ePredigt vom 10.04.2011 (1.Mose 22, 1-13)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 5. Sonntag in der Passionszeit mit dem Namen Judika. Unseren heutigen Predigttext finden wir im 1. Buch Mose, Kapitel 22, die Verse 1-13. Während wir im Neuen Testament ja vom Leben, Leiden und Sterben unseres Herrn erfahren, deutet das gesamte Alte Testament schon auf Jesus hin. Lassen Sie uns unseren heutigen Predigttext einmal unter diesem Hintergrund lesen:

Abrahams Versuchung

Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm:
Abraham ! Und er antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du liebhast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berg, den ich dir zeigen werde. Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und
nahm mit sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hat. Am dritten Tage hob Abraham seine Augen auf und sah die Stätte von ferne und sprach zu seinen Knechten: Bleibt ihr hier mit dem
Esel. Ich und der Knabe wollen dorthin gehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen. Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak. Er aber nahm das Feuer und das Messer in seine Hand; und gingen die beiden miteinander. Da
sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: Mein Vater ! Abraham antwortete:
Hier bin ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Schaf zum Brandopfer ? Abraham antwortete: Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer. Und gingen die beiden miteinander. Und als sie an die Stätte kamen, die ihm Gott gesagt hatte,
baute Abraham dort einen Altar und legte das Holz darauf und band seinen Sohn Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz und reckte seine Hand aus und fasste das Messer, dass er seinen Sohn schlachtete. Da rief ihn der Engel des Herrn vom Himmel und sprach: Abraham ! Abraham ! Er
antwortete: Hier bin ich. Er sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen. Da hob Abraham seine Augen auf und sah einen Widder hinter sich in der Hecke mit seinen Hörnern hängen und ging hin und nahm den Widder und opferte ihn zum Brandopfer an seines Sohnes statt.

Liebe Gemeinde,

unser heutiger Predigttext hat ja schon den stellvertretenden Opfertod eines Menschen zum Inhalt. Dank Gottes Hilfe hat Abraham seine Hand nicht an seinen Sohn Isaak gelegt, sondern stellvertretend an ein von Gott bereit gestelltes Opfertier. Und so legt Gott auch nicht Hand an
uns, sondern hat Hand an Seinen Sohn gelegt, damit dieser stellvertretend für uns, für all unsere Sünden, den Opfertod stirbt. Unser heutiger Predigttext ist ja schon recht spektakulär. Wir sollten den Text aber nicht nur vordergründig betrachten, sondern versuchen, auch zwischen den Zeilen zu lesen. Wenn wir dies tun, dann stellen wir alsbald fest, dass unser Text ja auch von den großen beiden christlichen Kardinaltugenden berichtet. Diese sind:

1. Gehorsam

Wenn wir uns Abraham einmal etwas näher anschauen, dann stellen wir bei ihm einen absoluten Gehorsam fest. Gott spricht zu Abraham und Abraham tut genau das, was ihm Gott befiehlt. Das klingt sehr logisch, aber tun wir das eigentlich heute auch noch ? Wie oft kochen wir doch unser
eigenes Süppchen. Und wenn selbige dann angebrannt ist, ja, liebe Gemeinde, dann ist Holland in Not. Dann wird als erstes einmal Gott für die ganze Misere verantwortlich gemacht. Es ist so, und damit müssen wir uns abfinden, die Welt lebt größtenteils ohne Gott und zieht Ihn nur noch aus der Hutschachtel, wenn sie einen Sündenbock benötigt.

Wir sind ja auch alle so abgeklärt und so allwissend, dass wir Gott gar nicht mehr benötigen. Daher haben ja auch Kruzifixe in Klassenzimmern nichts mehr zu suchen. Gott war gestern, heute zählen die Wissenschaften mit all ihren Erkenntnissen. Und das stimmt ja auch. Wir können alles
berechnen, jedes Risiko kalkulieren und alle möglichen Reaktionen vorhersagen. Ja, liebe Gemeinde, so hätten wir es gern. Und doch genügt ein Blick nach Japan, der uns zeigt, dass wir rein gar nichts berechnen können. Eine simple Naturgewalt reicht aus und schon ist sie da, die Atomkatastrophe. Wir müssen es einmal an dieser Stelle zugegeben: Wer nicht mit Gott rechnet, der hat sich gewaltig verrechnet und dessen Rechnung geht nicht auf.

Gerade solche Ereignisse zeigen uns doch, dass wir wieder die Schulbank drücken müssen, die Schulbank bei unserem Herrn. Wir müssen wieder den Gehorsam lernen, den uns schon Abraham vorgelebt hat. Wenn man von anderen etwas lernen will, dann muss man sein Verhalten nach deren
Vorbild ausrichten. Was hat uns denn nun Abraham voraus ? Nun, das lesen wir sogleich im ersten Satz unseres Predigttextes. Gott sprach und Abraham hörte. Wenn Gott spricht, dann müssen wir ganz stille sein und unsere inneren Antennen allein auf Gott ausrichten. Das geht aber nur dann, wenn wir auch wirklich hören. Wenn wir uns permanent mit allem möglichen ablenken, dann geben wir Gott ja gar keine Möglichkeit zu uns durchzudringen.

Am besten lernen wir, auf Gott zu hören, wenn wir immer wieder einmal alles um uns herum ausblenden und uns einfach Zeit für Gott nehmen. „Mensch, nimm dich nicht so wichtig, nimm dir Zeit für Gott“ so lautete ein Spruch der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Und da ist etwas
dran. Wir sind nicht der Mittelpunkt der Welt, sondern Gott. Wenn wir dies im Glauben annehmen und uns in die Stille begeben, dann bin ich sicher, werden wir wieder Gottes Stimme klar und deutlich hören können. Zum Gehorsam gehört aber nicht nur das Aufnehmen der Botschaft, sondern
auch die Umsetzung derselben.

Natürlich wird uns Gott nicht auffordern, unsere Kinder auf dem Altar zu opfern. Gott wird uns auch nicht zu anderen Straftaten auffordern, aber es kann sein, dass Er etwas mit uns vorhat, was wir im Moment noch nicht verstehen können. Wenn Er uns dann auf unsere Reise schickt, dann sollen wir diese antreten und dabei die zweite christliche Kardinaltugend zeigen, nämlich

2. Vertrauen

Ich denke, alle von uns sind schon einmal mit dem Flugzeug geflogen oder mit der Bahn gefahren. Ich nehme weiterhin an, dass keiner von uns auf die Idee gekommen ist, und wollte sich von dem Piloten die Fluglizenz oder von dem Lokführer die Führerlizenz zeigen lassen. Wir sind in das Flugzeug oder die Bahn eingestiegen und haben ganz einfach demjenigen vertraut, der dieses Verkehrsmittel fliegt, bzw. fährt. Voller Vertrauen haben wir uns von A nach B bringen lassen in der festen Gewissheit, dass wir wohlbehalten an unserem Ziele ankommen.

Nun haben wir ja auch für unser Leben einen Flugkapitän. Dieser Flugkapitän heißt Jesus. Vertrauen wir Ihm genau so, wie dem Lokführer oder dem Flugkapitän ? Ich fürchte, die Antwort heißt nein. Es ist doch vielmehr so, dass wir irgendwann einmal die Entscheidung für Jesus
getroffen haben. In diesem Moment haben wir Ihm die gesamte Führung unseres Lebens übergeben.

Und dann kamen sie auf einmal, die kleinen Ungereimtheiten des Lebens.
Anfangs haben wir noch voller Vertrauen auf unseren Herrn geschaut. Aber als dann die Wogen immer höher schlugen, da war sie auf einmal wieder da. Diese innere Stimme, die da sagt: Du bist für dein Leben alleine verantwortlich, also tu endlich etwas. Und in aller Regel haben wir dies
auch getan. Natürlich ging dann alles schief, wie alles schief gehen muss, wenn man gegen Gottes Pläne arbeitet.

Werfen wir einen Blick auf Abraham. Was Gott von Abraham verlangte, war schon allerhand. Aber Abraham vertraut Gott. Er macht genau das, was Gott von ihm erwartet. Er geht den Weg, der ihm anbefohlen ist, auch wenn das Ende gar grausam ausschaut. Trotzdem vertraut Abraham darauf,
dass Gott alles richtig macht. Unser Predigttext will uns mit diesem Beispiel aufzeigen, dass Gott auch bei uns ist, wenn für uns die Not am größten ist. Gerade dann sollen wir eben nicht unsere eigenen Wege gehen, sondern all unser Vertrauen auf IHN setzen.

Liebe Gemeinde, und auch dies müssen wir wieder lernen. Wir müssen wieder lernen unser Vertrauen allein auf den zu setzen, der Himmel und Erde gemacht hat. Und der, der Himmel und Erde geschaffen hat, dem dürfen wir ruhig dahingehend vertrauen, dass Er auch unser Schicksal zum Besten wenden wird. Vertrauen wir ganz einfach wieder darauf, dass Gott keine Fehler macht.

3. Gott hilft spätestens rechtzeitig

Wir haben uns heute morgen ein wenig mit den beiden großen christlichen Kardinaltugenden beschäftigt. Lassen Sie mich kurz noch ein Drittes sagen. Gott hat nicht nur Himmel und Erde geschaffen, sondern Er hält auch die Zeit in Seinen Händen. Vertrauen zu lernen und Gehorsam zu üben beinhaltet auch den Zeitfaktor. Je dringender wir eine Lösung benötigen, je eher sind wir versucht, Gott die Pilotenmütze aus der Hand zu nehmen, um selber wieder hinter dem Steuerknüppel Platz zu nehmen.

Und auch hier dürfen wir einen abschließenden Blick auf Abraham werfen.
Buchstäblich in letzter Sekunde griff Gott in das Geschehen ein. Bis zu diesem Punkt ist Abraham treu seinen Weg mit Gott gegangen. Und das erwartet unser Herr auch heute noch von uns. Wenn auch tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich
nicht treffen. So lautet der 7. Vers des 91. Psalmes. Diese treue Zuversicht des Psalmbeters sollte uns allen wieder ein Vorbild sein für unseren Weg mit Gott.

Egal, was auch geschieht, egal, wie mächtig unsere Gegner sind, egal, wie aussichtslos unsere Lage zu sein scheint, Gott hilft spätestens rechtzeitig. Und bis es soweit ist, liebe Gemeinde, sollen wir ganz einfach und treu unseren Dienst versehen. Abschließend sei mir noch ein Hinweis gestattet: So manches Magengeschwür und so manche depressive Verstimmung ließe sich vermeiden, wenn wir wieder dem Beispiel Abrahams folgen würden. Ich lade Sie ein, heute Nachmittag einmal in aller Ruhe über diesen letzten Absatz nachzudenken. Ich verspreche Ihnen, es lohnt sich.

Machen wir es doch so, wie der Liederdichter Ludwig Helmbold es in dem ersten Vers seines Liedes: „Von Gott will ich nicht lassen…“ beschreibt, der da lautet, wie folgt:

Von Gott will ich nicht lassen,
denn er lässt nicht von mir,
führt mich durch alle Straßen,
da ich sonst irrte sehr.
Er reicht mir seine Hand,
den Abend und den Morgen
tut er mich wohl versorgen,
wo ich auch sei im Land.

Der Herr nehme Dich an Seine liebende Hand und lehre Dich, auf IHN und SEIN Wort zu hören
Der Herr halte Dich fest in SEINEM Arm und lehre Dich, auf IHN allein zu vertrauen
Der Herr halte schützend SEINE Hand über Dich, damit Du Dich allein bei
IHM geborgen fühlst

Amen.

Liebe Gemeinde,

Vertrauen ist nicht nur eine christliche Kardinaltugend. Wie wäre es, wenn unsere Welt nicht immer nur von Misstrauen regiert würde, sondern wir wieder einander vorbehaltlos vertrauen würden. Am Besten fangen wir gleich heute an, einander wieder mehr zu vertrauen. Wenn wir damit beginnen, dann wird dies bestimmt weitreichende Folgen haben. Vertrauen wir einfach darauf.

Ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber