ePredigt vom 16.05.2004 (1.Timotheus 2;1-6a)

Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am 5. Sonntag nach Ostern, am Sonntag Rogate.
Rogate heißt: Betet !
Dazu ruft uns auch unser Predigtwort im 1.Timotheusbrief
im 2. Kapitel, in den Versen 1 – 6a:²

„So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, auf daß wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit. Solches ist gut und angenehm vor Gott, unserm Heiland, welcher will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
In den letzten Tagen war häufig Gewitter. Lange bevor meine Augen es sahen, spürte ich es schon in meinem Körper. Dabei sah ich nebenbei, bevor sich der Himmel im Dunkel hüllte, einen Blütenteppich in sanftem Blau. Es war, als hätte Gott mir ein Stück geöffneten Himmel vor die Füße gelegt. Wollte ER mir durch jede einzelne Blume sagen: – Vergiss MEIN nicht? – Und hatte ich das denn nötig ?

Die Blumen und die Botschaft gingen überall mit, wohin ich auch kam.

In einem überfüllten Wartezimmer eines Arztes klagten Menschen ihre Not und Angst. Wussten sie nicht um Gottes Gegenwart und SEINE Einladung? Auch für sie gilt die Botschaft Gottes: – Vergiss MEIN nicht! – ICH bin für euch da, in aller eurer Not und Angst!

Ich begegnete Menschen, die miteinander fröhlich waren. Hatten sie ein Ohr für Gottes Botschaft: – Vergiss MEIN nicht! – Aus MEINER Hand habt ihr empfangen, dass ihr glücklich sein könnt. Ist das nicht einen dankbaren Druck eurer Hand wert?

Im Fernsehen sah ich ratlose Politiker über die Zukunft des Landes sprechen. Sie verdeckten ihre Ratlosigkeit mit Streit und Schuldzuweisungen. Einige malten in Worten düstere Zukunftsbilder. Andere flüchteten sich in Zweckoptimismus. Wussten sie nicht oder wollten sie sich nicht daran erinnern, dass es einen Gott gibt, der da sagt: – Vergiss MEIN nicht? – ICH bin der Herr, der die Zukunft in der Hand hält und Wege für die Zukunft zeigen kann!

Die Welt braucht ein Erinnern daran, dass sie nur von Gott und durch Gott leben kann!

Und ich brauche es auch, jeder von uns braucht solches Erinnern. Denn oft leben und handeln wir, als wenn es diesen Gott nicht gibt. SEIN Wort sagt uns aber als Gemeinde:

„Vergeßt niemals den Herrn, euren Gott“ (5.Mose 8,14).

Zu diesem Gott werden wir durch unser Predigtwort eingeladen. Wir werden gerufen, mit IHM zu reden:
„So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, auf daß wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit.“

Als Gemeinde sind wir zum Gebet gerufen, für uns und für Andere. Das ist vor allem ein Geschenk. Der allmächtige Gott gewährt uns Audienz. ER ist alle Zeit für uns bereit, um zu hören, was unser Herz bewegt. Wir können unser Herz vor IHM ausschütten, alles was uns selber bedrückt, aber auch alle Freude und Dankbarkeit für Gottes empfangener Liebe und alles, was uns von Andern her im Herzen bewegt.

Gott ist bereit, uns zuzuhören. ER wartet auf unser Wort. Gott ist uns zugewandt, um uns SEINE rettende Liebe zu schenken. ER ist bereit, dass wir sie für uns und Andere abrufen und in Anspruch nehmen.

Das bedeutet nicht unbedingt Erfüllung von Bitte und Fürbitte.

Aber SEIN Handeln aus Liebe geht mit uns Wege der Hilfe und der Rettung.
Nicht immer werden wir Gottes Handeln verstehen und begreifen. Manches wird uns erst später verständlich, Anderes bleibt verborgen. Doch wir können lernen, mitten in den Tiefen des Lebens auf Gott zu vertrauen.

In einem Psalm heißt es:
„Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei deiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachten, so bist du doch Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ (Ps 73, 23-26)

Gott hört auf Gebete und ER antwortet darauf!

Unser Gebet wirkt etwas, bei uns und bei anderen. Diese Möglichkeit und Verantwortung hat Gott SEINER Gemeinde gegeben. Mit unserem Gebet können wir ein Netz ausspannen, mit dem Gottes Liebe vielen Menschen hilft und sie rettet. Denn Gott will, dass alle Menschen gerettet werden. SEIN Sohn Jesus hat SEIN Leben als Erlösung für alle Menschen hingegeben.

Im Gebet können wir hören, was Gott uns zu sagen hat.
Beten ist kein Monolog, sondern ein Dialog.
Beten ist nicht nur ein Reden, sondern auch ein Hören auf Gottes Worte.

So werden wir auch in unseren Bitten weitergeführt. Gott schenkt uns ein Erkennen SEINER handelnden Liebe, dass wir IHN staunend anbeten können, dass wir für alles Empfangene von Herzen danken können, dass wir um Hilfe für die Not und Ratlosigkeit Anderer bitten können.

Zu all dem ruft uns Gott an diesem Sonntag. Mit dem Spruch der Woche gibt ER unserem Schritt ins Gebet Ermutigung.
Dieser Spruch ist ein Gebet aus dem 66. Psalm, Vers 20:

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“

Der Herr möge all unser Beten zu IHM segnen.

Es grüßt herzlich
Ihr Pfr.i.R. Steinführer