Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 17. Sonntag nach Trinitatis. Unseren heutigen Predigttext finden wir im Epheserbrief, Kapitel 4, die Verse 1-6. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen

So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene des Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens:
Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.

Liebe Gemeinde,

Wie soll unser Leben als Christ aussehen. Es gibt sehr, sehr viele unterschiedliche Ansatzpunkte. Viele davon beginnen mit immer wieder mit dem negativen Satz „Ein Christ macht dies nicht, ein Christ darf jenes nicht….“ Ich glaube kaum, dass Gott an einem Christen Spaß und Freude hat, der mit einem 1000seitigen Regelwerk durch das Leben geht und versucht, im Himmels willen ja keinen Fehler zu machen.

Aber so ganz ohne Regeln geht es dann doch auch nicht. Und genau hier greift unser heutiger Predigttext ein und nennt uns christliche Rahmenbedingungen unter denen wir ein freies, glückliches und doch vor Gott gerechtes Leben führen können. Lassen Sie uns heute Morgen ein wenig miteinander über diese Rahmenbedingungen nachdenken.

1. Das Zentrum

Heute müssen wir mit dem Ende unseres Predigttextes beginnen, der uns, wenn wir es mathematisch ausdrücken wollen, eine Rahmenbedingung vorgibt, die vor der Klammer steht. Also alles, was in der Klammer steht, die nächsten beiden Rahmenbedingungen also, müssen sich immer an dieser ersten Rahmenbedingung ausrichten bzw. messen lassen.

Die erste Rahmenbedingung lautet: „Gott ist das Zentrum“. Das ist natürlich für uns alle nichts Neues. Aber wir sollten uns alle ab und wann an die eigene Nase fassen und uns fragen, ob dies bei jeder
Entscheidung und bei allem, was wir im Leben tun auch wirklich der Fall ist.

Wie schnell lassen wir uns doch manchmal von den sogenannten „Sachzwängen“ oder dem „Zeitgeist“ zu etwas verleiten, was wir, wenn wir vorher Gott befragt hätten, so nicht getan hätten.

Gott ist immer und überall zugegen. Dessen sollten wir uns immer gewiss sein. Aber nicht der richtende Gott, der strenge Übervater, der nur darauf wartet, dass wir dann doch wieder mal einen Fehler machen, sondern der liebende Gott, der stets darauf wartet, dass wir ihn um seinen Rat bitten und ihn in unserem Leben die erste Stelle einräumen.

Denn eines ist ganz gewiss: Nur durch ihn und mit ihm und von ihm erhalten wir die Ausstattung dafür, dass wir unsere Berufung würdig leben.

2. Berufung würdig leben

Jeder Mensch hat von Gott eine bestimmte Begabung mit auf die Welt bekommen, mit welchem er helfen kann, Gottes Reich aufzubauen. Wir können unsere Begabungen in der Welt einsetzen oder aber für den Aufbau des Reiches Gottes.

Natürlich möchte unser Herr, dass wir unsere Talente auch z.B. im Bereich unseres Berufes auch in der Welt einsetzen und damit verantwortungsvoll umgehen. Aber wir sollen auch einen Teil unserer
Talente bzw. Berufungen Gott widmen.

Werden wir doch einmal ganz konkret. Nehmen wir an, wir haben die Berufung erhalten, eine Jugendgruppe zu leiten. Dieser Berufung sollen wir nun würdig nachkommen. In unserem Predigttext finden wir auch ganz konkrete Anhaltspunkte wie das denn gehen soll, nämlich mit Demut,
Sanftmut und Geduld.

Demut ist bekanntermaßen das Gegenteil von Hochmut. Demut ist eine innere Grundeinstellung des Menschen, die ihn dazu befähigt die wahre Selbsteinschätzung vor Gott wahrnehmen zu können. Und die wahre Selbsteinschätzung vor Gott beginnt z.B. damit, dass wir anerkennen, dass wir genau so große Sünder vor Gott sind, wie die Mitglieder der uns anvertrauten Jugendgruppe.

Wir sind also nicht die Superchristen, die den kleinen Rotzlöffeln da unten mal so richtig zeigen wo es lang geht. Das, liebe Gemeinde wäre Hochmut.

Dann sollen wir unsere Berufung sanftmütig ausüben. Sanftmut hat nichts mit Weichheit und klein beigeben zu tun. Wenn wir Sanftmut richtig übersetzen, dann ist das eine innere Geisteshaltung, die das als gut annimmt, wie Gott an uns handelt. Wir sollen Gottes Handeln an uns also ohne Einwände und Widerstände annehmen. Ich finde, eine ganz schöne Herausforderung.

Wenn Gott nun unsere Jugendgruppe anders leitet, als wir uns dies vorgestellt haben, dann sollen wir eben nicht auf Biegen und Brechen unsere Vorstellungen von Jugendarbeit durchsetzen, sondern dem folgen, was Gotte Wille ist.

Dann haben wir noch die Geduld. Geduld verwechseln wir allzu oft mit Warterei. Dies ist hier nicht gemeint. Die Elberfelder Übersetzung benutzt eine andere Wortwahl, indem sie von Langmut spricht.

Langmut ist die innere Einstellung eines Menschen der die Macht hätte, z.B. jemanden zu maßregeln, aber auf diese Macht willentlich verzichtet in dem Vertrauen darauf, dass Gott schon eingreifen wird, oder der zu Maßregelnde seinen Fehltritt von sich aus erkennt und bereut.

In Jugendgruppen läuft gewiss nicht immer alles rund. Häufig geht es im wahrsten Sinne über Tische und Bänke. Nicht nur körperlich sondern auch geistig und geistlich. Natürlich kann man sofort eingreifen und die Dinge wieder gerade rücken. Viel effektiver wäre es doch, wenn die Jugendlichen den Fehler selber eingestehen, ihn erkennen und auch bereuen. Natürlich gibt es Situationen, in denen wir in einem derartigen Falle direkt eingreifen müssen, um z.B. Schaden von den uns anvertrauten Menschen abzuwenden. Aber Langmut sollte stets unsere erstes Ziel sein
und nicht die primäre Alternative.

3. In Liebe ertragen

Dies ist nun die dritte Rahmenbedingung für ein christliches Leben.
Einander in Liebe ertragen hat rein gar nichts damit zu tun, dem anderen stets nach dem Munde zu reden, ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen und niemals mit dem anderen zu streiten. Das wäre sicherlich eine falsch verstandene Form der Liebe, das wäre nämlich Hörigkeit.

Einander in Liebe ertragen bedeutet auch dass ich für den anderen Menschen eine gewisse Verantwortung übernehme. Jeder, der in einer Partnerschaft lebt und seinen Partner von Herzen liebt wird natürlich nichts tun, um dem anderen Schaden zuzufügen. Ist der Partner aber gerade dabei, sich selber zu schaden, dann darf der andere Partner dies nicht übersehen. Dann ist er zum Einschreiten gezwungen.

So auch mit unseren Brüdern und Schwestern in Christus.

Wir sollen natürlich auch nicht immer wieder an unseren Mitmenschen herumnörgeln und alles versuchen an ihnen zu ändern. Damit würden wir auf der anderen Seite vom Pferd fallen. Ich glaube, einander in Liebe zu ertragen heißt, dass wir uns vom Zentrum her, also von Gott mit der Kraft beschenken lassen, die wir benötigen, um den anderen mit all seinen Marotten zu ertragen.

Einander in Liebe zu ertragen heißt aber auch, dass wir uns vom Zentrum sagen lassen, was wir wann und wo im Hinblick auf unsere Fürsorgepflicht gerade für unseren Mitmenschen tun sollen. Einander in Liebe zu ertragen hat somit eine aktive und eine passive Seite. Was wir gerade tun sollen, liebe Gemeinde, das wird uns unser Herr schon zum rechten Zeitpunkt aufzeigen.

Der Liederdichter Christian Keimann beschreibt in dem ersten Vers seines Liedes „Meinen Jesus lass ich nicht…“ (EG 402) sehr schön eine Liebeshaltung zu unserem Herrn, die wir uns alle zu eigen machen können.
Dieser Vers lautet, wie folgt:

Meinen Jesus lass ich nicht,
weil er sich für mich gegeben,
so erfordert meine Pflicht,
unverrückt für ihn zu leben.
Er ist meines Lebens Licht;
meinen Jesus lass ich nicht.

Der Herr gebe dir die Einsicht, Deine Berufung zu erkennen
Der Herr schenke Dir Demut, Sanftmut und Geduld für die Ausübung Deiner Berufung
Der Herr gebe Dir die Kraft, alle Deine Mitmenschen stets in Liebe zu ertragen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen schönen Start in die neue Herbstwoche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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