Liebe Lesergemeinde!

Ich grüße Sie herzlich am Letzten Sonntag nach Epiphanias.
Unser heutiges Predigtwort steht im 2. Mosebuch,
im 3. Kapitel, in den Versen 1 – 10:

„Mose hütete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Als er die Herde durch die Steppe trieb, kam er eines Tages an den Gottesberg, den Horeb. Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer lodernden Flamme, die aus einem Dornbusch schlug. Mose sah nur den brennenden Dornbusch, aber es fiel ihm auf, daß der Busch von der Flamme nicht verzehrt wurde. Das ist doch seltsam, dachte er. Warum verbrennt der Busch nicht? Das muß ich mir aus der Nähe ansehen?
Als der Herr sah, daß Mose näherkam, rief er ihn aus dem Busch heraus an: >Mose! Mose!< >Ja!< antwortete Mose, >ich höre!< >Komm nicht näher!< sagte der Herr. >Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden.< Dann sagte er: >Ich bin der Gott, den dein Vater verehrt hat, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.< Da verhüllte Mose sein Gesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzusehen. Weiter sagte der Herr: >Ich habe gesehen, wie mein Volk in Ägypten mißhandelt wird. Ich habe gehört, wie es um Hilfe schreit gegen seine Unterdrücker. Ich weiß, was es auszustehen hat, und bin gekommen, um es von seinen Unterdrückern zu befreien. Ich will es aus Ägypten herausführen und in ein fruchtbares und großes Land bringen, ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Ich bringe es in das Land der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. Ich habe den Hilfeschrei der Israeliter gehört, ich habe gesehen, wie grausam die Ägypter sie unterdrücken. Deshalb schicke ich dich zum Pharao. Du sollst mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten herausführen.<" Der Herr segne an uns SEIN Wort! Liebe Gemeinde! Heute möchte ich Euch an ein Gesangbuchlied erinnern: - Gott ist gegenwärtig, ... - Wenn Ihr Zeit habt, lest es für Euch durch. Hier möchte ich Euch zwei Verse mitgeben. (EG 165, 1+6) "Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn kennt, wer ihn nennt, schlag die Augen nieder; kommt, ergebt euch wieder. Du durchdringest alles; laß dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, laß mich so still und froh deine strahlen fassen und dich wrken lassen." Mit diesem Lied komme ich mit meinen Erwartungen und Hoffnungen in den Gottesdienst. Ich weiß von der Bibel, dass Gott hier in SEINEM verkündigten Wort und empfangenem Sakrament gegenwärtig ist und wirkt. Aber ich weiß, dass darüber hinaus Gott uns in vielfältiger Art und Weise begegnen kann, auch an Orten und in Ereignissen, wo ich keine Begegnung mit Gott erwarte. Und ich staune darüber, dass es immer wieder geschieht. Da stehe ich an einer Kreuzung. Ich habe es eilig, die Ampel schaltet auf Grün. Im Begriff loszugehen sehe ich einen Blinden, der angespannt horcht. Erst jetzt bemerke ich, dass der Orientierungston ausgefallen ist. Im Zuwenden sage ich zu dem Blinden: "Kommen sie, Sie können gehen, der Ton der Ampel ist ausgefallen." Auf der anderen Straßenseite sagt mir der Blinde: "Danke! Im Innehalten wächst zum Handeln mehr als in Eile gewonnen wird." Berührt gehe ich weiter und denke an das Psalmwort: "Meine Zeit steht in deinen Händen" (Ps 31,16). Im Weitergehen sage ich zu Gott: "Danke, Herr, dass Du mich erinnerst, wo meine Zeit Inhalt und Aufgaben empfängt." Ja, Gottes Nähe und Begegnung ist ein Geschenk, das unser Leben erfüllt. Das wird mir auch an unserem Predigtwort deutlich. Das Predigtwort führt uns zu einer entscheidenden Gottesbegegnung des Mose. Wir begegnen Mose in seiner Alltagswelt beim Hüten von Schafen und Ziegen. Einst war er als Flüchtling und Fremder nach Midian gekommen. Nun ist er in einem Nomadenstamm aufgenommen, hat Familie und Arbeit. Bei dieser Arbeit sieht er einen Dornbusch brennen, der vom Feuer nicht verbrennt. Neugierig geht er auf dieses Feuer zu. Da wird Mose aus diesem Feuer mit seinen Namen angerufen. Und Mose bekundet seine Bereitschaft zu hören. Mose wird in seinem Eifer gebremmst: Komm nicht näher, hier ist heiliger Boden. Ich bin der Gott deiner Väter. Ich habe die Not meines Volkes gesehen und ihr Schreien um Hilfe gehört. Nun will ich mein Volk befreien und sie in ein großes Land führen, in dem es ihnen gut geht. "Deshalb schicke ich dich zum Pharao. Du sollst mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten herausführen." Für Mose wird seine ganze Vergangenheit wieder gegenwärtig. Als israelitisches Kind war Mose aus dem Wasser vorm Tode gerettet worden. Er wuchs als Prinz von Ägypten auf. Seine Stellung hatte ihm ermöglicht, Macht, Bildung und Führungsqualitäten zu erlangen. Doch dann war Mose der Not seines israelitischen Volkes begegnet. Im unbesonnenen Drang zum Helfen war er am Feuer seines Herzens gescheitert. Mose war zum Mörder geworden und musste fliehen. In Midian hatte er ein neues Leben begonnen, das sollte er nun aufgeben und zum Ort des eigenen Scheitern zurückkehren. Und es ist das Erschrecken gegenwärtig, dass Gott ihn als gescheiterten Menschen und Mörder diesen Auftrag gibt: "Ich! Wer bin ich denn? Wie kann ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten führen?" Gott antwortete: "Ich werde dir beistehen. Daran wirst du erkennen, daß ich dich gesandt habe. Du wirst das Volk aus Ägypten herausführen und ihr werdet mir an diesen Berg Opfer darbringen und mich anbeten". (2.Mose 3, 11+12) Mose erlebt Gott als den gnädigen Gott, der sein Leben führt und der durch ihn wirken will. Wir hören diese Mosegeschichte als Gemeinde Jesu Christi, als Menschen, denen Gottes annehmende Gnade durch Jesus geschenkt ist. Gott will in unser Leben kommen. ER hat für uns einen Platz und einen Auftrag in SEINEM Handeln in der Welt. Gott kommt zu uns in SEINEM Wort und Sakrament. Und Gott ist überall in unserer Welt gegenwärtig. Wir haben durch Jesus Gottes Geist, der uns hilft das Feuer von Gottes Gegenwart wahrzunehmen. Wir dürfen Gott bitten, dass wir uns bewegen lassen, auf die Feuer Gottes in der Welt zuzugehen. Denn Gott ist unter uns und ER will uns begegnen. ER hat für uns einen Auftrag, auch wenn wir versagt haben oder gescheitert sind. Gott gibt SEINER Gemeinde im Wochenspruch die Zusage: "Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir" (Jes 60,2). Gott will unser Leben unter SEINEN Segen stellen! Dafür sei Gott von Herzen gedankt und gepriesen. Es grüßt herzlich Euer Pfr.i.R. Steinführer

Comments are closed.

Post Navigation