ePredigt vom 14.02.2016 (Hebräer 4; 14-16)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 1. Sonntag in der Passionszeit, dem Sonntag Invokavit. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 4. Kapitel des Hebräerbriefes, die Verse 14-16. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Weil wir denn einen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an diesem Bekenntnis. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.

Liebe Gemeinde,

wenn ich einen Defekt an meinem Auto habe, dann fahre ich damit in die Werkstatt und nicht zum Bäcker. Geht meine Waschmaschine kaputt, dann frage ich auch nicht den Metzger um Rat. Aber wenn Menschen eine persönliche Lebenskrise erleiden, dann gehen sie überall hin, um Hilfe zu suchen, z.B. zum Wahrsager, vertrauen auf Horoskope, was ihre Zukunft anbelangt und machen sich so manchen anderen Zauber zu Eigen.

Und dabei brauche ich doch gerade in meinen ganz persönlichen Lebenskrisen jemanden, der mich voll und ganz versteht. Das Schöne daran ist, dass wir nicht lange nach so jemandem suchen müssen. In Jesus Christus haben wir diesen jemand, der sich all unserer Nöte, Sorgen und Ängste annimmt.

Wie er dies macht, damit beschäftigt sich auch unser heutiger Predigttext. Lassen Sie uns Jesu Wirken in unseren ganz persönlichen Krisen einmal etwas näher betrachten.

1. Der mitleidende Jesus

Jesus hat alles, was wir erleiden, auch schon einmal durchlitten. In der Wüste, wo er vom Teufel versucht worden ist, hat er sicherlich mehr gelitten, als wir uns das jemals vorstellen können. Bei seinem Tod am Kreuz hat er wortwörtlich höllische Qualen durchlitten, damit wir eben nicht mehr in der Hölle landen.

Und gerade jemand, der selber gelitten hat, der weiß genau wie ich mich in meinem Leid fühle. Von dem geht kein Wort aus, wie „Kopf hoch, wird schon wieder“. Nein, von einem der im Leid erfahren ist, von dem erfahren auch wir wahres Mitleiden. Wenn Jesus mit uns mitleidet, dann erfahren wir an uns selber, dass jenes bekannte Sprichwort „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ bei dem Mitleiden von Jesus voll und ganz auf uns zutrifft.

Gerade in den dunkelsten Stunden unseres Lebens erfahren wir es meist, dass jemand bei uns ist, der stumm mit uns mitleidet. Augenblicklich lässt sich dann jedes Leid mit Jesus an unserer Seite viel besser ertragen.

Darum sollten wir auch mit allem, was uns bedrückt und Sorge bereitet zu allererst zu unsere Herrn gehen. Er weiß stets den besten Rat.

2. Der durchtragende Jesus

Im Leiden werden die Zweifel geboren. Dies ist eine alte Binsenweisheit, die aber immer noch stimmt.

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jesaja 43,1). Ich würd ja so gern darauf vertrauen. Aber jetzt, jetzt in meinem großen Leid spüre und fühle ich ihn nicht.

Das, liebe Gemeinde, ist bestimmt ganz vielen unter uns schon einmal so ergangen. Gerade in diesen Situationen wendet sich Gott eben nicht von uns ab, wie wir es vielleicht meinen. Wenn wir anklagend schreien vor Schmerz, dann ist er genau einen Schritt neben uns. Wenn wir irre zu werden drohen an seiner Verheißung, dann ist er ganz nah bei uns und umgibt uns von allen Seiten.

Und wenn wir gar nicht mehr können, dann trägt uns unser Herr. Darauf dürfen wir uns voll und ganz verlassen.

3. Neue Horizonte

Liebe Gemeinde, im Leiden werden uns auch manchmal neue Horizonte und neue Lebenswege aufgezeigt, die wir so viellleicht gar nicht erkannt hätten. Gott möchte uns vielleicht etwas aufzeigen, was vollkommen neu und viel besser ist, als alles, was wir bisher erlebt haben.

Jesus hat durch seinen Kreuzestod den Weg zu Gott für uns alle wieder frei gemacht. Daher können wir jetzt vollkommen zuversichtlich vor unserem Herrn treten, wenn wir seine Hilfe benötigen. Übrigens: Wir können dies ganz ohne Termin tun. 24 Stunden am Tag, 7 Tag die Woche.

Wenn wir also im Leiden feststecken, dann dürfen wir gerade in diesem Leiden darauf vertrauen, dass Gott uns seine Hilfe gewähren wird. Nicht so, wie wir es uns vielleicht vorstellen. Aber seine Hilfe wird dergestalt sein, dass es die beste Hilfe ist, die uns im Leiden widerfahren kann.

Darum lassen Sie uns festhalten an diesem Jesus und lassen Sie uns festhalten an dem festen Bekenntnis zu ihm. Lassen Sie uns festhalten an dem, der selbst den Tod überwunden hat. Denn nur dieser eine ist unsere einzig wahre große Hilfe in allen unseren Lebenssituationen.

Lasen wir also nicht ab, von dem, der der auch von uns nicht lässt. Dies beschreibt auch der Liederdichter Ludwig Helmbold schon sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes: „Von Gott will ich nicht lassen…“ (EG 365), welcher sehr schön lautet, wie folgt:

Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir
führt mich durch alle Straßen, da ich sonst irrte sehr.
Er reicht mir seine Hand,
den Abend und den Morgen
tut er mich wohl versorgen,
wo ich auch sei im Land.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber