ePredigt vom 15.03.2015 (Johannes 6, 47-51)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Lätare. „Freuet Euch“ so lautet die Übersetzung des heutigen Sonntages. Worüber wir uns freuen können, das sagt uns unser Herr in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im
Johannesevangelium, Kapitel 6, die Verse 47-51. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.
Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.

Liebe Gemeinde,

wenn wir die Worte „Wahrlich, wahrlich“ lesen, wie sie unser Herr an etlichen Stellen des Neuen Testamentes gebraucht, dann können wir diese auch mit „Amen“ übersetzen. Immer dann, wenn ein Satz so beginnt, dann hat Jesus vorher direkten Kontakt zu Gott gehabt und gibt das weiter, was Gott uns ausrichten will. Salopp gesagt könnte man sagen: Immer dann, wenn wir diese Worte lesen, dann handelt es sich um eine direkte Ansprache vom großen Boss höchstpersönlich.

Lassen Sie uns nunmehr zu unserem Predigttext kommen. Jesus spricht in unserem heutigen Predigttext vom Brot. Jesus macht einen klaren Unterscheid zwischen dem weltlichen und dem himmlischen Brot. Lassen Sie uns also auf die Spuren Jesu begeben und fragen, was er dnn genau damit meint.

1. Der Sattmacher

Brot macht bekanntermaßen satt. Was ist es doch für ein herrliches Gefühl, wenn man ausgehungert ist und eine Schnitte Brot vor sich hat. Da läuft einem doch das Wasser im Munde zusammen.

Neben dem körperlichen Hunger gibt es aber auch den seelischen Hunger. In unserem reichen Lande ist der körperliche Hunger sicherlich den meisten vollkommen unbekannt. Aber schauen wir uns doch einmal um, wieviel seelischen und geistigen Hunger es in unserem Lande gibt. Dieser geistige Hunger, liebe Gemeinde, äußert sich häufig in dem inneren Gefühl “ Mir fehlt doch was…“ Und was tun die Menschen nicht alles, um diesen seelischen Hunger zu befriedigen.

Man versucht die Seele regelrecht zu betäuben. Das kann zum Beispiel mit Reisen geschehen. Man reist hierhin und dorthin und merkt gar nicht, dass man ja eigentlich auf der Flucht ist. Das kann auch dadurch geschehen, dass man sich einen materiellen Wunsch nach dem anderen erfüllt, um so den seelischen Hunger zu stillen. Und das ganze kann leider auch in allen möglichen Süchten enden, die vordergründig den seelischen Hunger zu stillen scheinen.

Wäre es nicht schön, wenn wir etwas hätten, dass die hungrige Seele genau so aufbaut, wie unsere Schnitte Brot uns körperlich aufbaut, wenn wir ausgehungert sind ? Genau das gibt es auch. „Ich bin das Brot des Lebens“, so sagt es Jesus gleich zu Beginn des heutigen Predigttextes.

Unsere hungrige Seele braucht keine Reisen, Geschenke und diverse Genussmittel, um satt zu werden. Unsere geschundene Seele braucht nur einen, um satt zu werden, und dieser eine heißt Jesus. An Jesus können wir Tag und nach unsere hungrigen Seelen erquicken. Erst wenn wir Jesus
in unsere Seele aufnehmen, dann geht es uns so richtig gut, dann ist der körperliche Hunger UND der geistige Hunger gestillt, erst dann leben wir im völligen Einklang mit unserem Herrn.

2. Der Vitalstofflieferant

Brot macht nicht nur satt, sondern versorgt uns auch mit den Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen, die wir zusätzlich zu den im Brot enthaltenen „Sattmachern“ benötigen, damit unser Körper auch weiterhin seine vielfältigen Funktionen ausführen kann. Ohne diese Vitalstoffe
würden wir innerhalb sehr kurzer Zeit ernsthaft erkranken und schlussendlich an diesem Mangel auch sterben.

Jesus ist nicht nur das Brot des Lebens, welches uns satt macht. Nein, liebe Gemeinde, Jesus ist auch der Vitalstofflieferant, der uns mit allem Gutem versorgt, was unsere Seele über die eigentliche Sättigung hinaus noch braucht. Was könnten das denn für geistige Vitalstoffe sein, mit denen Jesus unsere Seele ernährt ?

Da ist zum Beispiel die Liebe. Jesus nährt unsere Seele mit Liebe. Wo vielleicht vorher Hass und Missgunst das Leben regiert haben, da zieht mit Jesus die Liebe ein. Wenn Jesus unsere Seele mit Liebe versorgt, dann bleibt dies natürlich auch nicht ohne Folgen. Wir können diese göttliche Liebe nämlich nicht für uns behalten, wir spüren in uns den Drang, diese Liebe unbedigt weiter zu geben.

Dann hätten wir noch den Vitalstoff der Barmherzigkeit. Wo wir früher eiskalt „über Leichen“ gegangen sind, wenn es um unseren eigenen Vorteil ging, so sorgt Jesus mit diesem Vitalstoff dafür, dass wir unsere Mitmenschen wieder richtig wahrnehmen, sie also unter der Brille der Barmherzigkeit betrachten. Wenn dieser Vitalstoff in unserer Seele seinen Platz gefunden hat, dann ist es uns eben nicht mehr egal, was mit dem anderen geschieht. Dann dreht sich unser Leben eben nicht mehr um uns selber, sondern in erster Linie um den anderen, also den Mitmenschen an meiner Seite.

Ein weiterer wichtiger Vitalstoff unsere Seele ist die Güte. Waren wir früher auf „wie du mir, so ich dir“ ausgerichtet, so zieht mit diesem Vitalstoff auch die Gabe der Vergebung in unsere Seelen ein. Wir müssen dann nicht mehr gleiches mit gleichem vergelten, wir können auf einmal lernen, auch Hintergründe zu erkennen, die sich hinter dem Verhalten der Menschen zu uns verstecken. Und dann sehen wir die Dinge auf einmal mit unseren geistigen Augen, die uns gar keine andere Wahl mehr lassen, als die der Güte und der Gnade und der Vergebung unseren Mitmenschen gegenüber.

3. Immer satt

Wenn wir eine Schnitte Brot gegessen haben, dann sind wir vermutlich angenehm gesättigt, aber eines ist so sicher, wie das berühmte Amen in der Kirche, es ist sicher, dass wir alsbald wieder das Hungergefühl verspüren werden. Und dann muss das nächste Brot her.

Das Brot der Seele, liebe Gemeinde, mit dem Jesus uns sättigt, dieses Brot hat einen ewigen Sättigungsfaktor. Wenn wir Jesus gestatten, unsere Seele mit dem Brot des Lebens zu sättigen, dann werden wir niemals mehr den Hunger in unseren Seelen spüren.

Das ist übrigens auch ein sehr wichtiger Ansatzpunkt in der christlichen Suchttherapie. Wie wir schon gehört haben, kann der Hunger der Seele auch in Süchten aller Art enden. Die Seele ist dann angefüllt mit der Sucht, z.b. der Sucht zu spielen.

Christliche Drogenexperten sagen indes, wenn Jesus in die Seele einzieht, dann räumt er erst einmal kräftig auf. Er schmeißt alles raus, was ihm nicht passt und ersetzt dies alles durch sein Brot des Lebens. Die Süchte werden so durch das Brot des Lebens ersetzt.

Als Skeptiker und „Realist“ wollte und konnte ich dies anfangs nicht glauben. Also ließ ich mich einladen, um selber dem Geheimnis des Brotes des Lebens auf die Spur zu kommen. Ich kann nur eines sagen: Genau so, wie wir es eben gehört haben, genau so wurde mir dies von vielen Suchtkranken berichtet, die Jesus in ihr Leben eingeladen haben. Im Gegensatz zu vielen weltlichen Therapieeinrichtungen, war die Sucht von einem Moment auf den anderen besiegt durch das Brot des Lebens. Die Sucht hinterließ auch keine Leere bei den Patienten, die drohende Leere wurde ja von Jesus ausgefüllt.

Ist das nicht eine wunderbare Verheißung unseres Herrn, die Verheißung dass unsere Seele nie wieder Hunger haben wird, wenn wir von dem Brot des Lebens essen. Aber es geht ja noch weiter. Alle, die das Brot des Lebens zu sich nehmen, alle diese Menschen werden in Ewigkeit leben.

Irgendwann, liebe Gemeinde, werden wir hier auf Erden unsere letzte Scheibe Brot gegessen haben und dann den irdischen Tod sterben. Wenn wir aber zu Lebzeiten unseren Herrn zu uns eingeladen haben, dann haben wir von ihm das Brot des Lebens erhalten mit der Folge, dass unser irdisches
Leben hier auf diesem Planeten nur eine Übergangslösung ist. Computerexperten würden sagen, dass hier unten ist die Beta-Version. Die endgültige kommt erst noch.

Und was machen wir bis dahin ? Sagen wir es doch allen Menschen weiter, was passiert, wenn auch sie vom Brot des Lebens kosten. Geben wir doch auch diesen Menschen die Chance, ewig zu leben.

Das Leben auf der Erde und gleichzeitig schon die Gewissheit im Herzen tragend, dass es ewig weitergeht, dies beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt serh schön in dem 15. Vers seines Liedes: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud…“ (EG 503), der da lautet, wie folgt:

Erwähle mich zum Paradeis und lass mich bis zur letzten Reis
an Leib und Seele grünen,
so will ich dir und deiner Ehr allein und sonsten keinem mehr
hier und dort ewig dienen, hier und dort ewig dienen.

Der Herr sättige Tag für Tag Deine Seele mit dem Brot des Lebens
Der Herr lasse das Brot des Lebens in Dir wirken und viele Früchte bringen
Der Herr gebe Dir durch das Brot des Lebens stets die Gewissheit des
ewigen Lebens

Amen.

Liebe Gemeinde,

wenn wir gleich nach Hause gehen und unsere Mahlzeiten einnehmen, dann lassen Sie uns doch auch immer wieder daran denken, unserer Seele ebenfalls mit dem Worte Gottes die rechte Nahrung zu geben.

Ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber