Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 19. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jesaja im 38. Kapitel, die Verse 9-20. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Dies ist das Lied Hiskias, des Königs von Juda, als er krank gewesen und von seiner Krankheit gesund geworden war: Ich sprach: Nun muss ich zu des Totenreiches Pforten fahren in der Mitte meines Lebens, da ich doch gedachte, noch länger zu leben. Ich sprach: Nun werde ich den Herrn nicht mehr schauen im Lande der Lebendigen, nun werde ich die Menschen nicht mehr sehen mit denen, die auf der Welt sind. Meine Hütte ist abgebrochen und über mir weggenommen wie eines Hirten Zelt. Zu Ende gewebt habe ich mein Leben wie ein Weber; er schneidet mich ab vom Faden. Tag und Nacht gibst du mich preis; bis zum Morgen schreie ich um Hilfe; aber er zerbricht mir alle meine Knochen wie ein Löwe; Tag und und Nacht gibst du mich preis. Ich zwitschere wie eine Schwalbe und gurre wie eine Taube. Meine Augen sehen verlangend nach oben: Herr, ich leide Not, tritt für mich ein! Was soll ich reden und was ihm sagen?
Er hat’s getan! Entflohen ist all mein Schlaf bei solcher Betrübnis meiner Seele. Herr, lass mich wieder genesen und leben! Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen; dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück. Denn die Toten loben dich nicht, und der Tod rühmt dich nicht, und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Treue; sondern allein, die da leben, loben dich so wie ich heute. Der Vater macht den Kindern deine Treue kund. Der Herr hat mir geholfen, darum wollen wir singen und spielen, solange wir leben, im Hause des Herrn!

Liebe Gemeinde,

Hiskia stand an der Schwelle des Todes und ist wie man so sagt dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen. Viele Menschen, denen es ähnlich ergangen ist leben nach diesen Erfahrungen ein ganz anderes Leben als vor dieser Begebenheit. Und so können wir bei dem König Hiskia auch drei Lebensphasen erkennen, die wir uns heute Morgen einmal gemeinsam anschauen wollen.

1. Lebensfreude

Hiskia war ja kein schlechter Mensch gewesen. Er ging munter und erfolgreich seinen Regierungsgeschäften nach und besuchte auch, wie wir es in der Bibel nachlesen können regelmäßig die Gottesdienste.

Nur an eines dachte er augenscheinlich nicht; er dachte niemals über seine eigene Endlichkeit nach. Vielleicht kam ab und zu der Gedanke an den eigenen Tod in ihm hoch. Doch das wurde schnell wieder an die Seite gedrängt und auf später vertagt.

Liebe Gemeinde, denken wir nicht auch häufig so wie es der König Hiskia tat. Sprechen wir mit unseren Lieben oder mit unseren Freunden auch mal über das Thema Tod? Wenn ich in einer gemütlichen Runde einen Stimmungskiller suche, dann muss ich nur das Thema Tod ansprechen und schon ist die Stimmung im Eimer.

Und doch sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass auch Gott unseren, wie Hiskia ihn nennt, Lebensfaden eines Tages abschneiden wird. Und keiner von uns weiß wann ER das tut.

Viele Menschen richten sich auf Erden ja so ein, als ob sie die nächsten
500 Jahre auf Erden verbringen. Hiskia indes musste erkennen, dass unser Leben kein Steinhaus ist, sondern ein Hirtenzelt, welches ganz schnell abgebaut werden kann.

Und Hiskia musste erkennen, dass sein Leben nicht ihm, sondern Gott gehört. Daran sollen und müssen auch wir uns immer wieder erinnern.

2. Todesnähe

Hiskia musste auf einen Schlag drei Tatsachen ins Auge sehen:

1. Ich werde nie mehr mit meinen Bekannten zusammen sein können
2. Ich werde nie mehr einen Tempel aufsuchen können, um Gott die Ehre zu geben
3. Ich werde niemals mehr meinen Besitz und den Ertrag daraus genießen können

Das war natürlich schon einmal ein ganz starker Tobak. Ich weiß nicht, wie jeder Einzelne unter uns reagieren würden, wenn wir und so in der Todesnähe befinden, wie dies bei Hiskia der Fall gewesen ist.

Theoretisieren kann man das Thema ja ganz gut, aber wenn man plötzlich selber davon betroffen ist, sieht die Sache schon ein wenig anders aus.

Wie könnten wir uns denn ein wenig besser auf eine derartige Situation vorbereiten? Nun, wir könnten wie wir es bereits bei dem ersten Punkt gehört haben uns immer wieder vergegenwärtigen, dass unser aller Leben allein in SEINER Hand liegt.

Dann könnten wir lernen, ein Leben mit demjenigen zu führen in dessen Hand unser Leben liegt. Diesen jemand müssen wir natürlich zunächst einmal genau kennenlernen. Das geht am besten, wenn man sich seine Lebensregeln anschaut, die er uns in der Bibel übergeben hat.

Dann sollten wir uns mit Gleichgesinnten zusammenschließen um uns gegenseitig zu unterrichten und zu stärken. Und wir sollten immer wieder den direkten Kontakt zu demjenigen unterhalten, der unser Leben in seinen Händen hält.

Dieser jemand wird uns nämlich auch lehren, dass es ein Leben nach dem Tod gibt und dass dieses Leben seinen Kindern bestimmt ist.

3. Akutfall

Bei Hiskia war der Aktufall eingetreten. Er hatte die Möglichkeit der Vorbereitung auf eine derartige Lage nicht genutzt und befand sich von jetzt auf gleich in der direkten Todesnähe.

Also schrie Hiskia zu Gott und bat ihn um seine Hilfe. Wie wir es eingangs gehört haben, wurde dieses Gebet von Gott auch beantwortet, indem er Hiskia noch zusätzliche Jahre in seinem Leben schenkte.

Entscheidend ist, wie Hiskia nunmehr weiterlebt. Wie wir in seinem Lied erfahren, hat Hiskia diese Todesangst niemals vergessen. Wir entdecken ein ganz neues Lebensgefühl bei König Hiskia. Er sieht sein Leben nicht mehr als selbstverständlich an, sondern als ein Gnadengeschenk Gottes.
Fortan richtet er sein Leben auch nicht mehr auf die weltlichen Dinge, sondern auf Gott aus.

Gott verheißt Hiskia völlige Genesung. Diese Verheißung weist auch schon im Alten Testament auf den Herrn Jesus Christus hin.

Der Herr Jesus Chrsitus verheißt auch uns Allen völlige Genesung, also die Vergebung unserer Sünden, wenn wir ihn als unseren Heiland und Retter annehmen und unser Leben bestimmen lassen. Wenn wir dies tun, dann verspricht er uns kein zeitliches Leben ohne jedwede Probleme, aber er sagt uns ein Leben in Ewigkeit in seiner Gemeinschaft zu.

Gewiss, liebe Gemeinde, einige Jahre später starb König Hiskia. Wir werden auch eines Tages diese Erde verlassen, aber mit der Eintrittskarte für den Himmel in unserer Hand und damit der Gewissheit, dass wir ewig leben werden.

Dies ist auch der einzige Grund, warum wir uns im Leben und Sterben vor nichts und niemandem mehr fürchten müssen. Weder ewiger Tod noch Teufel haben mehr Macht über uns. Jesus hat den Tod und den Teufel besiegt, um uns die Möglichkeit der Umkehr in unser ewiges Heim zu ermöglichen.

Geben wir doch diesem Herrn die Ehre, indem wir zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den ersten Vers des Liedes: „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut…“ (EG 326) von Johann Jakob Schütz einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut,
dem Vater aller Güte,
dem Gott, der alle Wunder tut,
dem Gott, der mein Gemüte
mit seinem reichen Trost erfüllt,
dem Gott, der allen Jammer stillt.
Gebt unserm Gott die Ehre!

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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