ePredigt vom 14.05.2015 (Lukas 24, 50-53)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Himmelfahrtstag. Heute ist Vatertag, lassen Sie uns dieses Fest ausgiebig feiern. Nein, nicht bewaffnet mit Bier und Bollerwagen sondern mit Gebet und Gesang. Denn heute denken wir dran, wie unser Vater im Himmel seinen Sohn wieder in den Himmel geholt hat. Den Predigttext für den heutigen Feiertag finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 24, die Verse 50-53. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Jesu Himmelfahrt

Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

Liebe Gemeinde,

vor einigen Jahren verbrachte ich meinen Urlaub über Himmelfahrt an der Nordsee. Ich nahm an dem Gottesdienst der dortigen Gemeinde teil. Die Kirche war, wie man bei uns so sagt proppenvoll. Nach der Begrüßung wurde genau der heutige Predigttext gelesen. Der Pfarrer legte die Bibel aus der Hand und fragte: Wer glaubt von Ihnen denn, dass sich dies genau so zugetragen hat. Eine Handvoll der Anwesenden, darunter auch meine Frau, zeigten auf. Ich ließ dies bleiben.

Alle, die aufgezeigt hatten, wurden dann nach vorne an den Altar gebeten und von dem Pfarrer gesegnet. Und dann sagte er zu uns anderen: Was wollt ihr denn eigentlich noch hier, wenn Ihr dies doch nicht glaubt? Betretenes Schweigen. Endlos scheinende 10 Sekunden später wurden wir
natürlich eingeladen, dem Gottesdienst weiterhin beizuwohnen.

Ich denke mal, alle, die jetzt der Predigt lauschen oder sie lesen, werden sagen: Natürlich glaube ich dass dieses Geschehen sich genau so zugetragen hat, wie es Lukas berichtet. Dann brauchen wir uns also mit der Himmelfahrt als solcher gar nicht mehr weiter beschäftigen. Aber unser Predigttext besteht auch noch aus einem bedeutungsvollen Randgeschehen. Lassen Sie uns dieses Randgeschehen einmal etwas näher betrachten.

1. Der Segen

Wie oft wünschen wir unseren Mitmenschen einen gesegneten Geburtstag, ein gesegnetes Neues Jahr oder ganz allgemein den Segen unseres Herrn. Segen, liebe Gemeinde, was ist das denn eigentlich? Der Segen unseres Herrn muss schon etwas ganz wichtiges sein, sonst hätte Jesus seine
Jünger nicht unmittelbar vor seiner Himmelfahrt gesegnet. Er hätte ja auch jedem die Hand geben können und sich so formvollendet von jedem einzelnen verabschieden können.

Der Segen, so eine Definition, die mir sehr gut gefällt, ist eine Handlung, durch die die gesegneten Personen Anteil an der göttlichen Gnade und der göttlichen Kraft erhalten. Wenn ich Anteil an der
göttlichen Kraft bekomme, dann heißt das doch nichts anderes, als dass der Herr fortan mit seiner Kraft in mir wirkt.

Nicht erst im Himmel bin ich also in der Gemeinschaft mit unserem Herrn, nein, dies bin ich schon hier auf Erden. Denn der Segen, mit dem der Herr die Jünger segnete, ist genau der Segen, den uns unser Herr auch heute noch immer wieder zusprechen will. Auch daran sollen wir uns am
Himmelfahrtstage erinnern.

Diesen Segen sollen wir nicht nur für uns behalten. Diesen Segen sollen wir teilen und weitergeben, indem wir ihn unseren Mitmenschen zusprechen.

2. Die Segenswirkungen

Was bewirkt den der Segen ganz konkret? Unsere Definition, die wir gerade gehört haben ist ja doch etwas sehr allgemein gehalten. Wenn wir uns unseren kurzen Predigttext ganz genau anschauen, dann können wir erkennen, dass von dem Segen 3 unmittelbare Wirkungen ausgehen.

a. Anbetung

Wer Anteil an der göttlichen Gnade und der göttlichen Kraft erhält, der kann ja gar nicht mehr anders als den anzubeten, der ihm diese Kraft verliehen hat. Und dies taten die Jünger als erstes nachdem unser Herr sie gesegnet hatte.

Man muss sich dies einmal vorstellen: Der Herr hatte sich gerade von ihnen verabschiedet, war wieder in den Himmel aufgefahren und die Jünger beteten ihn an. Ich wäre wahrscheinlich zuerst einmal recht traurig gewesen, dass der auferstandene Herr eben nicht mehr bei uns ist. Und genau dies waren die Jünger nicht. Und warum nicht ? Weil sie durch den Segen des Herrn gestärkt worden waren.

Mit dem Segen war die Tatsache ganz tief in ihr Herz gelegt worden, dass der Herr zwar wieder im Himmel ist, aber trotzdem allezeit für sie erreichbar ist. Und genau dies gilt bis zum heutigen Tage. Wir dürfen uns bis zum heutigen Tage darauf verlassen, dass der Herr stets bei uns ist.

b. Große Freude

Wenn ich Anteil habe an der göttlichen Gnade und der göttlichen Kraft dann erfüllt mich dies mit großer Freude. Warum eigentlich ? Nun, ich weiß für mein Leben, dass ich niemals mehr allein sein werde auf Erden. Egal durch welch tiefen Täler ich noch gehen muss, ich weiß ganz genau
dass der Herr bei mir ist. Er tröstet und stärkt mich und trägt mich auch, wenn ich allein nicht mehr gehen kann. Was für eine Zuversicht!

Wie oft stehe ich im Leben vor schwerwiegenden Entscheidungen. Häufig sind dies Entscheidungen, wodurch auch das Leben anderer Menschen berührt wird. Bevor ich Jesus kennengelernt habe, bin ich schier an den Entscheidungen verzweifelt. Alle Vorteil- und Nachteillisten konnten das dumpfe Gefühl nicht beruhigen, dass ich einen Fehler mache.

Wenn Jesus bei mir ist, dann frage ich ihn ganz einfach, was ich machen soll. Ich bin natürlich kein Dummbatz, der glaubt, dass Jesus mein Leben für mich lebt und ich so gesehen ganz einfach in den Tag hinein leben kann. Aber ich bin davon überzeugt, dass mir Jesus hilft, mein Engagement immer in die richtigen Bahnen zu lenken. Ich bin davon überzeugt, dass er eine Türe zuschlagen kann und eine andere dafür öffnen kann. Ganz so, wie es am besten für mich ist.

Mit Jesus an meiner Seite muss ich keine verschlossenen Türen mehr eintreten sondern kann und darf dank seiner Führung stets durch geöffnete Lebenstüren gehen. Wenn das kein Grund zu großer Freude ist.

c. Gemeinschaft

Nachdem die Jünger den Segen empfangen hatten, waren sie allezeit im Tempel und priesen Gott. Der Segen hatte also den Wunsch und das Verlangen in ihnen geweckt, mit anderen Gleichgesinnten zusammen zu sein.

Darum sind wir auch heute Morgen zusammen. Wir sitzen ja nicht zusammen, weil wir vielleicht Langeweile haben oder sonst nicht wissen, was wir machen sollten. Wir sind zusammen gekommen um miteinander Gemeinschaft zu haben. Die Predigt ist nur ein ganz kleiner Teil von unserer
Zusammenkunft. Gemeinsam wollen wir Gott anbeten und ihn preisen und ihm danken für alles, was er für uns getan hat. Diese Gemeinschaft muss auch keine physische Gemeinschaft sein. Alle, die wir jetzt die Predigt hören oder lesen, sind untereinander mit dem Christusband verbunden.

Gerade die Gemeinschaft mit Brüdern und Schwestern ist ganz wichtig für unser Christenleben. Das wusste schon unser Herr. Ein einzelnes Schaf, das sich von der Herde absondert, ist ein Willkommens Opfer für die Wölfe. Eine große Herde, die zusammenhält, wird kein Wolf erfolgreich angreifen können.

Machen wir uns bitte nichts vor, liebe Gemeinde, wir leben in einer Welt in der es vor Verführungen nur so wimmelt. Häufig sind diese Verführungen, die uns in die Falle locken wollen gar nicht als solche sofort zu erkennen. Manchmal sind wir so verblendet, dass wir Verführungen gar nicht mehr wahrnehmen. Wie gut ist es dann, wenn unsere Geschwister auf uns aufpassen und uns den rechten Weg zeigen.

Das klappt natürlich nur dann, wenn ich mich auch von meinen Geschwistern im Glauben belehren lasse. Und hier kommen wir wieder zu unserer ersten Definition. Wenn ich durch den Segen Anteil an der göttlichen Gnade und der göttlichen Kraft bekomme, dann habe ich auch die Kraft bekommen, Warnungen liebevoll als Weisungen für den rechten Weg zu erkennen und sie nicht als persönlichen Angriff auf meine Person anzusehen.

Lassen Sie uns zum Abschluss gemeinsam in den 1 und 2. Vers des Liedes „Segne und behüte uns…“ (EG 575) von Johannes Großner einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Segne und behüte uns durch Deine Güte,
Herr erhebe dein Angesicht über uns und gib uns Licht.
Schenk uns dienen Frieden alle Tag hienieden,
gib uns deinen guten Geist, der uns stets zu Christus weist.

Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Feiertag und wünsche Ihnen auch weiterhin Gottes reichen Segen auf all Ihren Wegen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber