Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich amheutigen Sonntag, dem 9. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Petrusbrief, Kapitel 4, die Verse 7-11. Lassen Sie un diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen habt untereinander beständige Liebe; denn „Die Liebe deckt auch der Sünden Menge“ (Sprüche 10,12).
Seid gastfrei untereinander ohne Murren. Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes: Wenn jemand predigt, dass er’s rede als Gottes Wort; wenn jemand dient, dass er’s tue aus der Kraft, die Gott gewährt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit ! Amen.

Liebe Gemeinde,

wie verhält man sich als Christ in der Welt ? Diese Frage beschäftigte schon die Menschen vor 2000 Jahren. Und diese Frage hat bis heute nicht an ihrer Aktualität eingebüßt. Wenn man heute diese Frage stellt, dann kommen häufig recht schwammige Antworten, wie „Man muss dem Christen anmerken, dass er einer ist.“ Ich hätte es aber ehrlich gesagt, doch ein wenig konkreter. Und genau da hilft uns der 1. Petrusbrief weiter.

Petrus nennt uns drei Verhaltesnweisen, die einen Christen auszeichnen.
Lassen Sie uns heute morgen gemeinsam darüber nachdenken.

1. Gebet

Natürlich zeichnet einen Christen das Gebet aus. Das ist doch keine Frage. Das ist doch selbstverständlich, dass wir als Christen regelmäßig beten. Aber es steht noch etwas in unserem Predigttext, nämlich wie wir beten sollen.

Besonnen und nüchtern sollen wir beten. Also kein schwärmerisches Getue und keine unbesonnenes Geplapper. Jetzt müssen wir uns aber darüber unerhalten was denn ein Gebet überhaupt ist. So, liebe Gemeinde, das Gebet ist nichts anderes als das Gespräch mit Gott. Wenn wir mit einem guten Bekannten reden, dann plappern wir hoffentlich auch nicht irgend ein dummes Zeugs daher, sondern wir bemühen uns um eine ernsthafte Unterhaltung.

So soll auch das Gebet sein. Das ernsthafte Vorbringen, dessen, was uns auf dem Herzen liegt. Und dies soll dann auch nüchtern geschehen. Also unter Einschaltung unseres Verstandes. Gott möchte kein schwärmerisches Dahergerede, sondern ist an uns als seinen Gesprächspartnern interessiert.

Insbesondere interessieren ihn unsere Anliegen. Diese können wir aber nur vor ihn tragen, wenn wir sie auch entsprechend formulieren. Und damit meine ich unsere ganz normale Alltagssprache. Kanaanäische Endlosgebete interessieren Gott wohl eher nicht.

Aanstelle der wohlformulierten auswendig gelernten Gebete sollen wir Gott unser Herz ausschütten. Nicht mehr und nicht weniger.

2. Gastfreundschaft

Wenn wir heute als Westeuropäer in den Orient reisen, dann sind wir manchmal fürbass erstaunt mit welcher Gastfreundschaft wir dort oftmals sogar von uns wildfemden Menschen aufgenommen werden. Schnell steigt in uns die Skepsis auf, dass die vielleicht doch irgendetwas von uns wollen. Vielleicht wollen sie uns doch einen Teppich verkaufen ? Na ja man weiß ja nie. Also über wir uns lieber etwas in Zurückhaltung.

Liebe Gemeinde, das was uns die Menschen im Orient angdeihen lassen, nämlich eine Gastfreundschaft ohne murren, das sollten wir eigentlich auch unseren Mitmesnchen angedeihen lassen. Und da herrscht bei uns allen doch wohl ein gewaltiges Nachholbedürfnis.

Wann haben Sie zum letzten Male einen Fremden bei sich eingeladen nur so aus der Gastfreundschaft heraus ? Ich wette, keiner von uns wird sich so recht daran erinnern können. Es dürfte ja auch schon eine ganze Weile her sein.

Also, was will uns der Predigttext dazu sagen. Gehen wir doch alle wieder mit offenen Augen und Ohren durch diese Welt und beobachten unsere Mitmenschen. Da ist z. B.der ältere Herr, den wir seit Monaten allein im Gottesdienst sehen. Früher war er mit seiner Frau gemeinsam hier. Was mag wohl geschehen sein ? Wir werden es nie herausbekommen, wenn wir ihn nicht fragen. Und wenn wir dann feststellen, dass er einsam und allein lebt, dann liegt es an uns, ihn z.B. zum sonntäglichen Mittagstisch in unsere Familie einzuladen.

Es ist zwar noch etwas hin, aber bald ist wieder Weihnachten. Wir kennen bestimmt, den ein oder anderen Mitmenschen, der den Heiligabend oder das ganze Weihnachtsfest mutterseelenallein verbringt. Laden wir ihn doch in unsere Familie ein.

3. Einander Dienen

Wir leben ja in einer Dienstleistungsgesellschaft. Nur mit dem Nachteil, dass wir uns alle zwar gern bedienen lassen, aber selber dienen ? Nein, dazu haben wir eigentlich gar keine rechte Lust. Ähnlich ging es aber schon den Menschen vor 2000 Jahren.

Und genau diese Menschen spricht Petrus an und sagt ihnen, dass sie einander dienen sollen. Aber wie um alles in der Welt kann ich meinem Mitmenschen denn dienen ? Auch hier hat Petrus die Lösung parat: Genau mit den Gaben mit denen mich Gott ausgestattet hat.

Ich glaube, hier liegt auch der Hase im Pfeffer. Wir fühlen uns häufig vielleicht deswegen nicht wohl in unserer „Dienerhaut“, weil wir etwas machen, wozu uns Gott nicht befähigt hat. Jetzt gilt es zunächst einmal herauszufinden, was uns denn wirklich Spass macht. Das haben wir nämlich von Gott in die Wiege gelegt bekommen. Was immer es auch sei, diese Fähigkeit können wir auch zum Aufbau seines Reiches einsetzen.

Das glauben Sie nicht ? Hierzu ein Beispiel. Ein Freund von mir ist ein begnadeter Koch. Er arbeitet federführend in einem „Sternetempel“ zu welchem die Gourmets und die meinen, dass sie welche sind, in Scharen hinpilgern. Aber einen Tag in der Woche widmet er sich einer ganz anderen Tätigkeit. Da bringt er jungen Menschen, die dies nicht gewohnt sind, das gesunde Kochen bei. Ganz umsonst und vor allem ganz ohne Hintergedanken.

Nehmen wir uns doch heute Nachmittag einmal die Zeit und überlegen wir, was uns so richtig Spass macht. Und dann lassen Sie uns überlegen, wie wir diese Tätigkeit im Dienst für den Nächsten einsetzen können. Ich bin sicher, uns allen wird etwas einfallen.

Dann dürfen wir aber den nächsten Schritt nicht vergessen, nämlich dies auch in die Tat umzusetzen

Jetzt haben wir drei christliche Charakteristika kennen gelernt. Ich denke, es gibt bestimmt noch viel mehr. Jetzt kommt aber noch etwas ganz entscheidendes. Ich muss jetzt einmal auf Ihre Schulzeit und das Fach Mathematik zurückgreifen. Kennen Sie sie noch, die Rechnung mit der Klammer. Alles was vor der Klammer steht bezieht sich auf den gesamten Inhalt der Klammer. Unsere drei Charakteristika stehen in der Klammer.

Vor der Klammer steht ein Wort, welches bei all diesen Aktivitäten oberste Priorität genießt, nämlich die Liebe. All das, was wir tun, sollen wir in beständiger Liebe zueinender tun. Übelgelaunt und mieseperterhaft ausgeübt nutzt die ganze Gastfreundschaft nichts. Sie muss aus dem Herzen kommen. Und wer kennt ihn nicht, den übelgelaunten Kellner, der einem glatt den Appetit und die gute Laune verderben kann.

Liebe Gemeinde, wir sind nicht jeden Tag gut drauf. Das erwartet Gott auch nicht von uns. Aber wir können Gott bitten, dass er uns jeden Tag auf’s neue ein liebvolles Herz schenkt, dass in seinem Sinne tätig wird.
Probieren wir es doch einfach mal.

Der Liederdichter Nikolaus Ludwig von Zinzendorf drückt diese christliche Grundstimmung aus der heraus wir einander dienen sollen, sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Herz und Herz vereint zusammen…“ (EG 251) aus, der da lautet, wie folgt:

Herzn und Herz vereint zusammen such in Gottes Herzen Ruh.
Lasset eure Liebesflammen lodern auf den Heiland zu.
Er das Haupt, wir seine Glieder, er das Licht und wir der Schein, er der Meister, wir die Brüder, er ist unser, wir sind sein.

Der Herr erhöre immer wieder Deine besonnenen Gebete Der Herr gebe Dir die Kraft stets gastfreudlch zu sein Der Herr gebe Dir die Karft der beständigen Liebe in Dein Herz hinein

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Restsonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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