Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 20. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Evangelisten Markus im 10. Kapitel, die Verse 13-16. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrührte. Die Jünger aber fuhren sie an. Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.

Liebe Gemeinde,

was unterscheidet uns Erwachsene, oder die wir glauben welche zu sein, eigentlich von den Kindern ? Wie müssen wir werden, um in das Reich Gottes hinkommen zu dürfen? Lassen Sie uns darüber heute Morgen zusammen nachdenken. Ich glaube, es sind im Wesentlichen drei Punkte, die uns von den Kindern unterscheiden.

1. Unendliches Vertrauen

Als mein Sohn klein war, war ich für ihn der allergrößte. Papa konnte alles, Papa machte alles und es gab nichts, was Papa nicht reparieren konnte. Dieses Verhalten finden wir nahezu bei jedem kleinen Kind. Es wird auch gern als erweitertes Urvertrauen bezeichnet.

Als mein Sohn dann allmählich älter wurde, bröckelte meine Fassade als Supermann und Superheld natürlich langsam ab. Das ist auch gut und richtig. Denn ansonsten würde kein Kind der Welt es jemals lernen, auf eigenen Füßen zu stehen.

Wir Erwachsene haben natürlich keine Superhelden mehr, wir haben alles alleine ganz fest im Griff. Für alles haben wir einen Masterplan. Und das ist genau die Haltung, die Jesus bei uns Erwachsenen abstellen will.

Zwischen den Zeilen des Predigttextes sagt uns Jesus nämlich, dass wir gar nichts selber im Griff haben. Alles hängt schließlich von ihm ab.
Und wie kommen wir denn zu ihm? Genau das sagt er uns ganz direkt. Wir dürfen mit dem Urvertrauen, mit dem wir unseren leiblichen Vätern gegenübergetreten sind wir dürfen mit diesem Urvertrauen auch zu Gott kommen.

Wenn wir IHM wieder alles und UNS ohne ihn nichts mehr zutrauen, dann sind wir auf dem besten Wege zurück zum göttlichen Urvertrauen. Das Schöne an diesem Urvertrauen ist, dass es mit der Zeit wächst. Je mehr wir Gott vertrauen, desto mehr wird unser Vertrauen gestärkt werden. Und
umso mehr wird dieses göttliche Urvertrauen in uns wachsen.

2. Vertrauen in das Wort

Der kindliche Glaube ist ein naiver Glaube im positiven Sinne, der erst einmal jedem gesprochenen Wort vertraut. Nichts, was wir einem kleinen Kind erzählen, wird erst einmal bezweifelt, geprüft und am Ende dann geglaubt oder verworfen.

Erst dann, wenn ein Kind dem Worte vertraut hat und dennoch schlechte Erfahrungen damit gemacht hat, erst dann wird es dieses Wort zu Recht in Zweifel ziehen. Aber es bleibt dabei, als erstes wurde geglaubt.

Wie sieht das denn mit dem Worte Gottes und uns Erwachsenen aus? Wenn man uns etwas erzählt, dann wird das Erzählte zuerst einmal geprüft, ob es denn wahr sein könnte. Danach schauen wir uns um, ob es denn Beweise für dieses Wort geben könnte. Wenn das, was wir vernommen haben zu
phantastisch klingt oder wir es in seiner ganzen Tragweite nicht verstehen können, dann neigen wir sehr schnell dazu, uns davon zu distanzieren.

Und das, liebe Gemeinde, ist unter anderem auch ein Grund dafür, dass es mit steigendem Alter prozentual immer weniger Menschen gibt, die den Weg zu Gott finden. Zu viele negative Erfahrungen und Erlebnisse liegen wie dicke Stolpersteine zwischen ihnen und Gott. Und so lassen sie die Sache mit Gott eben bleiben.

Wenn Jesus uns sagt, dass wir werden müssen wie die Kinder, dann sollen wir eigentlich nur eines tun, nämlich auf sein Wort vertrauen. Wir sollen nicht ewig zweifeln, alles Mögliche bedenken und uns immer wieder mit Argumenten gegen den Glauben befassen. Jesus möchte, dass wir das
Glaubensexperiment einfach einmal wagen.

Jesus würde heute vielleicht zu einem Zweifler sagen: „Du, ich mach Dir einmal folgenden Vorschlag. Leb, doch einmal als ob. Leb doch einmal so, als ob mein Wort wahr ist. Richte Dein Leben doch einmal einen Monat an meinem Wort aus. Natürlich darfst Du auch alle meine Versprechungen,
Verheißungen und Zusagen für Dich in Anspruch nehmen. Und mal ganz ehrlich: Du hast doch gar nichts zu verlieren. Wenn Du zu dem Ergebnis kommst, dass es mich nicht gibt, dann kehrst du ganz einfach in Dein altes Leben zurück.“

Das spannende an diesem Experiment ist, dass ER unser Vertrauen niemals enttäuschen wird. Kaum einer, der dieses Experiment wirklich ernsthaft und seriös durchgeführt hat, ist hinterher wieder in sein altes Leben zurückgekehrt. Jeder, der sich so vertrauensvoll an Gott wendet, jeder wird spüren, dass es ihn gibt.

Natürlich gibt es in dem weiteren Leben nach wie vor Höhen und Tiefen.
Aber der Kern, das feste Fundament, das bleibt. Wir werden spüren, dass wir gerade in unseren Leidenstagen nicht mehr allein sind. Wir dürfen es erleben, wie ER uns wieder aufrichtet, wenn wir am Boden liegen. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass alles, was geschieht, nur zu unserem Besten ist.

3. Keine Angst vor Neuem

Kinder sind immer darauf bedacht, etwas Neues zu erleben. Kinder lassen sich auch gern auf etwas Neues ein. Da wird ein Zelt im Kinderzimmer aufgeschlagen und die Kleinen spielen Campingurlaub.

Und wie sieht das bei uns Erwachsenen aus? Ich glaube, und da schließe ich mich natürlich mit ein, wir sind gerne bequem. Wir haben so unseren gewissen Rhythmus in unserem Leben. Und da wollen wir auch nichts daran ändern. Wer mir dies nicht glaubt, dem schlage ich ein klitzekleines Experiment vor: Welchen Schuh binden Sie als erstes zu, den Linken oder den Rechten? Ab sofort machen Sie dies einmal drei Tage hintereinander in umgekehrter Reihenfolge. Es ist also gar nicht so einfach, sich auf etwas Neues einzulassen.

Und bei dem ganzen geregelten Leben bleibt Gott irgendwie draußen vor.
Es klappt ja auch ohne ihn ganz gut. Und wenn wir uns dann doch von Gott rufen lassen, dann muss Gott sich aber auch gefälligst in unser geregeltes Leben einfügen.

Und auch hier zeigt Jesus auf die Kinder und sagt uns, dass wir es wieder lernen müssen offen zu sein für eine Beziehung mit ihm. Offen zu sein für Jesus hießt im Kern, dass ich mich voll und ganz auf ihn
einlasse und das mache, was er mir sagt.

Offen zu sein für Jesus heißt auch, dass ich bereit bin, mein Leben neu zu sortieren. Ich muss lernen, das aufzugeben, was mir bei der Beziehung zu meinem Herrn im Wege steht. Ich muss lernen, was mich immer näher an Jesus heranführt.

Wenn wir wieder das göttliche Urvertrauen lernen, wenn wir wieder ohne Zweifel seinem Wort glauben und wenn wir bereit sind, von Jesus unser Leben neu gestalten zu lassen, dann sind wir im Reiche Gottes angekommen. Dann legt er auch uns seine Hände zum Segen auf.

Der Liederdichter Philipp Friedrich Hiller drückt das, was wir heute Morgen gehört haben, sehr prägnant in dem ersten Vers des Liedes „Jesus Christus herrscht als König…“ (EG 123) aus, der da lautet, wie folgt:

Jesus Christus herrscht als König, alles ist ihm untertänig,
alles legt ihm Gott zu Fuß.
Aller Zunge muss bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen,
dem man Ehre geben muss.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr
Ulrich Naber

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