ePredigt vom 14.10.2018 (1. Korinther 7, 29-31)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 20. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 7, die Verse 29-31. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Das sage ich aber, liebe Brüder: Die Zeit ist kurz. Fortan sollen auch die, die Frauen haben, sein, als hätten sie keine; und die weinen, als weinten sie nicht; und die sich freuen, als freuten sie sich nicht; und die kaufen, als behielten sie es nicht. Denn das Wesen dieser Welt vergeht.

Liebe Gemeinde,

als ich den Predigttext zum ersten Male gelesen habe, da kam so etwas wie Endzeitstimmung auf. Sollte uns Paulus wirklich verbieten nicht mehr zu heiraten, nicht mehr zu trauern, keine Freude mehr zu haben und auch unseren Konsum auf nahezu Null zurückzufahren?
Ich glaube, wir müssen unseren heutigen Predigttext wie eine Rechenaufgabe betrachten. Eine Klammeraufgabe, wo vor der Klammer und hinter der Klammer zwei wichtige Fakten stehen, die auf das Geschehen in der Klammer ganz andere Auswirkungen haben, als wir es beim ersten Hören vermuten würden. Schauen wir uns diese Rechenaufgabe einmal gemeinsam an:

1. Vor der Klammer: Die Zeit ist kurz

Wir kennen es wahrscheinlich alle, das Phänomen des letzten Augenblicks. Wenn es diesen nicht gäbe, dann würden vermutlich rund 80 % aller Aufgaben unerledigt bleiben. Das liegt unter anderem daran, dass wir Menschen gern dazu neigen, alles auf die lange Bank zu schieben bis es dann irgendwann allerhöchste Eisenbahn ist.

Paulus erinnert uns mit diesem Satz daran, dass wir in der Endzeit leben, also täglich damit rechnen können und dürfen, dass unser Herr wiederkommt. Dass er sich dafür fast schon 2000 Jahre Zeit gelassen hat, das spielt überhaupt keine Rolle. Keiner von uns weiß, wann dieser Moment sein wird.

Die Zeit ist kurz heißt aber auch für einen jeden von uns ganz persönlich, dass wir nur eine begrenzte Lebenszeit zur Verfügung haben um unsere Sache mit Gott in Ordnung zu bringen.
Da keiner von uns auch nur annähernd weiß, wann sein Leben hier auf Erden endet, ist es für alle, die noch nicht reinen Tisch mit Gott gemacht haben, allerhöchste Eisenbahn, dies möglichst sofort zu tun.

Wie bringe ich die Sache mit Gott denn nun in Ordnung? Nun, indem ich ihm meine Sünden bekenne und diese bereue und ihm mein Leben übergebe. Mehr ist nicht notwendig. Den Rest hat nämlich der Herr Jesus schon für uns am Kreuz getan.

2. In der Klammer

Keine Frauen: Das bedeutet natürlich nicht, dass wir nicht mehr heiraten sollen. Wir sollen nur im Angesicht der Tatsache, dass die Zeit kurz ist, die Prioritäten richtig setzen.

Nicht der Ehepartner, den wir vielleicht vergöttern soll die erste Stelle in unserem Leben einnehmen, sondern unserem Vater im Himmel allein gehört diese Ehre.

Keine Trauer: Paulus schreibt uns auch nicht vor, dass wir nicht mehr um unsere Lieben trauern dürfen. Das darf und das muss auch sein. Aber es gibt Menschen, die ganz in ihrer Trauer vergehen. Diese Menschen leben nur noch in der Trauer und sind zu nichts anderem mehr fähig.

Und hier sagt Paulus klipp und klar, dass dies nicht sein darf. Paulus fordert die Trauernden auf, den Blick nach vorne zu richten und sich bewusst zu machen, dass der geliebte Mensch ja nicht irgendwo im Nirwana verschwunden ist.

All unsere Lieben sind uns doch nur vorausgegangen. Wir werden sie alle einmal wiedersehen; nämlich genau dann, wenn auch wir den Weg in den Himmel antreten.

Keine Freude: Natürlich soll auch nach wie vor die Freude unser Leben bestimmen. Aber, so meint es Paulus, die Freude an und in unserem Herrn soll die allem anderen übergelagerte Freude sein.

Die rechte, wahre und andauernde Freude kann uns nur von unserem Herrn geschenkt werden. Darauf macht uns Paulus aufmerksam und warnt uns davor, die vollkommene Freude woanders als in unserem Herrn zu suchen.

Kein Konsum mehr: Das, liebe Gemeine, meint Paulus natürlich nicht. Hier zeigt uns Paulus auf, dass wir unsere Herzen eben nicht an die vergänglichen Dinge dieser Welt hängen sollen, sondern wir sollen unsere Herzen allein an unseren Herrn hängen.

Spätestens, wenn wir unseren irdischen Körper verlassen müssen, dann werden wir auch all das, was wir uns auf Erden gekauft haben, zurücklassen müssen. Allein die Liebe zu unserem Herrn wird uns auf diesem Wege begleiten.

Gerade in unserer Zeit, die durch ein übersteigertes Konsumverhalten nach mehr und noch mehr gekennzeichnet ist, will uns Paulus zurufen: Bleibt bescheiden, richtet eure Augen auf den Herrn.

3. Nach der Klammer: Das Wesen der Welt vergeht

Wenn wir einen Blick in die letzten Kapitel der Offenbarung werfen, dann sehen wir dort, was am Ende der Zeit mit der Welt in der wir leben, passiert.

Sie wird von Gott durch einen neuen Himmel und eine neue Erde ersetzt werden, indem vollkommen andere Maßstäbe herrschen als hier auf Erden. Wirklich paradiesische Zustände werden wir erleben dürfen.

Warum schreibt Paulus diesen Satz an das Ende des heutigen Predigttextes?
Eingangs hat er uns ja darauf hingewiesen, dass die Zeit kurz ist. Und wir haben auch ganz konkrete Hinweise erhalten, wie wir uns hier auf Erden verhalten sollen.

Wenn wir nun wissen, was uns im Himmel erwartet, dann könnten wir doch schon hier auf Erden versuchen, ein Stück weit „Himmel auf Erden“ zu schaffen.

Wenn wir Jesus befragen würden, wie wir das anstellen sollen, dann könnte er uns als Antwort das Doppelgebot der nennen. Dass wir Gott lieben, davon gehe ich mal aus. Aber lieben wir auch unseren Nächsten wie uns selbst? Ich glaube, daran könnten wir noch arbeiten, nicht an der Nächstenliebe, sondern an der Eigenliebe.

Von einer gesunden Eigenliebe geht nämlich der Weg hin zu einer unverkrampften und ehrlichen Nächstenliebe. Wenn wir dies konsequent umsetzen, dann haben wir in der Tat schon ein Stück weit den Himmel auf Erden geschaffen.

Einen Weg, wie wir es schaffen können, den Weg der Nächstenliebe zu beschreiten, den beschreibt der Liederdichter Gerhard Tersteegen in seinem Lied „Ich bete an die Macht der Liebe…“ (EG 661), dessen zweiter Vers lautet, wie folgt:

Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart;
ich geb mich hin dem freien Triebe, wodurch ich Wurm geliebet ward;
ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber

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