ePredigt vom 10.01.2016 (Römer 12, 1-3)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 1. Sonntag nach Epiphanias. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 12.
Kapitel des Römerbriefes, die Verse 1-3. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Das Leben als Gottesdienst

Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Liebe Gemeinde,

in unserem heutigen Gottesdienst geht es also um den Gottesdienst. Was zunächst wie eine nette Wortspielerei anmutet, hat, wie wir es soeben gehört haben, einen tieferen Sinn. Paulus stellt uns heute einmal vor, was denn der rechte Gottesdienst ist. Lassen Sie uns gemeinsam einmal anschauen, wie er denn aussieht, der rechte Gottesdienst.

1. Leben als Gottesdienst

Gottesdienst ist sicherlich auch die heutige Stunde am Sonntag, die wir gemeinsam erleben dürfen. Aber Gottesdienst ist weit mehr als das. Unser gesamtes Leben soll ein Gottesdienst sein, ein Dienst also an und für Gott. So sieht es jedenfalls der Apostel Paulus.

Mein Leben besteht nun einmal auch aus meiner körperlichen Hülle, meinem Leib. Diesen soll ich Gott hingeben als ein Opfer. Das heißt nichts anderes, als dass ich meinem Herrn meinen Körper zur Verfügung stellen soll, damit er durch diesen Körper hindurch wirken kann.

Das bedeutet aber auch, dass ich auf meinen Körper achten muss, damit Jesus ihn als „Gebrauchswerkzeug“ benutzen kann. Wenn ich das Vehikel bin, durch das Jesus wirkt, dann muss ich dieses Vehikel auch in Schuss halten.

Vergleichen wir dies doch einmal mit unserem Auto. Damit es sicher seinen Dienst versieht, fahren wir regelmäßig zur Inspektion. Damit wir überhaupt damit fahren können, müssen wir es mit Kraftstoff befüllen. Die Tankstelle unseres Körpers ist unsere Gemeinschaft, die wir heute Morgen pflegen. Der Kraftstoff ist das Wort Gottes. Und die regelmäßige Inspektion ist mein ganz intimes Gespräch mit unserem Herrn, in welchem er mir zeigt, was noch in Ordnung ist und indem er mir auch zeigt, was vielleicht doch erneuerungsbedürftig ist.

Wenn wir uns mit unserem Auto auf Reisen begeben, dann fahren wir sicherlich alle sehr umsichtig, achten auf die Verkehrsregeln und versuchen alles zu vermeiden, was uns und anderen Schaden zufügen könnte.

Machen wir dies doch genauso mit unserem Körper. Gehen wir pfleglich mit ihm um, muten wir ihm nicht etwas zu, was ihm Schaden zufügen könnte und achten wir darauf, dass wir nicht anderen Menschen durch unseren Körper (zB. auch durch unsere Zunge) Schaden zufügen.

2. Erneuerung des Sinnes

Äußerlich haben wir nun alles getan, damit der Herr unser Vehikel auch benutzen kann. Aber was genau wir tun sollen, das wissen wir immer noch nicht so richtig. Und hier schreibt uns der Apostel Paulus, dass wir zunächst unsere Sinne erneuern müssen, damit wir prüfen können, was denn der Wille Gottes ist.

Viele von uns haben sicherlich eine Satellitenschüssel auf dem Dach oder auf dem Balkon, mit welcher wir unzählige Fernsehprogramme empfangen können. Wenn wir diese Satellitenschüssel aufstellen, dann müssen wir sie genau auf einen Satelliten ausrichten. Wenn wir dies nicht tun, dann sehen wir überhaupt nichts. Kein Empfang, Ende Aus, wir stehen vor einem schwarzen Bildschirm.

Im übertragenen Sinne müssen wir die Satellitenschüssel unseres Lebens auf Gott ausrichten, damit wir seine Worte an uns empfangen und auch verstehen können. Wenn wir dies nicht tun, dann können wir auch nicht erkennen, was denn Gott genau von uns als Gottesdienst will.

Das ist übrigens auch ein Punkt, warum so viele Menschen Schwierigkeiten mit dem Glauben haben. Ihre Satellitenschüsseln sind eben noch nicht auf Gottes Programm ausgerichtet.

Aber wie machen wir das eigentlich, die Sache mit der Ausrichtung der Satellitenschüssel? Nun dazu sagt uns der Apostel Paulus:

3. Seid lebendig uns heilig

Lebendig und heilig sollen wir unseren Gottesdienst ausüben. Nun, lebendig sind wir alle, sonst würden wir heute Morgen nicht hier sitzen.
Aber, liebe Gemeinde, ich glaube, das ist hier nicht mit lebendig gemeint.

Paulus meint, dass wir den rechten Gottesdienst nur ausüben können mit einem lebendigen Geist. Unser natürlicher geistlicher Zustand ist der des Todes. Nur, wenn wir diesen Zustand vor Gott bekennen und anerkennen, dass wir nichts anderes als Sünder sind, dann kann er unseren Geist aufwecken.

Wenn wir unseren Herrn bitten, uns unsere Sünden zu vergeben, wir unsere Sünden also inständig bereuen und wissen, dass nur er allein uns helfen kann, dann wird er uns auch zur Seite stehen und uns unsere Sünden vergeben.

Wenn wir diesen Schritt des Ihm-Ganz-Gehörens gemacht haben, dann wird er auch unseren toten Geist mit Leben erfüllen. Und mit diesem Leben, welches in unseren Geist einzieht mit diesem Leben sollen wir fortan unserem Herrn dienen als ein wahrer Gottesdienst.

Gottesdienst ist also weit mehr als eine Stunde in der Woche brav in der Kirchenbank sitzen. Gottesdienst ist unser ganzes Leben.

Jetzt sollten wir noch ganz kurz auf die Eigenschaft „heilig“ eingehen.
Lebendig hatten wir ja gerade schon erklärt. Indem der Herr uns unsere Sünden vergeben hat sind wir heil geworden. Und als diese heilgemachten Menschen, also als diese Heiligen im wortwörtlichen Sinne sind wir berufen unseren Mitmenschen ebenfalls diesen Weg des Heils weiterzugeben.

Das können wir mit Herzen Mund und Händen tun. Wie wir es tun sollen, liebe Gemeinde, da dürfen wir ganz auf Gott vertrauen. Wenn wir unsere Antennen auf Empfang gestellt haben, dann wird er uns schon wissen lassen, was wir wann und wo in seinem Namen tun sollen.

Das setzt natürlich auch voraus, dass wir uns die Zeit nehmen, auf sein Wort zu hören, bzw. auf das, was er uns ganz persönlich sagen will. Ich weiß, wir leben alle in einer hektischen Zeit. Aber wir können uns bestimmt in unserem Alltag täglich ein paar Minuten der Ruhe gönnen. Sei es dadurch, dass wir unseren Wecker 10 Minuten eher klingeln lassen, sei es, dass wir auf dem Weg zur Arbeit mit unserem Herrn reden, oder aber eine tägliche Arbeitspause dazu benutzen, vor ihm stille zu sein.

Bitten wir unseren Herrn doch gemeinsam um seine Führung hier auf Erden mit dem 9. Vers des Liedes „Großer Gott, wir loben dich…“ (EG 331) von Ignaz Franz, der da lautet, wie folgt:

Sieh dein Volk in Gnaden an. Hilf uns, segne, Herr, dein Erbe; leit es auf der rechten Bahn, dass der Feind es nicht verderbe.
Führe es durch diese Zeit, nimm es auf in Ewigkeit.

Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber