ePredigt vom 14.12.2014 (Matthäus 11, 2-6)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 3. Advent. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Matthäusevangelium, Kapitel 11, die Verse 2-6. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Als aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger und ließ ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten ? Jesus antwortete und sprach zu Ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören. Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert

Liebe Gemeinde,

schon ein wenig seltsam die Antwort unseres Herrn, finden Sie nicht auch? Da kommen die Jünger von Johannes und stellen ihm eine eindeutige Frage. Und was erhalten sie daraufhin?
Eine Antwort, die eigentlich gar keine Antwort ist, jedenfalls in dem Sinne, wie wir eine Antwort
erwarten würden. Was bezweckt der Herr Jesus denn dann mit einer derartigen Antwort? Lassen Sie uns dieser Frage am heutigen 3. Advent nachgehen.

1. Forschet

Jesus hätte doch eigentlich sagen können: Jawohl, ich bin der, den ihr sucht. Dann wäre die Angelegenheit wohl erledigt gewesen. Beginnen wir doch einmal damit, was Jesus nicht möchte: Nämlich Vasallen und Anhänger, die ihm einfach blindlings, ausgestattet mit einem Kadavergehorsam folgen, wohin auch immer die Reise gehen mag.

Jesus möchte Jünger haben, die zuvor die Entscheidung „Ja, Herr, ich will zu Dir gehören.“ wohl bedacht haben. Das wollte Jesus damals und das will er auch heute noch. Jesus liebt die kritischen Geister, die auch einmal etwas hinterfragen und die nicht gleich alles glauben und das berühmte „Ja und Amen“ dazu sagen.

Nur nebenbei bemerkt: Die größten Bibelkritiker sind in ihrem Leben durch das intensive Studium der Bibel schon zu glühenden Verehrern des Herrn Jesus geworden.

Also sagt Jesus sinngemäß: „Forscht nach, was die Schrift über mich sagt und vergleicht damit, was ihr hört und seht. Und auf Grund dieser Tatsachen da trefft dann bitteschön eure Entscheidung.“

Vieles von dem, was Jesus zu leisten in der Lage ist, das finden wir ja schon im Alten Testament. Forschen Sie ruhig einmal wieder etwas intensiver in diesem Teil der Bibel nach den vielen kleinen
Hinweiszeichen auf das Kommen und das Wirken unseres Herrn. Beginnen Sie am besten mit dem Propheten Jesaja.

Wenn ich eine Entscheidung treffen muss, dann sammele ich zunächst Fakten zu diesem Thema. Wenn ich das ordentlich getan habe, dann kann ich eine Entscheidung treffen, die hieb- und stichfest ist. Jeder, der mich dann von dem Gegenteil überzeugen will, muss erst einmal an den ganzen Fakten und Tatsachen vorbei. Und gerade darum will Jesus Jünger haben, die ihre Entscheidung, ihm nachzufolgen wohlbesonnen treffen.

Denn in der Welt werden wir alsbald auf harsche Kritik treffen. Die Welt wird als erstes versuchen, uns unseren Glauben madig zu machen. Allerdings sind die Argumente, die sie vorbringt nur Scheinargumente.
Der Anti-Gottes-Beweis fällt, wenn man die Bibel als Gottes Wort betrachtet, sofort in sich zusammen. Egal, was die Welt uns auch weismachen will, wir können unsere einmal getroffene Entscheidung an jedem dieser Weltenargumente prüfen lassen.

2. Nicht ärgern

Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert. Das gibt unser Herr den Jüngern des Johannes mit auf den Weg. Im ersten Moment habe ich natürlich gedacht: Alles kein Problem, ich und mich über Jesus ärgern, niemals würde ich dies tun. Und dann, als ich ein wenig in die Stille ging, da kamen sie doch, diese Gedanken, die Jesus mit Ärgern gleichsetzt.

Wieso hilfst du gerade dem, der hat doch so viele Leute hinters Licht geführt. Und jetzt steht er reingewaschen vor dir da. Wieso darf der Kinderschänder zu dir kommen und die gleiche Gnade in Anspruch nehmen, wie ich. Ich bin doch schließlich ein durch und durch anständiger Sünder. Mir sind jede Menge ähnliche Gegebenheiten eingefallen, die mich ins Grübeln versetzt haben.

Und genau dies sollen wir nicht tun. Unser Herr ist autark. Er entscheidet, wem er hilft. Es ist ganz bestimmt nicht unsere Aufgabe, dem Herrn Jesus vorzuschreiben, was er tun und was er besser lassen soll. Wenn der Herr Jesus in das Haus eines Zöllners einkehrt, dieser sich daraufhin bekehrt, dann ist es meine Aufgabe, diesen Zöllner in der Gemeinde herzlich willkommen zu heißen und ihm dabei zur Seite zu stehen, wenn er anfänglich Fragen und Probleme mit dem Glauben hat.

Liebe Gemeinde, Zöllner im übertragenen Sinne sind immer wieder mitten unter uns. Wenn diese den Weg zu Jesus finden, oder besser, wenn sie den Herrn Jesus mit einem ehrlichen Herzen suchen, er sich von ihnen dann finden lässt, dann dürfen wir diese Menschen doch nicht als verlorene Sünder abstempeln. Das, liebe Gemeinde, ist bestimmt nicht einfach.

Wie kriegen wir das nur hin ? Ganz einfach, indem wir den Herrn Jesus bitten, uns dabei zu helfen. Wenn wir es nicht schaffen, dem bekehrten Sünder die Hand entgegenzustrecken, dann wird unser Herr eben unsere Hand dahin führen. Darauf dürfen wir uns felsenfest verlassen. Probieren wir es doch einfach mal wieder.

3. Friede im Herzen

Das, liebe Gemeinde, leitet sich aus dem nicht ärgern ab. Wir kennen doch sicherlich alle einen absoluten Miesepeter in unserem Umfeld. Mit dem möchte doch keiner gern etwas zu tun haben.

Überall dort, wo Groll und Ärger den Platz in unserem Herzen besetzen, überall dort kann der Herr Jesus mit seinem Frieden ja auch gar nicht bei uns einziehen. Sein Platz, den er in unserem Herzen begehrt, dieser Platz wurde von uns ja mit lauter Ärger, Zorn und Hass belegt.

Erst dann, liebe Gemeinde, wenn wir uns dazu entscheiden, uns nicht mehr zu ärgern, erst dann kann der Herr in unsere Herzen einziehen. Erst dann können wir wirklich „selig“ genannt werden. Natürlich ist es mit der Entscheidung nicht unbedingt getan. Wir müssen den Herrn Jesus inständig bitten, uns unseren Ärger aus den Herzen herauszunehmen. Das macht er sofort. Garantiert.

Allerding dürfen wir dem Ärger auch nicht gestatten, wieder bei uns einzuziehen. Das, liebe Gemeinde ist dann unsere Aufgabe. Wir können uns ganz bewusst gegen den Ärger entscheiden. Das ist eine steile Behauptung. Aber ich sage Ihnen einfach mal: Probieren Sie es aus. Wir haben in jeder Situation des Lebens die Entscheidung, ob wir uns ärgern oder nicht. Gut, ein wenig Training gehört natürlich dazu.

Ich habe mich anfangs immer wieder gefragt: Was bringt es mir, wenn ich mich jetzt ärgere? Glauben Sie mir, es bringt überhaupt nichts. Sie werden kein einziges Argument für Ärger finden. Also lassen wir es doch gleich sein, die Sache mit dem Ärger.

Und wenn wir uns nicht mehr ärgern, dann wird auch alles, was grau und dunkel um uns herum war wieder hell und licht werden. Dies beschreibt die Liederdichterin Maria Ferschl sehr schön in ihrem Lied „Wir sagen euch an den lieben Advent….“ (EG 17), dessen dritter Vers lautet, wie folgt:

Wir sagen auch an den lieben Advent.
Sehet, dir dritte Kerze brennt!
Nun tragt eurer Güte hellen Schein
weit in die dunkle Welt hinein.
Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.

Der Herr nehme allen Ärger aus Deinem Herzen und ersetze ihn durch seinen hellen Schein
Der Herr nehme allen Ärger aus Deinem Herzen und ersetze ihn durch seine göttliche Liebe
Der Herr nehme allen Ärger aus Deinem Herzen, damit Du seinen hellen Schein und seine Liebe weitergeben kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten dritten Advent und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber