Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 2. Sonntag nach Ostern. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Hesekiel im Kapitel 34, die Verse 1-2 und 10-16 und Vers 31. Lassen Sie uns diesen Predigttext zunächst gemeinsam lesen:

Und des Herrn Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden.
Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. Denn so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zurzeit, als es trüb uns finster war. Ich will sie aus allen Völkern herausführen und aus allen Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und an allen Plätzen des Landes.
Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.

 

Liebe Gemeinde,

im Buch Hesekiel geht es in den vorangegangene Kapiteln um die Sünden Israels. Und da waren einige zu nennen. Immerhin geht es in den sage und schreibe 32 Kapiteln um nichts anderes. Und jetzt kommt die große Abrechnung. Schauen wir uns diese doch einmal etwas näher an:

1. Die da oben

Wenn ich an die aktuellen Geschehnisse denke, dann kommen auch mir so manches Mal die Worte „Die da oben“ in den Sinn.

Da werden Versäumnisse aufgedeckt, die so nicht hätten passieren dürfen, wenn man etwas sorgfältiger gearbeitet hätte. Da bereichern sich Mandatsträger unter Ausnutzung ihres Mandates um siebenstellige Summen. Und es gäbe noch viel mehr darüber zu berichten, wo die da oben mal wieder so richtig „Mist“ gebaut haben.

Wie der Herr damals die Sünden Israels ganz genau gesehen hatte, so sieht er die Sünden von „Denen da oben“ in der heutigen Zeit genauso.

Und das Urteil klingt vernichtend. ER will sie alle zur Rechenschaft ziehen, alle, die gegen seine Gebote verstoßen haben und sich an der ihnen anbefohlenen Herde versündigt haben.

Das heißt aber auch, dass wir uns gar nicht aufregen sollen über die Sünden derer, die gegenüber uns schuldig geworden sind. Wir sind nicht die Richter dieser Welt. Wir sollen das alles unserem Herrn übertragen; denn ER ist der einzige, ewige und gerechte Richter.

Natürlich kommt in uns manches Mal die Wut hoch, aber einer Tatsache dürfen wir gewiss sein: Gottes Mühlen mahlen zwar langsam, aber vortrefflich fein.

So, Gott wird denen da oben schon zeigen, wo der Hase lang läuft. Aber:

2. Hirten und Schafe

Liebe Gemeinde, wenn wir auf das große Weltgeschehen schauen, dann sind wir sicherlich die Schafe, die unter der Obhut der Hirten stehen.

Aber, und das ist auch ganz entscheidend, wir sind auch Hirten in dieser Welt. Und jetzt wird’s ein wenig unbequem.

Als Eltern sind wir zum Beispiel Hirten über unsere Kinder. Als Vorgesetzte sind wir die Hirten unserer Mitarbeiter. Als Lehrer sind wir die Hirten über die uns anvertrauten Schüler. Wir sind also nicht nur Schafe, die meckern dürfen.

Wie der Herr die Hirten da oben richtet, so wird er auch uns als Hirten richten.

Und jetzt müssen wir uns einmal folgende Fragen stellen:

Habe ich mich als Elternteil stets gemäß den Vorgaben des Wortes Gottes gegenüber meinen Kindern verhalten, oder sind mir vielleicht doch so manches Mal die Sicherungen durchgebrannt. Habe ich als Vorgesetzter stets gerecht und ohne Ansehen der Person meine Leitungsfunktion ausgeübt, oder habe ich doch den ein oder anderen Liebling in meiner Mannschaft. Und habe ich dies nicht auch als Lehrer getan, wenn ich, vielleicht auch nicht so ganz bewusst, den einen oder anderen Schüler bevorzugt behandelt?

Wir sehen, liebe Gemeinde, als Hirten sind auch wir in der Pflicht und ich behaupte mal, dass wir alle als Hirten so manches Mal jämmerlich versagt haben. Ich kann das für mich nur immer wieder bestätigen. Wie oft habe ich schon einen Besuch aufgeschoben, der mir unangenehm war. Wie oft habe ich überreagiert, wenn man meine Überzeugungen angegriffen hat. Und wie oft habe ich schlichtweg die Anliegen meiner Mitmenschen nicht so ernst genommen, wie diese sie gesehen haben.

Also wird der Herr auch mit mir so ins Gericht gehen, wie mit denen da oben aus dem ersten Teil der Predigt.

3. Allumfassende Rettung

Bisher sah es ja so richtig düster für uns alle aus. Wenn wir einmal ganz ehrlich sind, dann haben wir alle es verdient, dass Gott mit uns ganz hart ins Gericht geht.

Aber, das haben wir ja an Ostern gesehen, Gott hat für uns alle seinen genialen Rettungsplan in die Tat umgesetzt.

Indem Jesus Christus für all unsere Sünden den Kreuzestod erlitten hat, und für all unsere Sünden bezahlt hat, haben wir wieder die Möglichkeit erhalten Gottes Kinder zu werden.

Es liegt also an uns, wohin die Reise geht. Ja, es geht in den Himmel wenn wir unser Ja zu dem was Jesus für uns getan hat gesagt haben.

ER als der gute Hirte sucht das Verlorene. ER als der gute Hirte bringt das Verirrte wieder zurück. Er als der gute Hirte verbindet uns die wir verwundet sind und ER als der gute Hirte stärkt uns schwache Menschen.

Und dies macht er fortan unser ganzes Leben lang.

Natürlich werden auch wir als bekehrte und wiedergeborene Christen uns immer mal wieder verirren. Dazu ist der Teufel viel zu gerissen, als dass wir all seine Spielchen durchschauen könnten. Natürlich werden auch wir Verwundungen erleiden müssen, die unser Herr dann wieder heil macht. Und auch wir kommen als Christen dahin, wo wir schwach und ausgelaugt sind und vielleicht nicht mehr wissen, wie es denn nun weitergehen soll. Und da spricht ER zu uns, dass ER uns wieder stark machen will.

Kennen Sie etwas Schöneres auf dieser Welt? Ich nicht.

Liebe Gemeinde, zum Abschluss eines jeden Gottesdienstes singen wir ja immer ein Lied. Da unsere heutige Predigt von Hirten und Schafen handelte lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam den Psalm 23 beten, der da lautet, wie folgt:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zu frischem Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, füchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen ein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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