ePredigt vom 15.02.2015 (Lukas 10, 38-42)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Estomihi. „Sei mir ein starker Fels“, so lautet die Übersetzung der Bezeichnung dieses Sonntages. Was können wir eigentlich dazu beitragen, dass uns der Herr ein starker Fels, ja auch ein starker Fels in den Brandungen unseres Lebens sein kann? Mit dieser Frage beschäftigt sich unser heutiger Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Evangelisten Lukas im 10. Kapitel, die Verse 38-42. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Maria und Martha

Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester allein lässt dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von
ihr genommen werden.

Liebe Gemeinde,

das ist doch mal ein Predigttext, der so gar nicht nach unserem Geschmack ist. Vielmehr hätten wir doch alle von Jesus erwartet, dass er Maria an die Seite nimmt und ihr erklärt, dass es so nicht geht. Sie könne doch wohl nicht ihrer Schwester die ganze Arbeit aufbürden und sich derweil selber ihm zu Füßen setzen. Dummerweise tat Jesus aber genau das Gegenteil und darum sollten wir uns einige Besonderheiten des heutigen Predigttextes auch ein wenig genauer ansehen.

1. Blinder Eifer schadet nur

Ich glaube, ein bisschen Marta steckt in einem jeden von uns. Schauen wir uns doch einmal unseren Alltag an. In aller Regel sind wir doch von frühmorgens bis in den späten Abend hinein beschäftigt.

Und dies meist auch 7 Tage in der Woche. Und wenn wir dann abends unser Tagewerk glauben vollbracht zu haben dann liegt sie schon vor uns, die „to do“ Liste für den nächsten Tag. Irgendwie leben wir doch alle in einem Hamsterrad.

Und wenn wir uns, sarkastisch ausgedrückt, ein wenig bemühen, dann schaffen wir es tatsächlich auch einmal ein Burnout zu bekommen. Und wenn wir den haben, dann können wir endlich mitreden mit den anderen, die auch so wichtig sind, dass sie sich keinerlei Freizeit mehr gönnen können.

Was treibt uns eigentlich, liebe Gemeinde, dass wir wie ein gehetztes Reh durch unseren All- und den Sonntag rennen? Es ist die Angst, die uns treibt. Die Angst, unseren Wohlstand zu verlieren, die Angst nicht von allem genügend zu bekommen und die Angst, vielleicht etwas im Leben zu verpassen, wenn wir uns einfach mal der Muße hingeben.

Diese Stimme in uns, die uns die Angst einflößt ist keinesfalls die Stimme unseres Herrn. Können wir uns vorstellen, was diese Stimme in uns bezwecken will? Natürlich wissen wir dies alle. Diese Stimme will uns davon abhalten, einen regelmäßigen Kontakt zu unserem Herrn zu unterhalten. Es ist schlichtweg der Teufel, der uns all diese Gedanken
einimpft und dann in uns die entsprechenden Verhaltensweisen hervorruft.

2. Die große Not

So sagt es Jesus direkt zu Marta. Jesus erkannte, dass sie auf dem falschen Wege war. Obwohl sie von sich und ihrer Tätigkeit überzeugt war und auch davon, dass sie Hilfe benötigte, erkannte sie nicht, dass sie im Hamsterrad des Teufels gefangen war.

Immer dann, wenn wir uns von unseren vermeintlich eigenen Begierden und Motiven steuern lassen, dann haben wir 2 Sachen im Überfluss; nämlich Sorgen und Mühen. Und hier stecken wir in einem wirklich verdammten Teufelskreislauf. Wir machen uns Sorgen, dass wir nicht alles schaffen, was von uns verlangt wird und verstärken dann unsere Bemühungen. Kurz darauf kommen aber die Sorgen wieder, ob denn wirklich alles geschafft werden kann und als Folge verstärken wir dann weiterhin unsere Bemühungen.

Und dann wird es Zeit, dass Jesus kommt und sagt: Du steckst in einer großen Not. Um diese Not zu wenden ist es notwendig, dass Du Dich an mich wendest. Nur dann, liebe Gemeinde, wenn wir unsere Bemühungen und Sorgen einmal ruhen lassen, nur dann kann Jesus zu uns auf ganz direktem Wege reden.

Das Zauberwort heißt hier „Bevor“. Bevor wir uns einer Sache zuwenden sollten wir erst einmal auf unseren Herrn hören und ihn bitten, was er zu unserem Vorhaben zu sagen hat. Bevor wir eine Ehe eingehen, sollten wir den Herrn einmal fragen, ob dies wirklich der richtige Partner ist, den wir uns selber ausgesucht haben. Bevor wir unser Berufsleben starten sollten wir unseren Herrn fragen, ob dies der Beruf ist, den er meint dass er der richtig für uns ist. Bevor wir die Karriereleiter heraufklettern sollten wir Stufe um Stufe immer erneut unseren Herrn fragen, ob dies wirklich alles in seinem Sinne ist.

Sagt ER „JA“, dann können wir alles getrost angehen. Sagt ER „NEIN“, dann kommen wir, wenn wir uns nicht daran halten, genau dahin, wo Marta sich befand. Da es nicht richtig ist, was wir machen, kommen wir stets nur recht mühselig voran und dies auch nur unter viel Mühen und allen damit einhergehenden Sorgen.

Wenn wir uns gerade in einer Lebenssituation befinden, wo uns so gar nichts recht gelingen will und wir uns abmühen bis zum berühmten „geht nicht mehr“, dann ist jetzt der Zeitpunkt, wo wir uns zu Jesu Füßen setzen sollten und ihn erst einmal um seinen Rat fragen sollten.

3. Die Praxis

Schön und gut, hört sich ja alles ganz vernünftig an. Aber wie soll ich das in meinen Tagesablauf einbauen und was habe ich davon? Wie wäre es, wenn wir jeden Morgen mit einem Gebet beginnen, in welchem wir unseren Herrn bitten uns heute bei allem beizustehen, was auf uns zukommt? Das wäre doch mal ein Anfang. Dann könnten wir, wie Maria, zu Jesu Füßen sitzen und auf ihn hören, was er uns sagen will.

Dazu ist es natürlich erforderlich, dass wir uns auch die Zeit dazu nehmen. Nehmen wir uns doch alle mal wieder das Recht der stillen 10 Minuten heraus, in denen wir nur auf den Herrn hören, was er uns zu sagen hat. Denken wir doch einmal an die Mönche in einem Kloster. In bestimmten Abständen ruht die Arbeit zugunsten des Gebetes. Nehmen wir
doch die Zeiten in denen wir tagsüber unsere privaten Mails checken oder aber privat ins Internet gehen. Nehmen wir doch diese Zeiten für ein Gespräch mit unserem Herrn.

Und dann können wir dies alles auch in Gemeinschaft machen. In Gemeinschaftsstunden, Gottesdiensten und Andachten können wir gemeinsam auf das Wort unseres Herrn hören und ihn anbeten.

Was habe ich davon?

Provokativ sage ich ganz einfach: Alles!!!! Wer Jesus vorher fragt und das tut, was er sagt, der hat nachher alles, was er braucht. Wer so verfährt, der muss sich nicht mehr bis zu dem bereits beschriebenen „geht nicht mehr“ abrackern. Natürlich haben wir alle, die wir mit unserem Herrn leben nach wie vor Nöte, Sorgen und auch Probleme. Jedoch haben wir diese, damit wir an ihnen wachsen können.

Probleme und Nöte, die von Gott kommen, dienen immer unserer ganz persönlichen Entwicklung und haben niemals das Ziel im Visier, unser Leben zu zerstören.

Das schöne ist, dass wir einen Herrn haben, der unser Leben regiert. Wir müssen uns keine Sorgen mehr machen, wie denn alles irgendwie weitergeht. Wir dürfen all unsere Sorgen auf ihn werfen, denn er sorgt für uns.

Was gibt es schöneres, als mit dieser gewissen Leichtigkeit durch das Leben zu schreiten in der festen Gewissheit und dem festen Vertrauen darauf, das am Ende alles gut sein wird. Und das dürfen wir alle, die wir unserem Herrn Jesus nachfolgen. Heute, morgen und in alle Ewigkeit.
Das ist alles, mehr geht nicht. Worauf warten wir also noch? Übrigens:
Wir wissen das ja und praktizieren dies ja auch; sagen wir es doch auch denen weiter, die noch nicht wissen, was sie alles erwartet, wenn auch sie Jesus nachfolgen.

Der Liederdichter Ignaz Franz beschreibt in dem 9. Vers seines Liedes „Großer Gott, wir loben dich… (EG 331) sehr schön die Bitte um Jesu Führung in unserem Leben. Dieser Vers lautet, wie folgt:

Sieh dein Volk in Gnaden an.
Hilf uns, segne, Herr, dein Erbe;
leit es auf der rechten Bahn,
dass der Feind es nicht verderbe.
Führe es durch diese Zeit,
nimm es auf in Ewigkeit.

Der Herr schenke Dir jeden Tag Zeit, die Du mit Ihm verbringen darfst
Der Herr lasse Dich ganz aufmerksam auf sein Wort hören
Der Herr leite Dich mit seiner Hand stets auf Deinem gesamten Lebensweg

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber