Liebe Gemeinde,

die letzten Sonntage des Kirchenjahres haben ja immer ein wenig die Ewigkeit im Blick. Heute erfahren wir von einem harten Realisten, was uns denn dort erwartet. Paulus schreibt uns dies im 2. Brief an die Korinther, Kapitel 5, die Verse 1-10. Lassen Sie uns seinen Bericht zunächst gemeinsam lesen:

Sehnsucht nach der himmlischen Heimat.

Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, dass wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden, weil wir dann bekleidet und nicht nackt befunden werden. Denn solange wir in dieser Hütte sind, seufzen wir und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden wollen, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben. Der uns aber dazu bereitet hat, das ist Gott, der uns als Unterpfand den Geist gegeben hat. So sind wir denn allezeit getrost und wissen: Solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost und haben vielmehr Lust, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn. Darum setzen wir auch unsere Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, dass wir ihm wohlgefallen. Denn wir müssen all offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.

Liebe Gemeinde,

Berichte wie, der, den wir gerade gehört haben, werden ja von Kritikern gerne damit abgetan, dass es sich ja nur um Menschenworte handele. Deshalb möchte ich uns an dieser Stelle einmal daran erinnern, dass in der Bibel ja nur die Worte niedergeschrieben sind, die zwar Menschen verfasst haben, welche diese aber durch Gottes Geist erhalten haben. Insofern ist und bleibt die Bibel ganz einfach das ewige Wort Gottes.

So, uns jetzt lassen Sie uns einmal unter diesem Aspekt über die Worte des heutigen Predigttextes gemeinsam nachdenken.

1. Paulus der Realist

Wenn ich einen Bericht in der Zeitung lese, dann ist es für mich sehr wichtig, wer diesen verfasst hat. Ist es ein seriöser Journalist oder jemand, der mich nur vor seinen Karren spannen will. Ist er ein Realist oder eher ein Utopist?

Schauen wir uns daraufhin doch einmal Paulus näher an. Zu Beginn seiner klerikalen Karriere war er ein glühender Verfolger der Anhänger des neuen Glaubens. Er verfolgte Christen, wo er sie nur traf und war auch an deren Tötung beteiligt. Aufgrund seiner Ausbildung konnte ihm keiner ein „X“ für ein „U“ vormachen. Er wusste ganz genau, was richtig und was falsch ist. Paulus war also alles andere als ein religiöser Schwärmer.

Und dann auf dem Wege zur nächsten großen Christenverfolgung nach Damaskus traf er auf den auferstandenen Herrn Jesus Christus. Und dann musste er zugeben, dass die neue Lehre eben doch die richtige Lehre war. Und von diesem Paulus lernen wir jetzt etwas für unser Leben und unser Sterben. Da wir heute leben und irgendwann alle einmal sterben, dürfte das, was uns Paulus zu sagen hat sicherlich alle interessieren.

2. Der leibliche Tod

Paulus scheibt uns, dass unsere irdische Hütte, also unser Körper nach und nach abgebrochen wird. Das merken wir doch alle, die wir jenseits der 60 sind. Die kleinen Wehwehchen stellen sich so langsam ein und wir merken, dass unser Körper uns so nach und nach im Stich lässt. Da helfen auch keine Beauty-Docs mehr.

Und eines Tages verlassen wir diesen Körper. Aber wir bekommen einen neuen Körper, welcher von Gott gemacht ist. Und wir ziehen von unserem irdischen Heim in unser himmlisches Heim wo wir die Ewigkeit mit unserem Herrn verbringen dürfen.

3. Hier unten

Das ist ja alles schön und gut, aber es hilft mir doch hier unten nicht weiter. Hier quäle ich mich herum mit den ganzen Widrigkeiten des Lebens. Mich auf den Himmel zu vertrösten bringt mir doch eigentlich gar nichts.

Gut, vielleicht sterbe ich dann angstfreier, aber jetzt habe ich doch keinen Menschen an den ich mich mit meinen ganzen Nöten und Sorgen wenden kann.

Ganz falsch sagt uns Paulus. Gott hat uns nämlich als Unterpfand seinen Heiligen Geist gegeben. Und das bedeutet nichts anderes, als dass wir hier auf Erden schon den neuen Menschen überziehen können.

Das klingt ein wenig komisch, aber es bedeutet, dass wir, die wir unser Leben unserem Herrn bereits übergeben haben nicht nur auf den Himmel freuen dürfen. Nein, er schenkt uns mit seinem Heiligen Geist schon hier und heute seine Gegenwart.

Und das, liebe Gemeinde, ist nichts Abstraktes. Der Heilige Geist in der Gestalt des auferstandenen Herrn spricht einen jeden unter uns ganz persönlich an. Er will uns unser ganzes Leben auf Erden ein treuer Begleiter sein. Er will uns ein Beistand in allen Nöten, in allen Traurigkeiten aber auch in aller Freude sein.

Darum dürfen wir uns auf Eden schon „IN“ dem Heiligen Geist freuen, wie es Paulus an anderer Stelle scheibt.

Und dann ist der Tod eigentlich doch nur noch ein Umzug. Wir leben ja schon IN ihm und ziehen ganz einfach mit ihm um.

4. Das Gericht

Jetzt kommt’s aber richtig dicke. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Gottes. Dann hat der Islam also doch recht: Dann werden die guten Taten gegenüber den Sünden aufgewogen und wenn dann ein Sünde zu viel ist, dann geht’s ab in die Hölle. Na dann kann ich gleich einpacken, dann kennn ich mein Urteil nämlich schon.

Gott sei Dank ist dies aber nicht so. Wir, die wir schon mit Christus auf Erden leben kommen nicht in das Gericht, wo es um Himmel oder Hölle geht. Wir Christen gehen in das Belohnungsgericht.

Dort empfangen wir unseren Lohn dafür, was wir bei Lebzeiten getan haben, für das Gute, aber auch für das Böse. Also doch noch durch die Hintertür in die Hölle ? Nein, keine Angst, so ist dies nicht gemeint.

Paulus und die Mehrzahl der Ausleger verstehen dies so, dass natürlich auch das Böse auf den Tisch kommt, wofür wir eigentlich die Hölle verdient hätten. Aber dann steht unser Anwalt Jesus auf und bezeugt, dass er für all das schon den Preis bezahlt hat. Und somit kann uns das Böse nicht mehr in die Hölle bringen.

Wir können natürlich, und auch dies schreibt uns der Apostel Paulus, auf Erden schon so leben, dass wir IHM wohlgefallen. Das ist der Lebenswandel, den wir anstreben sollten. Nehmen wir das doch einfach mit auf unsere weitere Lebensreise. Lassen Sie uns so leben, dass wir IHM stets wohlgefallen. Natürlich klappt das nicht immer, aber vielleicht immer öfter.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den ersten Vers des Liedes „Von Gott will ich nicht lassen…“ von Ludwig Helmbold einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir,
führt mich durch alle Straßen, da ich sonst irrte sehr.
Er reicht mir seine Hand,
den Abend und den Morgen tut er mich wohl versorgen,
wo ich auch sei im Land.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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