Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie ganz herzlich am heutigen 2. Sonntag nach Epiphanias. Nach Weihnachten hat uns nun also der Alltag wieder. Mit dem Alltag kehren auch die Probleme und Sorgen wieder, die wir für einige Wochen der Weihnachtszeit an die Seite geschoben haben. Unser Predigttext für den heutigen Sonntag beschäftigt sich mit dem Christenleben gerade im sogenannten „grauen Alltag.“ Lassen Sie uns zunächst lesen, was uns der Verfasser des Hebräerbriefes im 12. Kapitel, in den Versen 12-18 und
22-25 a dazu sagen möchte:

Darum stärkt die müden Hände und die wankenden Knie und macht sichere Schritte mit euren Füßen, damit nicht jemand strauchle wie ein Lahmer, sondern vielmehr gesund werde. Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird, und seht darauf, dass nicht jemand Gottes Gnade versäume; dass nicht etwa eine bittere Wurzel aufwachse und Unfrieden anrichte und viele dadurch unrein werden; dass nicht jemand sei ein Abtrünniger oder Gottloser wie Esau, der um der einen Speise willen seine Erstgeburt verkaufte. Ihr wisst ja, dass er hernach, als er den Segen ererben wollte, verworfen wurde, denn er fand keinen Raum zur Buße, obwohl er sie mit Tränen suchte. Denn ihr seid nicht gekommen zu dem Berg, den man anrühren konnte und der mit Feuer brannte, und nicht in Dunkelheit und Finsternis und Ungewitter.
Sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu den vielen tausend Engeln und zu der Versammlung und Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel aufgeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu dem Mittler des neuen Bundes, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung, das besser redet als Abels Blut. Seht zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet.

Liebe Gemeinde,

der Hebräerbrief wendet sich an die neu bekehrten Judenchristen. Nach anfänglicher Euphorie sehen sie sich der Verfolgung ausgesetzt. Viele von ihnen haben sich wohl innerlich schon mit dem Gedanken beschäftigt, sich doch wohl besser wieder vom Christentum mit all seinen Leiden abzuwenden. Nun, heute droht uns in unserem Land sicherlich nicht die Verfolgung als solche. Aber wir werden auf andere Art und Weise verfolgt. Der Alltagsstress hält viele von uns auch sonntags gefangen.

Immer mehr in immer kürzerer Zeit leisten zu müssen, das ist ein Zeichen der heutigen Zeit. Und da ist man schnell versucht, Gottes Wort links liegen zu lassen. Und darum spricht uns auch heute der Hebräerbrief an, will er unseren Fokus doch wieder gerade rücken auf Jesus hin. Wie soll das aber gehen ? Wie kriegen wir, wie man so schön sagt, die Kurve ?

1. Stärkung der müden Hände und der wankenden Knie

Die ganze Woche habe ich gearbeitet, heute ist Sonntag. Und jetzt will ich meine müden Knochen ausruhen. Einfach nur daliegen und nichts tun. Montag morgen muss ich schließlich wieder ran. Und da ist es doch mein gutes Recht, einfach zu entspannen. Ist es das wirklich ?

Dies, liebe Gemeinde, höre ich beinahe täglich. Der eine formuliert es ganz plump mit den Worten „Kein Bock auf Kirche.“ Der andere benutzt wohlformulierte Aussagen, um mir mitzuteilen, dass christliche Gemeinschaft nicht sein Ding ist.

Und dabei ist es doch so einfach, seinen müden Körper wieder zu stärken.

Selbst wenn ich keine Gelegenheit habe, an einem Gottesdienst teilzunehmen, dann kann ich immer noch meinen Fernseher anschalten oder das Radio einschalten oder aber ich kann einen Internetgottesdienst besuchen. Diese eine Stunde tut meinem Zeitkonto nicht weh. Aber in dieser Zeit gebe ich Gott die Gelegenheit in mein Leben hinein zu sprechen und mich wieder zu Kräften kommen zu lassen.

Vor kurzem sprach ich mit einer Frau, die in einer Männerdomäne gearbeitet hat. Sie musste in der Tat doppelt soviel Leistung erbringen, um anerkannt zu werden. Also opferte sie viel mehr Zeit für ihre Arbeit, als dies gut für sie war. Irgendwann geriet sie dann mehr zufällig in einen Gottesdienst (es war übrigens eine katholische Messe).

In dieser wurde sie von Gott ganz besonders angerührt. „Es war auf einmal so, als ob er neben mir stand und mir die Augen aufgetan hat.“, das berichtete sie mir später. Am kommenden Montag hat sie sofort damit begonnen, sich um eine andere Arbeitsstelle zu kümmern, die sie auf Grund ihrer Fähigkeiten auch schnell bekommen hat. Schon im Bewerbungsgespräch sagte sie, dass sie sonntags in den Gottesdienst geht und daher niemals am Sonntag zur Arbeit erscheinen würde. Vielleicht hat sie auch gerade deswegen die Stelle bekommen.

Die müden Hände hätten wir also gestärkt. Bleiben aber immer noch die wankenden Knie. Diese sind hier nicht wörtlich gemeint. Der Verfasser des Hebräerbriefes meint hier unseren Wankelmut schlechthin.

Wer nicht weiß, wo er hin will, darf sich nicht beschweren, wenn er irgendwo landet, wo es ihm überhaupt nicht gefällt. So ist es auch mit dem wankelmütigen Christen. Mal ja, mal nein. Und vielleicht existiert Jesus ja doch. Mit so einer Einstellung kommen wir überall hin, nur nicht in den Himmel.

Gott will aber, dass alle Menschen errettet werden. Also will er, dass wir unsere wankenden Knie stärken, damit wir in die richtige Richtung nämlich hin zu ihm laufen können. Einen Teil können wir auch selber dazu beitragen, beitragen zur Stärkung.

Das Gespräch mit Gott und sein Wort sind uns eine wertvolle Hilfe dabei, wenn wir unseren Wankelmut besiegen wollen. Sprechen wir doch wieder täglich mit Gott. Lesen wir doch wieder regelmäßig die Bibel. Und lassen Sie uns wieder regelmäßig Gemeinschaft haben mit ihm. Wir werden IHN wieder auf’s Neue spüren und seine Kraft in unserem Leben wahrnehmen können.

Müde Hände und Wankelmut sind nämlich die Landebahn für Satan. Es ist beinahe so, als ob wir ihn einladen würden, Teil unseres Lebens zu werden. Das will doch sicherlich keiner von uns.

2. Jagt dem Frieden und der Heiligung nach.

Friede mit unseren Mitmenschen ist die Voraussetzung für unseren Frieden mit Gott. Auch mit dem Kotzbrocken vom zweiten Stock ? Ja, liebe Gemeinde, auch mit dem sollen wir Frieden üben.

Wenn wir das Wort Frieden übersetzen, dann bedeutet dies die Vermeidung der Entzweiung. Frieden im Sinne der Bibel heißt nicht, dass wir immer und überall zu allen Menschen freundlich sein sollen und jedem nach dem Munde reden sollen, damit wir auf alle Menschen sympathisch wirken.
Nein, das bedeutet Friede im biblischen Sinne nicht.

Ich drücke es einmal bildlich aus: Wir sollen dem anderen niemals endgültig die Türe vor der Nase zuschlagen. Anlehnen dürfen wir sie aber dennoch. Genau dann hat der andere immer noch die Möglichkeit durch diese Türe hindurchzugehen.
Wenn wir die Türe hingegen fest verrammelt haben, ist dies übrigens für beide Seiten nicht mehr so einfach möglich.

Jagt nach Heiligung. Das klingt hochkompliziert. Ist es aber nicht.
Unter Heiligung versteht die Bibel den Weg der Erlösten hin zu Gott. Das ist nichts anderes als unsere Hinwendung hin zu Gott mit dem Ziel, einmal endgültig bei ihm zu sein.

Vollkommenen Frieden und Heiligung werden wir auf Erden niemals hinbekommen. Das steht auch nicht in unserem Predigttext. Dort steht, dass wir diesem nachjagen sollen. Wir sollen auf dem richtigen Wege bleiben. Und ich denke, mit Gottes Hilfe schaffen wir dies auch in diesem Jahre.

3. Weist den nicht ab, der da redet

Da der erste Punkt sehr lang war, fasse ich mich jetzt auch kurz. Wie oft, liebe Gemeinde, wollen wir unser eigenes Ding durchziehen und lassen die Bibel eben Bibel sein. Wie oft sind wir versucht, Gottes Wort zu unsere Gunsten eher etwas großzügig auszulegen.

Genau davor warnt uns der Predigttext. Gott meint, was er sagt. Gottes Wort ist einfach und klar und bedarf keiner großzügigen Auslegung. Und Gottes Wort ist keine unverbindliche Richtlinie, die wir dann beachten, wenn uns gerade danach ist. Betrachten wir Gottes Wort als das, was es
ist: Unser Wegweiser hin zu IHM und hin zu einem ewigen Leben in SEINER Gemeinschaft.

Das Geheimnis der Kraft aus dem Glauben das beschreibt Friedrich von Bodelschwingh sehr schön in dem 1. Vers seines Liedes „Nun gehören unsre Herzen….“ (EG 93), der da lautet, wie folgt:

Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha,
der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah,
das Geheimnis des Gerichtes über aller Menschen Schuld,
das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ewger Huld.

Der Herr stärke Deine müden Hände und Deine wankenden Knie
Der Herr sei stets bei Dir bei Deiner Jagd nach Frieden und Heiligung
Der Herr verankere immer wieder SEIN Wort ganz fest in Dein Herz

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen ebensolchen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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