wieder erinnern, wenn wir uns mal nicht so verhalten, wie es eigentlich der Fall sein sollte.

Das kann nämlich kein Mensch, das konnte nur Jesus. Als Vorbilder sollen wir unsere uns anbefohlenen Geschwister auf dem rechten Wege begleiten und darauf achten, dass die große Richtung stimmt. Das auch wir ab und wann von diesem Wege abweichen und im Straßengraben landen, das liebe Gemeinde, macht uns nur noch menschlicher und sympathischer, sind doch
auch wir nach wie vor Sünder, die der ständigen Vergebung bedürfen.

Und mal ganz ehrlich: Möchten Sie ständig in der Nähe eines 100 % perfekten Menschen sein? Gerade die kleinen Fehler und Schwächen geben uns doch immer wieder den Hinweis, dass wir alle eben nicht perfekt sind und ständig auf die Gnade unseres Herrn angewiesen sind.

Danken wir doch auch immer wieder dem, der uns bisher so gut geführet und geleitet hat zum Beispiel mit dem 2. Vers des Liedes „Alles ist an Gottes Segen…“ (EG 352), der da lautet, wie folgt:

Der mich bisher hat ernähret und mir manches Glück bescheret,
ist und bleibet ewig mein.
Der mich wunderbar geführet und noch leitet und regieret,
wird forthin mein Helfer sein.

Der Herr zeige Dir einen Weg, wie Du Deinen Geschwistern ein guter Hirte
auf Erden sein kannst
Der Herr schenke Dir ein fröhliches und geduldiges Herz aus dem heraus
Du Deine Geschwister führen und begleiten kannst
Der Herr gebe Dir immer wieder auf’s Neue die Kraft, dass Du Deinen
Geschwistern ein Vorbild im Glauben sein kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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