ePredigt vom 12.06.2016 (1. Timotheus 1, 12-17)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 3. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Timotheusbrief, Kapitel 1, die Verse 12-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Lobpreis der göttlichen Barmherzigkeit

Ich danke unserem Herrn Jesus Christus, der mich stark gemacht hat und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt, mich, der früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben. Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. Das ist gewisslich war und ein Wort, des Glaubens wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus Jesus an mir als erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben. Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.

Liebe Gemeinde,

ein zentrales Thema unseres heutigen Predigttextes ist das der göttlichen Barmherzigkeit. Was verstehen wir eigentlich unter der göttlichen Barmherzigkeit? Ich glaube, was wir als göttliche Barmherzigkeit bezeichnen, besteht aus drei Elementen, welche wir uns heute Morgen einmal näher anschauen wollen. Göttliche Barmherzigkeit können wir auch als ein dreifaches Geschenk betrachten, welches aus folgenden Gaben Gottes besteht:

1. Die Gnade

Wenn wir das bekommen würden, was wir eigentlich verdient hätten, dann würde wohl kaum einer von uns in den Himmel kommen. Wir würden uns allesamt nach unserem Tode direkt in der Hölle wiedersehen. Das wäre auch keine göttliche Strafe. Nein, es wäre göttliche Gerechtigkeit, die dem Sünder das gibt, was er verdient hat.

Gnade hingegen ist genau das Gegenteil der Gerechtigkeit. Gnade ist ein Teil der göttlichen Barmherzigkeit. Wir bekommen von Gott die Möglichkeit geschenkt, der Hölle und der ewigen Qual zu entfliehen. Aber nicht nur das; Gott schenkt uns in seiner göttlichen Barmherzigkeit die Möglichkeit, für immer und ewig mit ihm zusammen leben zu dürfen.

Gott schenkt uns, wenn wir es so wollen, ein ganz neues Leben. Nehmen wir einmal an, jemand hat ihr Auto gestohlen. Als er erwischt worden ist, ist das Auto ramponiert und auch keinen Pfifferling mehr wert. Der Dieb gesteht Ihnen gegenüber seine Reue ein und entschuldigt sich auch für das Ungemach, welches er Ihnen bereitet hat. Und was machen Sie ? Sie schenken dem Dieb gleich ein neues Auto. Ich glaube, das würde wohl keiner von uns tun. Wir sind ja nicht vollkommen verrückt.

Aber wie verrückt muss Gott wohl sein, wenn er dies genau so macht? Unser altes, reichlich ramponiertes Leben tauscht er gegen eine neues Leben ein. Wir müssen es nur bereuen, dieses alte sündenreiche Leben. Ist Gott total verrückt? Ja, das ist er, verrückt nach Liebe und Sehnsucht zu seinen Geschöpfen, die er wieder zu seinen Kindern machen will. Und so kann er gar nicht anders, als gegenüber dem reuigen Sünder Gnade walten zu lassen.

2. Der Glaube

Liebe Gemeinde, der Glaube ist nicht etwas, was wir uns selber ausgedacht haben oder etwas, was wir irgendwann einmal verstandesmäßig begriffen haben. Der Glaube ist ein Geschenk Gottes an uns, welches uns ermöglicht, Die Erlösungstat des Herrn Jesus und als wahr zu erkennen und diese dann auch im Glauben anzunehmen.

Von Geburt an sind unsere Augen gegenüber dem Glauben nämlich total blind. Ein Blinder kann sich noch so sehr anstrengen, er wird nicht von sich aus sehen können. Ein Blinder kann noch so viele Hörbücher über das Sehen gehört haben, aber er wird dadurch nicht sehend.

Das Wunder des Glaubens ist ähnlich gelagert. Alle unsere Anstrengungen und hochintellektuellen Bemühungen führen niemals dazu, dass wir zum Glauben finden. Dazu bedarf es wieder der göttlichen Barmherzigkeit.

Wenn wir ehrlich auf der Suche nach Gott sind, dann öffnet uns Gott irgendwann unsere inneren Augen des Glaubens. Dann können unsere inneren Augen sehen, was wir vielleicht schon lange irgendwie vermutet haben.

Das ist auch die Krux gegenüber noch Ungläubigen. Wem die inneren Augen noch nicht aufgetan worden sind, der wird all unsere Glaubensgewissheit schnell als religiöse Spinnerei abtun. Allerdings sollten wir bitte immer daran denken, dass auch wir vor der Öffnung unserer inneren Augen alle ein wenig so gedacht haben. Wie der Herr unsere inneren Augen aufgetan hat, sollen wir unsere Mitmenschen ermutigen, den Herrn ebenfalls darum zu bitten, doch auch ihre Augen des Glaubens zu öffnen.

3. Die Liebe

Echte wahrhaftige von Gott her stammende Liebe konnten wir alle am Beispiel der Mutter Teresa bewundern. Mit welcher Hingabe sie geradezu nimmermüde ihren Dienst versehen hat, das war schon bewundernswert.

Doch bei aller Bewunderung dürfen wir eines niemals vergessen: Die Kraft dieser göttlichen Liebe stammte nicht von ihr, sondern von Gott. Uns ist Gnade widerfahren und unsere inneren Augen dürfen den Herrn begreifen. Wenn wir den Herrn erkennen können, dann erkennen wir auch seine göttliche Liebe, die er in sich trägt und die er auf uns überträgt. Genau mit dieser göttlichen Liebe mit der ER uns liebt, sollen wir auch unsere Mitmenschen lieben.

Diese göttliche Liebe ist wie eine Fackel, die uns an die Hand gegeben wird, um das Dunkel der Welt ein wenig heller zu machen. Und wie geht das am besten? Indem wir das Licht dieser Fackel auf andere übertragen. Aber nicht mit der berühmten Brechstange, sondern mit der Liebe, die uns unser Herr in unsere Herzen gelegt hat.

Liebe Gemeinde, wir werden es immer wieder erleben, dass man uns ablehnt oder spöttisch über uns lächelt. Gerade in diesen Momenten dürfen wir aber auf die Liebe zurückgreifen, die uns unser Herr in unsere Herzen gesandt hat. Wenn wir in solchen Momenten mit Liebe reagieren, dann hören Spott und Häme sehr schnell auf.

Wir leben natürlich weiterhin in der Welt. Mannigfache Schwierigkeiten werden uns auch wie vor begegnen. Aber die göttliche Liebe hilft uns fortan, besser damit umzugehen. Wo früher Neid, Missgunst und auch Rache unser Leben bestimmten, können wir jetzt mit der Liebe reagieren.

Wenn wir einmal nicht sofort, wenn auch nur verbal gesehen, zurückschlagen, sondern mit Liebe das ertragen, was man uns an den Kopf wirft, dann wird unser Gegenüber gar nicht mehr anders können als die Auseinandersetzung zu beenden. Zu einem Streit gehören immer zwei. Wo einer nicht streiten möchte gibt es keinen Streit.

Und jetzt werden Sie mich bestimmt fragen: Klappt das denn auch ? Nein, das klappt so nicht. Jedenfalls nicht von jetzt auf gleich und immer und überall. Als Christen sind wir Jünger unseres Herrn die bei ihm in die Schule gehen. Und in seiner Schule lernen wir alles über die Barmherzigkeit, den Glauben und die Nächstenliebe.

So wie wir alle in der Schule nicht immer alles gleich richtig gemacht haben, so werden uns in der Jüngerschule natürlich auch Fehler unterlaufen. Wenn das passiert, dann steht der Herr an unserer Seite und tröstet uns und zeigt uns immer sogleich auch den noch etwas besseren Weg. Und im Laufe der Zeit werden wir ganz langsam im Glauben und in der Liebe wachsen. Also nicht den Mut verlieren, wenn das mal nicht so richtig hinhaut mit der Nächstenliebe. Hauptsache wir bleiben dran.

Und zu diesem Dranbleiben verleiht uns unser Herr jeden Tag aufs Neue die Kraft, die wir dazu benötigen.

Um seine Gnade dazu dürfen wir immer wieder bitten mit dem 1+5 Vers des von dem Liederdichter Josua Stegmann stammenden Liedes „Ach bleib mit deiner Gnade…“ (EG 347), die da lauten, wie folgt:

Ab bleib mit deiner Gnade bei uns Herr Jesu Christ,
dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.
Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held,
dass uns der Feind nicht trutze noch fäll die böse Welt.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen wunderschönen Sonntag und am morgigen Tage einen guten Start in die neue Woche.

Bleiben Sie alle wohlbehütet
Ihr

Ulrich Naber