ePredigt vom 17.02.2013 (Lukas 22, 31-34)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Invokavit. Die Passionszeit stellt für uns Christen eine Zeit des Nachdenkens dar, des Nachdenkens über unser Leben und vor allem auch über die Schattenseiten unseres Lebens. Und dass wir alle nicht vollkommen sind, das wissen wir
doch alle. Wie gut, dass uns unser Herr trotz aller Fehler dennoch über alles liebt. Über eine solche Unvollkommenheit, die unser Herr schon von vornherein kennt, berichtet auch unser heutiger Predigttext. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen (Lukas 22, 31-34):

Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder. Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst.

Liebe Gemeinde,

auch wenn es viele Menschen in der heutigen Zeit nicht wahrhaben wollen, es gibt sie tatsächlich, die Macht des Bösen, von Jesus in unserem Predigttext Satan genannt. Gerade uns als Christen trifft es besonders stark. Millionen willfährige Menschen, die dem Satan willenlos folgen, die hat er schnell im Griff. Aber um uns Christen muss er mit allen Tricks und Kniffen kämpfen, ist es doch sein ausersehenes Ziel alle Menschen in seinen Bann zu bekommen.

Wenn wir einmal ehrlich sind, dann geraten wir doch immer wieder in die Versuchung des Satans hinein und so manches Mal geben wir ihr auch nach. Gott sei Dank, dass wir einen Heiland haben, der uns immer wieder von diesen Sünden frei spricht. Lassen Sie uns doch am heutigen Sonntag
einmal das Wesen dieses Heilands ein wenig näher betrachten.

1. Jesus kennt uns alle

Selbst wenn wir nach außen stark und selbstbewusst auftreten, wie es Petrus häufig getan hat, dann weiß unser Herr, dass es oftmals nur eines kleinen negativen Ereignisses bedarf und all unsere Selbstsicherheit und unsere Stärke ist dahin.

Gerade noch der erfolgreiche Manager im Betrieb und am nächsten Tage erhält er die Kündigung mit sofortiger Wirkung. Mehr als 20 Jahre hat er sich für das Unternehmen eingesetzt, reihenweise die Wochenenden für den Betrieb geopfert und sogar aus manchem Urlaub wurde er zurückgeholt.
Innerhalb eines Tages wurde aus dem stolzen vor Selbstvertrauen nur so strotzenden Manager ein, wie wir zu sagen pflegen „Häufchen Elend“.

Ja, liebe Gemeinde, der Satan nutzt auch solche Gelegenheiten, um uns von Jesus wegzulotsen und in seinen Bann zu bringen.

Gibt dir Jesus deinen Job zurück ? Füllt Jesus jetzt dein Konto auf ?
Das hast du nun davon, dass du auf Jesus gesetzt hast !
Das sind die Punkte mit denen Satan in unserem Fall eingreifen könnte.

Dank unseres Herrn dürfen wir auch solche Phasen im Vertrauen auf Seine Hilfe durchleben und Er gibt uns auch die Kraft dafür, dass wir sie durchstehen.

Lassen Sie uns immer daran denken, Jesus weiß von vornherein, was auf uns zukommt.
Auch wenn uns die Ereignisse des Lebens so richtig durch rütteln, ER ist da. Auch wenn wir in solchen Situationen meinen, Er wäre ganz weit weg, so ist Er doch nur ein Gebet weit entfernt

2. Jesus betet für uns

Jesus weiß also, dass wir im Grunde hinter der Fassade, die wir um uns herum aufgebaut haben, ganz schwache Menschen sind, die dringend Seiner Hilfe bedürfen. Und darum betet Er auch für uns, wie wir es im Predigttext soeben gehört haben.

Das bringt das Gottesbild vieler Menschen ganz gehörig durcheinander. Denken doch viele Menschen, wenn sie von Gott reden von einer Art König, der im Himmel Seinen Thron hat und uns gnädig gesonnen ist, wenn unsere Lebensleistung stimmt. Wenn wir nur viel für Ihn getan haben, dann dürfen wir Ihn auch mal gnädig um Seine Hilfe bitten.

Dieses Gottesbild, liebe Gemeinde, ist weiter verbreitet, als wir vielleicht denken. Nur ist dieses Gottesbild total falsch, wie wir in unserem heutigen Predigttext erfahren.

Auch wenn der starke Petrus noch so stark von sich überzeugt ist, dass er bereit ist, den Weg von Jesus mit ihm zusammen sogar bis in den Tod zu gehen, weiß Jesus doch längst wie schwach letztendlich dieser starke Petrus ist. Und daher betet Er auch für ihn. Er betet nicht darum, dass
er ein friede- und freudevolles Leben voller Annehmlichkeiten führen möge, nein, Er betet darum, dass sein Glaube nicht aufhören möge. Jesus betet darum , dass der Glaube den Petrus durch alle Stürme des Lebens trägt und er diesen Glauben niemals verlieren mag.

Und genau so, wie Jesus für Petrus betet, so betet Jesus auch heute für uns, dass wir unseren Glauben niemals verlieren mögen. Auch wenn der Satan uns hin und wieder an unsere Grenzen führen wird, so dürfen wir doch der Hilfe unseres Herrn gewiss sein. Wenn Er für uns betet, dass
wir unseren Glauben nicht verlieren, dann werden wir Ihn auch nicht verlieren. Mit dieser Gewissheit können wir durch alle Niederungen unseres Lebens dennoch mit einem frohen Herzen hindurchgehen, da wir wissen, dass letztendlich alles gut sein wird.

3. Jesus beauftragt uns

Mit dem Gebet Jesu für unsere Stärke ist es ja nicht getan. Jesus will ja nicht nur, das wir im Glauben gestärkt werden, sondern dass möglichst viele Menschen gerettet werden. Und somit beauftragte Er auch den Petrus, Seine Brüder zu stärken.

Und dieser Auftrag hat bis heute nichts an seiner Aktualität verloren.
Was macht uns denn außerdem noch stark, außer den Gebeten unseres Herrn für uns ?
Die christliche Gemeinschaft. In dieser Gemeinschaft werden wir zusätzlich durch die Gegenwart Jesu gestärkt. Gemeinsam sind wir stark, das ist nicht eine irgendwie dahergeredete Floskel.

In der Gemeinschaft können wir z.B. unser Leid viel besser ertragen, da die Gemeinschaft der Christen uns auffängt. In der Gemeinschaft können wir Freude noch besser erleben. Geteilte Freude ist doppelte Freude, da ist schon etwas dran.

Und liebe Gemeinde, die Gemeinschaft ist ein Schutzschild vor den Angriffen Satans. Denken wir doch einmal an den Raubzug eines Löwen. Tiere in der Gruppe greift ein Raubtier so gut wie niemals an. Es versucht stets, einzelne Tiere von der Gruppe abzuspalten, um diesen dann nachzujagen, bis er sie erlegen kann.

Genau so macht es Satan. Gegen die geschlossene Gruppe der Christen hat er selten eine Chance. Daher versucht er immer wieder bis zu unserem letzten Atemzug, uns von dieser Gemeinschaft weg zu bekommen, um dann leichtes Spiel mit uns zu haben. Also lassen Sie es uns als eine unserer
Aufgaben als Christen ansehen, unsere Geschwister in der Gemeinschaft zu stärken.

Die Geschwister stärken können wir am besten, wenn wir uns unserer Rolle als Christen in dieser Welt auch so richtig bewusst sind. Diese Rolle beschreibt der Liederdichter Johannes Olearius sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Herr, öffne mir die Herzenstür“, der da lautet, wie folgt:

Herr, öffne meines Herzens Tür,
zieh mein Herz durch dein Wort zu dir,
lass mich dein Wort bewahren rein,
lass mich dein Kind und Erbe sein.

Der Herr öffne die Türe Deines Herzens, damit ER bei Dir einziehen kann
Der Herr lasse SEIN Wort in Deinem Herzen wohnen und wirken
Der Herr gebe Dir die Kraft, durch SEIN Wort Deine Geschwister zu stärken

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und die immerwährende Gewissheit in Ihrem Herzen, dass Jesus nur ein Gebet weit entfernt von uns allen ist.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber