Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Miserikordias Domini. Dieser Sonntag wird auch als Hirtensonntag bezeichnet. Und um Jesus, unseren guten Hirten, und um unsere Beziehung zu ihm, darum geht es in unserem heutigen Predigttext.
Unseren heutigen Predigttext finden wir im Johannesevangelium, Kapitel 21, die Verse 15-19. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus:
Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben ? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer !
Spricht er zum zweiten Mal zu ihm:
Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb ? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe !
Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb ? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb ?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe !

Liebe Gemeinde,

was macht eine Beziehung zu unserem Herrn aus ? Das lesen wir ausführlich in unserem heutigen Predigttext, nämlich nur eines, die Liebe.

Nun ist Liebe ein großes Wort, welches wir mit Inhalt füllen müssen, um es wirklich verstehen zu können. Hilfsweise lassen Sie uns davon ausgehen, was denn eine wahre Liebe zwischen zwei Menschen ausmacht. Ich glaube, es sind drei Punkte die kennzeichnend sind für die wahre Liebe
zwischen zwei Menschen.

1. Die Nähe

Wenn zwei Menschen sich kennen lernen, dann suchen sie fast automatisch die Nähe des jeweils anderen. Allein scheint man nur noch die Hälfte wert zu sein. Allein fühlt man sich einsam und überflüssig. Es fehlt einem einfach irgendetwas.

Genau dies zeichnet auch die Jesusliebe aus. Menschen, die den Weg zu Jesus gefunden haben, suchen im allgemeinen immer seine Nähe. Wo zwei oder drei in seinem Namen zusammen sind, da ist ER mitten unter ihnen. Und so liegt es nahe, dass man als Jesusjünger die Nähe der Gleichgesinnten sucht.

Als junger Christ kann man viel von der Gemeinschaft über Jesus lernen und als schon etwas älterer Christ kann man viel von dem, was man über Jesus erfahren hat und mit ihm persönlich erlebt hat, an die anderen Brüder und Schwestern weitergeben.

Gerade die Gruppe Gleichgesinnter hilft einem jungen Christen die ersten Schritte zu gehen. Wenn er fällt, dann wird er wieder aufgefangen. Wenn er in die falsche Richtung geht, dann holt man ihn wieder zurück in die Gemeinschaft. Und wenn der junge Christ an sich und der Welt verzweifelt, dann steht ihm die Gemeinschaft mit Rat und Tat und Trost zur Seite.

2. Das Gespräch

Das Gespräch ist ein wichtiger Baustein einer jeden Beziehung. Können Sie sich ein Liebespaar vorstellen, welches gänzlich auf ein Gespräch verzichtet ? Das mag ein paar Tage gut gehen, aber dann dürfte sich die Beziehung ganz schnell in Luft auflösen.

Und genau so ist es auch mit der Beziehung zu unserem Herrn. Wenn ich ihn gefunden habe, bzw. wenn er sich hat von mir finden lassen, dann ist es doch ganz normal, dass ich auch mit ihm rede.

Er will doch nur das Beste für mich und mein weiteres Leben. Wie kann ich dies anders herausfinden als im Gebet, also im Gespräch mit unserem Herrn. Nun müssen wir uns vergegenwärtigen, dass es drei Formen des Gebetes gibt.

a. Das sprechende Gebet
b. Das hörende Gebet
c. Das seiende Gebet

Das sprechende Gebet kennen wir alle sicherlich am besten. Hier tragen wir all unsere Nöte, Sorgen und Probleme, aber auch unsere Bitten und Fürbitten vor den Herrn. Das ist quasi unser aktiver Teil. Wir tun dies in der festen Gewissheit, dass der Herr all unsere Gebete erhört und auch entsprechend beantwortet. Nicht so, wie wir es wollen aber so, wie es am besten für uns und unsere Mitmenschen ist.

Das hörende Gebet ist schon etwas schwieriger. Wenn wir ein Gebet sprechen, dann erwarten wir ja auch eine Antwort. So ist es ja schließlich auch in einer menschlichen Beziehung. Eine Antwort
wahrzunehmen setzt natürlich voraus, dass wir auch zuhören. Zuhören geht allerdings nur, wenn wir ruhig sind und schweigen.

Nur in der Stille und Ruhe können wir auch Gottes Antwort vernehmen. Ein lieber Bruder von mir nimmt sich täglich 3×5 Minuten Zeit, in welchen er sich komplett von der Umwelt abschottet und nur auf „hören“ schaltet. Er macht sehr gute Erfahrungen damit.

Das seiende Gebet ist eigentlich ein Liebesgebet. Gott liebt uns so, wie wir sind und nicht wie wir sein sollten. Darum können wir mit ihm zusammen auch eine gemeinsame Zeit verbringen, so wie wir sind, mit all unseren Fehlern und Macken. Wir werden fühlen und erleben, dass er uns tatsächlich so liebt, wie wir gerade sind. Er mag uns also auch ohne alle möglichen religiösen Klimmzüge.

3. Das Vertrauen

Die Nähe, das Gespräch, diese beiden Punkte sind ganz wichtig, wenn eine Liebesbeziehung funktionieren soll. Können Sie sich vorstellen, dass Nähe und Gespräch ohne Vertrauen in einer gut funktionierenden Beziehung möglich sind ? Wohl eher nicht.

Also ohne Vertrauen nutzt das schönste Gespräch nichts und ohne Vertrauen macht auch die Nähe keinen Sinn, da man immer wieder deren Echtheit hinterfragen würde.

Genau so ist es in einer Beziehung zu unserem Herrn. Über allem, also über der Nähe und dem Gespräch steht das absolute Vertrauen. Zunächst einmal das Vertrauen, mit dem uns unser Herr begegnet. Nicht wir sollen ihm blindlings vertrauen, nein er vertraut sich uns an. Von ihm können
wir lernen, was echtes Vertrauen bedeutet. Im echten Vertrauen zu uns ist er stellvertretend für uns durch den Tod hindurchgegangen und hat für all unsere Sünden bezahlt.

Wenn wir dies erkannt und gespürt haben, dann können wir dieses Vertrauen auch unserem Herrn gegenüber aufbringen. Und dann wird eines passieren, nämlich, dass wir einander immer mehr zusamenwachsen.

Und dies, liebe Gemeinde, dies sollen wir auch all unseren Geschwistern mitteilen, denn diese hat unser Herr genau so lieb, wie uns und auch diesen möchte er die drei Fragen stellen, die er Petrus vor über 2000 Jahren gestellt hat.

Also lassen Sie uns vertrauensvoll, getragen von unserem Herrn unseren Weg gemeinsam mit ihm zusammen gehen. Geben wir ihm alles ab was uns traurig macht, was uns bedrückt und was uns sonst noch alles auf der Seele liegt. Bei ihm ist es gut aufgehoben. Und lassen Sie uns dann
zusammen mit ihm einen fröhlichen Christenweg gehen.

Einen solchen Weg beschreibt der Liederdichter Cornelius Friedrich Adolf Krummacher sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Stern, auf den ich schaue…, der da lautet, wie folgt:

Stern, auf den ich schaue, Fels, auf dem ich steh,
Führer, dem ich traue, Stab, an dem ich geh,
Brot, von dem ich lebe, Quell, an dem ich ruh,
Ziel, das ich erstrebe, alles, Herr, bist du.

Der Herr lasse Dich immer wieder SEINE Nähe spüren
Der Herr gebe Dir die Ruhe, SEINE Antwort auf Deine Gebete erhören
Der Herr gebe Dir die Kraft, SEINE frohe Botschaft weiter zu sagen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche in der steten Gewissheit, dass der Herr nur ein Gebet weit von uns allen entfernt ist.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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