Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Jubilate. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Johannesbrief, Kapitel 5, die Verse 1-4. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Kraft des Glaubens

Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist. Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wer ist es aber, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, dass Jesus Gottes Sohn ist ?

Liebe Gemeinde,

die Überschrift über unserem heutigen Predigttext lautet „Die Kraft des Glaubens“. Bevor wir uns dieser Kraft des Glaubens widmen, lassen Sie uns doch einmal gemeinsam ergründen, was der Glaube eigentlich ist und woran man ihn definitiv erkennen kann.

1. Der Glaube

Gleich zu Beginn lesen wir, dass derjenige von Gott geboren ist, der glaubt, dass Jesus der Christus ist. Christus kann auch mit dem Wort Messias übersetzt werden, was bedeutet: Der Bevollmächtigte Gottes.

Aber wie komme ich dazu, dies zu glauben ? Glauben in diesem Zusammenhang heißt nicht, eine ungewisse Ahnung zu haben, sondern felsenfest davon überzeugt zu sein, ja es eigentlich ganz genau zu wissen, dass Jesus mein Erlöser ist.

Daher müssen wir uns kurz damit beschäftigen, wie denn ein Mensch zum Glauben kommt. Ich mag Schemata nicht besonders, aber manches lässt sich anhand fester Schemata einfach besser erklären. Also lassen Sie uns beginnen.

Der Weg zum Glauben geschieht häufig in drei Schritten. Der erste Schritt ist, dass Gott mich erweckt. Wir glauben ja häufig, dass es unsere eigene intellektuelle oder spitritistische Glanzleistung war, die uns zum Glauben geführt hat. Mitnichten, liebe Gemeinde. Irgendwann hat Gott uns erweckt. Erweckt heißt, er hat unsere Sinne auf sich fokussiert. Wir waren auf einmal an Gott und allem, was mit ihm zusammenhängt irgendwie interessiert.

Und wenn mich eine Sache interessiert, beschäftige ich mich gern intensiver mit dieser Angelegenheit. Und so war es sicherlich bei den meisten von uns. Wir haben uns alle auf die ein oder andere Art und Weise intensiver mit Gott beschäftigt.

Und dann kommt der zweite Schritt, unsere Bekehrung. Bekehrung ist ja ein ziemlich hochtrabendes Wort. Dabei bedeutet es nichts anderes als mein „Ja“ zu dem, was bei Gott wahr ist. Wenn ich dieses „Ja“ aus vollstem Herzen sage, dann kommt der dritte Schritt des Glaubens, nämlich das von Gott geboren werden, auch Wiedergeburt genannt.

Wie kann ich mir dies vorstellen? Gott zieht mit seinem Geist in meinen Geist ein. Er verdrängt alles, was nicht zu ihm passt und verstärkt alles, was den rechten Glauben ausmacht. Daher ändert sich bei einem gläubigen Menschen auch sein Verhalten.

2. Kennzeichen des Glaubens

Wie wir soeben gesehen haben, ändern sich unsere Verhaltensweisen weil Gott sie ändert. Machen wir uns nichts vor, liebe Gemeinde, kein Mensch kann sich selber ändern. Ich muss immer ein wenig schmunzeln, wenn ich von Erziehungsberechtigen die Worte höre: „Der oder die muss sich ändern“. Das klappt vielleicht kurzfristig, aber eine langfristige und dauerhafte Verhaltensänderung kann nur Gott in uns bewirken.

Johannes beschreibt uns auch ganz konkret wie diese Verhaltensänderungen ausschauen, die wir an den Tag legen als „echte“ Christen. Einen Christen erkennt man unter anderem daran, dass er Gott liebt.

Denken wir dabei ruhig einmal an die Verhaltensweisen eines jungen Liebespaares. Beide möchten am liebsten immer unzertrennlich bleiben und auf jeden Fall soviel Zeit wie nur irgend möglich zusammen verbringen. Die Stunden der Unterhaltung fliegen nur so dahin. Man hat sich halt so viel zu erzählen. Und die Stunden der Trennung sind kaum auszuhalten.

Genau so lieben wir Christen unseren Herrn. Wir reden mit ihm über alles, was uns auf dem Herzen liegt. Wir danken ihm für alles, was er uns gibt. Wir gehen mit allem, was uns bedrückt zuerst zu ihm und fragen ihn um seinen Rat. Aber auch in alltägliche Entscheidungsfindungen beziehen wir Gott mit ein. Jemand, der dies tut, und dies tun wir sicherlich alle, der wird von Gott verändert werden.

Und diese Veränderungen werden nach außen hin sichtbar sein. Wer Gott und nicht sich selber als Nabel der Welt betrachtet, der wird ruhiger, gelassener und nicht mehr von Selbstsucht bestimmt sein, als jemand für den Gott noch keine Rolle spielt. Nur so nebenbei bemerkt: Vor kurzem las ich einen tollen Satz: „Gott spielt in meinem Leben keine Rolle, er ist der Regisseur.“ Fand ich klasse.

Ein Kennzeichen der Liebe zu Gott ist auch die Liebe zu unseren Mitmenschen. Wer Gott von ganzem Herzen liebt, der kann für seine Mitmenschen keinen Hass empfinden. Ich habe natürlich nicht die Weisheit gepachtet, aber ich habe festgestellt, dass man sehr gut die Liebe zu Gott daran erkennen kann, wie ein Mitmensch mit den Schwächsten der Gesellschaft umzugehen pflegt.

Den Reichen und Mächtigen ehrfurchtsvoll zu begegnen das ist in der Tat nichts Besonderes. Aber einem Obdachlosen den gleichen Respekt entgegenzubringen, das zeugt schon eher von der Liebe, die man zu Gott hat.

Wer dumpfbackenmäßig „Deutschland den Deutschen“ brüllt und sonntags artig in die Kirche geht, der sollte sich mal darüber Gedanken machen, ob das echter Glaube oder nur religiöse Spielereien für ihn sind. Entschuldigung, aber das musste einfach mal raus.

3. Die Kraft des Glaubens

Ein weiteres sicheres Glaubenskennzeichen ist dies, dass wir die Gebote halten. Gut, wir sind alle keine Massenmörder und wir verdienen unseren Lebensunterhalt auch nicht durch gewerbsmäßigen Diebstahl.

Aber es gibt ja auch noch andere Gebote. Wenn wir ehrlich zu uns sind, dann haben wir doch alle schon einmal gelogen und wenn es auch nur die kleine Notlüge gewesen ist. Also haben wir sie doch nicht gehalten, die Gebote dies uns Gott gegeben hat.

Und dann lesen wir noch, dass uns das Einhalten der Gebote einem Christen nicht schwer fällt. Wie passt denn dies zusammen? Sind wir am Ende doch keine Christen? Ich selber kann nicht garantieren, dass ich die Gebote Gottes immer einhalten werde. Diese Kraft habe ich nicht. Ich kann nur vor Gott kapitulieren und ihm eingestehen, dass ich diesbezüglich ein Versager bin. Aber ich erhalte von Gott die Kraft dazu mich so zu verhalten, wie ich es sollte.

Immer? Nein nicht immer, aber immer öfter. Christsein ist ein lebenslanger Lernprozess. Am Anfang werden wir immer wieder in unsere alten Verhaltensweisen zurückfallen. Aber wenn die Kraft des Glaubens in uns wirkt werden wir ganz unbewusst und vollkommen natürlich unsere Handelsmarine umstellen. Von Mal zu mal fällt es uns z.B. leichter, der Versuchung einer Notlüge nachzugeben. Immer häufiger beteiligen wir uns dann auch nicht mehr an dem ganzen Klatsch und Tratsch um uns herum.

Wir werden auf Erden niemals die perfekten Christen werden, aber unser Leben wird Dank der Kraft des Glaubens in die richtige Richtung laufen. Bleiben wir also auf diesem Weg und danken wir dem Herrn, dass er uns durch seine Kraft auf diesem Weg hält. Halten wir also den ständigen Kontakt zu unserem Herrn und lassen wir uns allein von ihm in unserem Leben leiten.

Diesen Weg beschreibt der Liederdichter Ludwig Helmbold sehr schön in dem 1. Vers seines Liedes „Von Gott will ich nicht lassen…“ (EG 365), der da lautet, wie folgt:

Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir
führt mich durch alle Straßen, da ich sonst irrte sehr.
Er reicht mir seine Hand,
den Abend und den Morgen tut er mich wohl versorgen,
wo ich auch sei im Land.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Herzliche Grüße sendet Ihnen allen
Ihr

Ulrich Naber

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