Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Gründonnerstag.
Gründonnerstag gedenken wir alljährlich der Einsetzung des heiligen Abendmahles.
Den Predigttext für den heutigen Tag finden wir im 2. Kapitel des Hebräerbriefes,
die Verse 10-18. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn es ziemte sich für den, um dessentwillen alle Dinge sind und durch den alle Dinge sind, dass er den, der viele Söhne zur Herrlichkeit geführt hat, den Anfänger ihres Heils, durch Leiden vollendete. Denn weil sie alle von einem kommen, beide, der heiligt und die geheiligt werden, darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu nennen, und spricht (Psalm 22,23): Ich will deinen Namen verkündigen meinen Brüdern und mitten in der Gemeinde dir lobsingen. Und wiederum (Jesaja 8,17):
Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen. Und wiederum (Jesaja 8, 18):
Siehe, hier bin ich und die Kinder, die mir Gott gegeben hat. Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er’s gleichermaßen angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten. Denn er nahm sich nicht der Engel an, sondern der Kinder Abrahams nimmt er sich an.
Daher musste er in allem seinen Brüdern gleich werden, damit er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu sühnen die Sünden des Volkes. Denn worin er selber gelitten hat und versucht worden ist, kann er helfen denen, die versucht werden.

Liebe Gemeinde,

es fällt uns sicherlich nicht ganz einfach, etwas über das Abendmahl aus diesem Text herauszulesen. Und doch finden wir eine Stelle, die uns auf unsere direkte Verbindung zu Jesus hinweist:
„Darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu nennen.“

Als Seine Geschwister nehmen wir somit zusammen mit Ihm das Abendmahl ein. Eigentlich wäre die Predigt hiermit beendet. Aber ich finde, wir sollten uns auch einmal über die Bedeutung oder besser gesagt über die Bedeutungen des Abendmahles unterhalten. Wenn wir uns da das Abendmahl etwas genauer betrachten, dann erkennen wir 4 Bedeutungen, die wir jetzt zusammen erörtern wollen:

1. Stärkungsmahl

Das Abendmahl ist ein Stärkungsmahl. Wenn wir das Ritual des Abendmahles bedenken, dann erkennen wir, dass uns Brot und Wein gereicht werden. Wir stärken uns also nicht selber, sondern wir werden gestärkt.

Daran erkennen wir auch unsere totale Abhängigkeit von unserem Herrn Jesus. Er allein ist derjenige, der uns stärken kann. Und dies tut Er immer wieder, wenn wir an Seinem Tisch versammelt sind. Er, der in diesem Moment mitten unter uns ist schämt sich auch heute nicht, uns als Seine Geschwister zu bezeichnen.

2. Gemeinschaftsmahl

Liebe Gemeinde, zum Abendmahl kommen wir im allgemeinen nicht alleine, sondern wir versammeln uns mit unseren Brüdern und Schwestern um den Altar herum, um das Abendmahl gemeinsam einzunehmen.

ER ist unser Herr und somit das Haupt der Gemeinde. Wir alle sind Glieder dieses einen Leibes. Daran sollen wir immer wieder erinnert werden, wenn wir gemeinsam am Tisch des Herrn stehen. Lassen Sie uns immer wieder daran denken, dass Jesus sich nicht schämt zu jedem Einzelnen mit dem wir am Tisch des Herrn stehen, Bruder oder Schwester zu sagen.

Jeder einzelne Mensch, der da vor Ihm steht ist Ihm lieb und teuer. Und genau so, liebe Gemeinde, sollten wir unsere Mitmenschen auch betrachten. Wenn die Menschen zu meiner Linken und zu meiner Rechten dem Herrn lieb und teuer sind, dann dürfen sie mir auch nicht egal sein.

Dann habe ich als Bruder oder Schwester auch eine Verantwortung für das Wohlergehen meiner Geschwister. Dann dreht sich eben nicht mehr alles um mich in meinem Leben. Nein, dann ist der gesamte Leib Christi wichtig, zu dem ich natürlich auch gehöre, aber zu dem auch alle meine Geschwister im Glauben gehören.

Daran sollten wir uns übrigens nicht nur während des Abendmahles erinnern. Das gilt auch die ganze Woche über. Und nicht nur das. Unser ganzes Leben lang sollten wir uns unsere Stellung inmitten unserer Geschwister immer wieder vergegenwärtigen. Das schützt unter anderm auch ganz besonders vor Hochmut und Neid.

3. Gedächtnismahl

Jedes Mal, wenn wir an den Tisch des Herrn treten, um mit Ihm gemeinsam das Abendmahl zu feiern, gedenken wir daran, dass Jesus Christus Seinen Leib und Sein Blut für uns dahingegeben hat.

Das klingt immer so schön pathetisch. Drücken wir es doch ruhig einmal etwas plastischer aus. Jesus hat sich demütigen lassen, ER hat sich foltern lassen und ER hat sich kreuzigen lassen allein für uns. Unser Weg zum Himmel war versperrt, da wir als Sünder im Himmel nichts zu suchen haben.

„Nur wer sauber ist, der kommt hier rein.“ Das könnte an der Himmelsbarriere gestanden haben. Also gab es für uns arme Sünder keine Chance in den Himmel zu kommen.

Es sei denn, jemand wischt den ganzen Dreck und den ganzen Unrat unserer Sünde von uns weg und reinigt uns von allen vergangenen, gegenwärtigen und von allen zukünftigen Sünden. Es musste also jemand geben, der für unseren gesamten Dreck geradesteht.
Und dieser Jemand war Jesus.

Denken wir nur einmal an unsere Gedanken, die uns immer wieder beschleichen. Da ist es schon besser, dass unsere Mitmenschen diese nicht lesen können. Aber es gibt einen, der kann sie lesen. Und wenn wir sie bereuen, dann schämt Er sich nicht, uns Seine Geschwister zu nennen.

Wir, liebe Gemeinde, werden immer wieder sündigen. Und ER wird uns immer wieder von diesen Sünden reinwaschen, sodass wir wieder einen freien Zugang zu unserem Vaterhaus haben. Das setzt natürlich voraus, dass wir unsere Sünden auch ehrlich bereuen. Daran sollten wir immer denken, wenn uns unser Herr am Abendmahlstisch begegnet.

4. Hoffnungsmahl

Das Abendmahl, liebe Gemeinde ist das äußerlich sichtbare Zeichen, dessen, was uns einmal im Himmel erwartet, nämlich die dauernde Gemeinschaft mit unserem Herrn. Wenn wir unserem Herrn im Abendmahl punktuell begegnen so ist dies ein kleiner Vorgeschmack auf den Himmel.
Dort werden wir ewig in Seiner Gemeinschaft mit Ihm zusammen wohnen dürfen.

Das Hoffnungsmahl, liebe Gemeinde, geht aber noch weiter. Das Abendmahl feiern wir nicht nur in der Gegenwart unsers Herrn, nein, das Abendmahl feiern wir auch im Gedächtnis daran, dass auch die das heilige Abendmahl mitfeiern, die uns im Glauben vorausgegangen sind.

Wenn wir es so wollen, dann nehmen wir von jedem Abendmahl an dem wir teilnehmen ein Stück weit Ewigkeit mit in unseren Alltag hinein.

Im Alltag sich immer wieder daran erinnern zu dürfen, was uns in der Ewigkeit erwartet, das kann sich ungeheuer entspannend auf unser Leben auswirken. Wenn wir wissen, dass wir die Ewigkeit im Himmel verbringen werden und dass mit unserem Tode eben nicht alles aus ist, dann müssen wir auch nicht mehr an allen noch so tollen Events teilnehmen, was die sogenannte Spaßgesellschaft für uns bereit hält.

Und dann müssen wir auch alles nicht mehr so ernst nehmen und für wichtig halten, wenn wir es durch die Ewigkeitsbrille betrachten. Und diese Ewigkeitsbrille ist die nicht die allseits bekannte „rosarote Brille“, sondern es ist die Fernsichtbrille, die uns, die wir bisher blind waren, endlich scharf sehen und erkennen lässt.

So lassen Sie uns an diese 4 Punkte immer wieder denken, wenn wir zum Tisch des Herrn treten und das Heilige Abendmahl einnehmen. Und lassen Sie uns diese Punkte auch danach im Alltag in unserem Herzen tragen.

Die Bedeutung des Abendmahles beschreibt uns der Liederdichter Arno Pötzsch sehr schön in dem dritten Vers seines Liedes „Du hast zu deinem Abendmahl als Gäste uns geladen…“ (EG 224), der da lautet, wie folgt:

Nun segne, Herr, uns Brot und Wein, deins Tische edle Gaben !
Du selbst willst gegenwärtig sein und wunderbar uns laben.
Gib über Bitten und Verstehn, wie du versprachst zu geben !
In dem, was unsre Augen sehn, gib dich uns selbst zum Leben !

Der Herr schenke Dir mit dem Abendmahl Kraft und Stärke für Dein Leben mit IHM
Der Herr schenke Dir mit dem Abendmahl Liebe und Verantwortung für Deine Mitmenschen
Der Herr lege Dir mit dem Abendmahl Hoffnung auf die Ewigkeit in Dein Herz hinein

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Donnerstag und verabschiede mich bis zum morgigen Karfreitag.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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