Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 19. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 5. Kapitel des Jakobusbriefes, die Verse 13-16. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Das Gebet für die Kranken

Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden. Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.

Liebe Gemeinde,

heute geht es also um das Gebet. Beten kennen wir alle, tun wir auch mehr oder weniger ziemlich regelmäßig und das wär’s dann auch schon für heute. Vielleicht lohnt es sich ja gerade deswegen über das Gebet nachzudenken, weil wir es jeden Tag tun und sich bei uns allen ein ganz bestimmter Automatismus auch in diesem Bereich breit gemacht haben könnte. Mir fielen drei Punkte ein, über die ich heute Morgen gern mit uns allen gemeinsam nachdenken möchte:

1. Was ist Beten?

Beten ist nichts anderes als ein Gespräch mit Gott.

Jetzt stellen wir uns einmal vor, Sie versuchen Ihren besten Freund anzurufen. Trotz digitalen Zeitalters kommt es aber ständig zu einem Knacken in der Leitung, ganze Wörter und Satzteile werden einfach nicht mehr übertragen. Kommt so ein fruchtbares Gespräch mit Ihrem Freund zustande? Wohl eher nicht.

Jetzt übertragen wir das Ganze mal auf ein Gespräch mit Gott. Wenn es in der Leitung knirscht und kracht, dann kommt auch hier kein ordentliches Gespräch mit Gott zustande. Das Schlimme an der Geschichte ist nur, dass wir für diese Leitungsstörungen ganz alleine verantwortlich sind.

Jede auch noch so kleine Sünde sorgt für ein Knirschen in der Leitung.
Solange also die Sünde die Leitung unbrauchbar macht, sind all unsere Versuche zu Gott zu reden wohl eher zum Scheitern verurteilt. Das Gute aber ist, dass ich diesen Zustand abändern kann, indem ich all das bereue, was ich getan habe und mich darauf beziehen darf, dass der Herr Jesus für all meine Sünden gestorben ist.

In diesem Moment, wo ich dies tue, habe ich wieder eine klare Verbindung zu meinem Schöpfer, das Krachen in der Leitung existiert nicht mehr. So, und wenn Beten ein Gespräch mit Gott ist, dann ist es auch keine Einbahnstraße.

Nehmen wir einmal an, Sie reden den ganzen Abend auf Ihre Frau ein und bedanken sich am Ende des Abends für das aufschlussreiche Gespräch. Ich muss kein Prophet sein um Ihnen zu sagen, dass eine derartig praktizierte Ehe nicht lange halten wird.

Gott sei Dank ist Gott da wesentlich toleranter. Aber wir sollen auch auf das hören, was ER uns sagen möchte. Er möchte auch mal zu Wort kommen in unserem Gespräch mit ihm. Natürlich nimmt er alle Gebetsanliegen ernst. Aber das nutzt doch nur etwas, wenn auch wir nach unserem Gebet auf Empfang schalten. Nur dann können wir auch hören, was ER uns sagen möchte. Dazu bedarf es etwas, was wir kaum noch kennen; nämlich der Stille.

In unserer hektischen Welt sind wir immer so stark eingespannt und mit etwas beschäftigt, dass wir die Stille schon gar nicht mehr kennen.
Deshalb ist es dringend erforderlich, dass wir die Stille wieder suchen.
Tolle Idee, aber wie macht man das? Einfach mal ganz bewusst auf alles Multimediale verzichten. Radio aus, Handy aus, TV aus und dann einfach mal 10 Minuten auf dem Sofa sitzen und mit Gott reden. Und dann nochmal 10 Minuten in der Stille auf das hören, was Gott uns sagen möchte. Ich denke, das müssten wir doch irgendwie hinbekommen.

2. Arten des Gebetes

Natürlich kennen wir alle das Leidensgebet. Das Gebet, mit welchem wir uns an Gott wenden, wenn es uns mal gerade nicht so gut geht. Natürlich hört Gott diese Gebete, aber wir sollen unser Gebetsleben eben nicht auf diese eine Gebetsform beschränken. Es ist gut und richtig, dass wir für unsere Anliegen beten und vor Gott treten. Aber wir können noch mehr tun.

Da wäre dann noch der Lobpreis. Danken wir Gott eigentlich noch regelmäßig, wenn er es uns so richtig gut gehen lässt oder vergessen wir dies ganz einfach, wen wir unser Leben so richtig in vollen Zügen genießen dürfen ?

Leider ist es doch so, dass wir den Lobpreis sehr schnell vergessen.
Gott möchte aber der Hauptbestandteil unseres ganzen Lebens sein. Er will nicht nur die Sorgenmülltonne sein, er möchte sich auch von Herzen mit uns freuen, wenn wir das Leben so richtig genießen. Er möchte uns näher sein, als irgend ein anderer Mench auf dieser Welt, in guten, wie in schlechten Zeiten.

Und als drittes haben wir noch das Fürbittengebet. Paul Deitenbeck, ein evangelistischer Pfarrer aus meiner Heimat, nannte es einmal das Königsgebet. Mit dem Fürbittengebet können wir über den Thron Gottes hinweg direkt in das Leben eines anderen Menschen einwirken. Dies sollten wir oft und reichlich machen, da kennt Gott keine Beschränkungen. Ich mache dies jeden Morgen und jeden Abend für eine mittlerweile schon recht stattliche Zahl von Menschen. Es ist echt spannend zu beobachten, wie Gott in das Leben dieser Menschen eingreift.

Von einer Sache müssen wir uns aber auch gleich verabschieden, nämlich dem Irrglauben, das wir alles, aber auch wirklich alles per Gebet regeln können. Das steht auch schon so in unserem Predigttext. Des Gerechten Gebet vermag viel, aber eben nicht alles.

Wir dürfen und sollen all unsere Anliegen, unsere eigenen und die aller Menschen vor den Thron Gottes bringen. Wie er was und wann entscheidet dies ist allein seine Angelegenheit. Und in die lässt er sich auch nicht von uns hineinreden, um es ein wenig salopp auszudrücken. Wir können es auch positiv ausdrücken: Wir haben die Angelegenheit vor Gott gebracht, wir müssen uns nicht mehr selber darum kümmern und Gott macht keine Fehler.

3. Das nicht erhörte Gebet

Gibt es eigentlich Gebete, die Gott nicht erhört. Drehen wir doch einfach mal den Letzten Satz unseres Predigttextes in sein Gegenteil um:
„Des Ungerechten Gebet vermag wenig, wenn es unehrlich ist.“

Nehmen wir anstelle des Wortes ungerecht ruhig das Wort halbherzig. Wenn wir mir einem halbherzigen Anliegen vor Gott treten und zu ihm beten als eine Option unter vielen, die wir natürlich nicht verpassen wollen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn Gott dies nicht erhört.

Auch unehrliche Frömmelei um der Frömmelei willen wird Gott wohl kaum beeindrucken. Dies lehrte uns Jesus schon in der Bergpredigt. Ebenso das Herunterleiern auswendig gelernter Litaneien gehört in diese Rubrik.

Gott erhört unsere Gebete, wenn sie aus tiefstem Herzen kommen und vollkommen ehrlichen Sinnes entstammen. Darum empfiehlt uns der Herr Jesus auch das stille Kämmerlein, wo wir unbeobachtet von unseren Mitmenschen alle unsere Gebetsanliegen dem Herrn vorlegen dürfen.

Auch mir passiert es, dass ich nicht zu der notwendigen Ruhe komme, dass ich auch mal den Lobpreis vergesse und dass auch ich ab und wann eine auswendig gelernte Gebetslitanei verwende. Insofern muss ich als Prediger, wie es Spurgeon einmal sehr schön beschrieben hat, immer auch durch das Feuer meiner eigenen Predigt gehen. Und der mich durch dieses Feuer läutert, den bitte ich auch, dass er mir hilft, immer ein Stückchen näher an ihn heranzukommen um noch mehr von ihm zu lernen.

Anstelle eines Liedverses lassen Sie uns heute einmal gemeinsam das Gebet beten, welches uns der Herr Jesus in seiner Bergpredigt gelehrt hat:

Unser Vater im Himmel !
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Urich Naber

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