ePredigt vom 10.05.2015 (1. Timotheus 2, 1-6a)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Rogate. Betet ! so lautet die Übersetzung. Und um das Gebet geht es auch in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 1. Timotheusbrief, Kapitel 2, die Verse 1-6a. Lassen
Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserem Heiland, welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist EIN Gott und EIN Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus
Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung.

Liebe Gemeinde,

Beten tun wir alle, beten ist für uns als Christen nichts Neues. Das ist sicherlich grundsätzlich richtig. Und doch verfällt man doch schnell in einen Automatismus, wenn man Dinge täglich immer wieder verrichtet. Und was könnten wir denn einem Fremden sagen, der uns fragt: Beten, was ist
das und beten, wie geht das denn und was für Gebete gibt es denn? Lassen Sie uns über die verschiedenen Formen des Gebetes heute Morgen ein wenig intensiver nachdenken.

1. Anbetung

Nehmen wir doch einmal das uns wohl bekannteste Gebet das Vater Unser.
„Geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe. In der Anbetung erkennen wir Gottes Gegenwart.

Die Anbetung ist kein Hilfeschrei, doch bitte alles Unrecht aus der Welt zu vertilgen. Nein, liebe Gemeinde, die Anbetung setzt Gott zunächst einmal an die Stelle, wo er hingehört, nämlich ganz oben auf der Welthierarchie. Das klingt jetzt ein wenig wie ER da oben und wir kleinen Wichte hier unten. So ist es aber nicht gemeint.

Die Anbetung ist geprägt von Demut. Demut heißt, dass ich mich unter den Willen Gottes stelle und anerkenne, dass ER stets alles richtig macht. Anbetung heißt nichts anderes als dass ich weiß, dass es einen Schöpfer des Himmels und der Erde gibt, der sich jeden Tag auf’s Neue um seine Schöpfung und um seine Geschöpfe zu jeweils derem besten kümmert.

Wenn dies so ist, dann bleibt uns gar nichts anderes mehr übrig, als diesen Gott zu heiligen. Dann freuen wir uns jetzt schon darauf, dass sein Reich täglich ein Stück weit mehr kommen möge. Und dann ist es selbstverständlich für uns, das nicht unser Wille, sondern der Wille dessen geschieht der Himmel und Erde in seinen Händen hält.

2. Fürbitte

In der Fürbitte bringen wir die Welt und die Anliegen für die Welt vor Gott. Auch wenn die Fürbitten in unseren Gottesdiensten recht allgemein gehalten sind, im stillen Kämmerlein oder wo auch immer wir zu beten pflegen, sollen wir ganz konkrete Fürbitten an unseren Herrn richten.

Fürbitte hat einmal jemand sehr schön, wie folgt definiert: „Die Fürbitte ist das direkte Wirken in das Leben eines anderen Menschen hinein über den Thron Gottes hinweg und durch den Thron Gottes hindurch.“

Mit der Fürbitte bewege ich ganz konkret etwas für denjenigen, für den ich bete. Der Filter für meine Gebete ist Gott höchstpersönlich. So kann es auch niemals passieren, dass mein Gebet erhört wird, welches demjenigen für den ich bete, mehr schadet als nutzt. Daher dürfen wir auch ganz unbeschwert Fürbitte halten für alle Menschen, die uns am Herzen liegen, gehen doch alle Gebete zunächst zu Gott.

Viele Dinge nehmen wir ja gern als selbstverständlich oder als Zufall hin. Achten wir doch einmal ganz genau was mit den Menschen passiert, für die wir ganz konkret fürbitten und fürbeten. Ich kann uns heute schon eines versprechen: Wir werden mehr als überrascht sein, wie konkret Gott auf unsere Fürbitten antwortet.

Fürbitten dürfen wir natürlich auch für uns in Anspruch nehmen. Daher sind ja unsere Gemeinschaften auch so wichtig. Unsere Gemeinschaft dürfen wir um Hilfe durch ihre Gebete bitten. Wir sollen nicht nur die Gemeinschaft stärken, nein, sondern die Gemeinschaft ist im Bedarfsfalle
auch aufgerufen, uns zu stärken, wenn wir ihrer Fürbitten und Gebete bedürfen.

3. Loben und Danken

Liebe Gemeinde, es ist nicht selbstverständlich, dass wir in einem friedvollen Land leben, täglich genug zu essen haben und ein Dach über dem Kopf haben. Wir nehmen dies nur all zu gern als selbstverständlich hin. Manchmal meinen wir sogar, wir hätten einen Anspruch darauf.

Ich frage jetzt einmal allen Ernstes: Wer gibt uns einen Anspruch auf Frieden? Wer gibt uns einen Anspruch auf 3 Mahlzeiten am Tag? Wer gibt uns einen Anspruch auf genügend Wohnraum? In der Tat ist es so, dass wir darauf keinerlei Ansprüche haben, es sind alles Geschenke, Geschenke von Gott, unserem Herrn. Und ich finde, dafür darf man ruhig einmal dankbar sein.

Ich will nicht in der „früher war alles besser“ Schiene fahren, aber ich gebe einmal zu bedenken, dass in Zeiten, wo das Tischgebet noch fester Bestandteil der Mahlzeit war, wir wesentlich verantwortungsbewusster mit unseren Lebensmitteln umgegangen sind. Wir haben sie durch das Gebet achten gelehrt und erkennen dürfen, dass es eben Mittel zum Leben sind, die Gott uns schenkt. Und mit dem, was Gott uns schenkt dürfen und müssen wir verantwortungsbewusst umgehen.

Die beste Möglichkeit dies als Gottesgeschenk zu vergessen ist:
Einstellen aller Gebete und zwar sofort. Wohin das führt, das können wir rings um uns her ja sehen. Ein bekannter Evangelist hat einmal folgendes gesagt: Wenn ich einen Tag nicht bete, dann merke ich das, wenn ich zwei Tage nicht bete, dann merkt dies meine Familie und wenn ich drei Tage hintereinander nicht bete, dann merkt es die ganze Gemeinde.

Beten öffnet die Sinneskanäle in uns mit denen wir Gottes Wirken für uns erkennen können. Dankgebete sind dafür hervorragend geeignet. Wenn wir meinen, wir hätten nichts wofür wir unserem Herrn dankbar sein könnten, dann machen wir doch einmal folgende Übung:

Wenn wir uns heute Abend in unser Bett begeben, dann denken wir doch einmal darüber nach, wofür wir heute Gott dankbar sein durften. Lassen wir unsere Gedanken noch einmal durch den vergangenen Tag fliegen. Jedem, der dies praktiziert hat, sind nach ein wenig Übung immer mehr
„Geschenke“ eingefallen, die des Dankes wert waren.

Im Danken erkenne ich, von wem all diese herrlichen Lebensgeschenke stammen. Und dann, liebe Gemeinde, bleibt mir gar nichts anderes mehr übrig, als denjenigen zu loben und zu preisen, der es so gut mit mir meint. Fangen wir am besten gleich damit an.

4. Ein Mittler

Lassen Sie mich kurz noch ein letztes sagen. Wir haben EINEN Mittler zwischen Gott und uns. Und dies ist der auferstandene Herr Jesus Christus. An ihn richten wir alle unsere Gebete. Es gibt keinen weiteren Mittler in Form von Priestern und Geistlichen aller Glaubensrichtungen.
Um nicht missverstanden zu werden. Alle Priester, Pastöre und Pfarrer dürfen natürlich auch für uns beten und das sollen sie auch tun. Aber wir brauchen Sie nicht als vorgeschaltete Instanz, damit unsere Gebete erhört werden.

Für einen jeden von uns ist unser Herr nur einen Gebetsanruf entfernt.
24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche. Unser ganzes Leben lang. Nutzen wir doch einfach wieder öfter diese direkte Art der Kommunikation. ER wartet schon auf unseren Anruf.

Ein besonders schönes Anbetungslied stammt von dem Liederdichter Bartholomäus Crasselius. Es heißt „Dir, dir, o Höchster, will ich singen…“ (EG 328). Der komplette erste Vers lautet, wie folgt:

Dir, dir, o Höchster, will ich singen,
denn wo ist doch ein solcher Gott wie Du ?
Dir will ich meine Lieder bringen;
ach gib mir deines Geistes Kraft dazu,
dass ich es tu im Namen Jesu Christ,
so wie es durch ihn gefällig ist.

Der Herr lasse Dich niemals müde werde ihn allein anzubeten
Der Herr gebe Dir die Kraft, für Deine Mitmenschen und ihre Anliegen vor ihn zu treten
Der Herr lasse Dich immer wieder erkennen, was Du alles Ihm allein verdankst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber