ePredigt vom 09.04.2020 (2. Mose 12, 1-4; 6-8; 10-14)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Gründonnerstag. Den Predigttext für den heutigen Abend finden wir im 2. Buch Mose, Kapitel 12, die Verse 1-4; 6-8 und 10-14. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Einsetzung des Passafestes

Der Herr aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen. Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tag dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. Wenn aber in einem Haus für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er’s mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können, und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Gemeinde Israel schlachten gegen Abend. Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und die obere Schwelle damit bestreichen an den Häusern, in denen sie’s essen, und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen. Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr’s mit Feuer verbrennen. So sollt ihr’s aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es essen als die, die hinwegeilen; es ist des Herrn Passa. Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter, ich, der Herr. Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage. Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und ihr sollt ihn feiern als ein Fest für den Herrn, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

Liebe Gemeinde,

das Passafest weist Parallelen zu dem Abendmahl auf, welches wir gemeinsam feiern und dessen Einsetzung wir heute gedenken. Lassen Sie uns dieses Passafest in Bezug auf unser Abendmahl einmal gemeinsam anschauen:

1. Was wird gefeiert

Die Israeliten saßen in Ägypten fest. Der regierende Pharao wollte sie einfach nicht ziehen lassen. Etliche Plagen hatte er durch Mose schon gesandt. Aber der Pharao blieb stur und hart in seiner Entscheidung.

Nunmehr sollte das Strafgericht Gottes über das Land ergehen, indem alle Erstgeburt getötet werden sollte. Die Israeliten konnten aber geschont werden, wenn sie die Türen ihrer Häuser mit dem Blut eines fehlerlosen Opfertieres bestreichen.

Wir erinnern uns: Sünde musste immer mit Blut bezahlt werden und zwar mit dem Blut eines fehlerlosen Opfertieres. Dieses Wort „fehlerlos“ gilt als Synonym für sündlos.

Jetzt übertragen wir diese Situation einmal auf unser Abendmahl. Ein vollkommen sündloser Mensch hat mit seinem Blut für unsere aller Sünden bezahlt, indem er für uns den Kreuzestod gestorben ist.

Eigentlich müssten wir dort hängen. Daran sollten wir immer denken, wenn wir ein Kreuz betrachten. Durch das Blut dieses fehlerlosen Menschen Jesus Christus haben wir die Möglichkeit erhalten, wieder Gottes Kinder werden zu dürfen.

Und das ist es, was wir heute feiern und das ist es, woran wir bei jedem Abendmahl denken.

2. Wie wird gefeiert?

Das Passafest wurde gemeinsam gefeiert. Damals galt die Familie nicht nur als Lebensgemeinschaft, sondern zugleich auch als Glaubensgemeinschaft. In der Familie wurden die Kinder im Glauben unterrichtet und wuchsen im Glauben heran.

Jesus feiert das Abendmahl auch mit seiner Familie zusammen. Seine Familie sind alle, die ihm im Glauben angehören und ihm nachfolgen.

Wir feiern alle gemeinsam unsere Rettung durch unseren Herrn. Gemeinsam haben wir Anteil an seinem Leib und werden dadurch zu einem Leib mit ihm. In seiner großen Familie sind wir also alle Geschwister. Daher reden wir uns auch mit Bruder und Schwester an um dies zu bezeugen.

Und das wirklich tolle ist, dass kein Mensch von dieser Familie ausgeschlossen wird. Unser Herr lädt alle Menschen ein, zu ihm zu kommen. Egal ob schwarz ob weiß egal welcher Herkunft, alle sind eingeladen, zum Tisch des Herrn zu kommen.

Und daher dürfen wir uns über und mit unseren Geschwistern freuen, die mit uns zusammen am Abendmahl teilnehmen, dass der Herr auch sie in seiner Familie haben will. Daran dürfen wir ruhig einmal wieder denken, wenn rechtsnationales Gedankengut andere Menschen als mindere Rassen bezeichnet.

3. Warum wird gefeiert?

Das Passafest sollte als ewige Ordnung gefeiert werden, also als Gedenktag der Errettung aus der Hand der Ägypter. Gerade dieses Gedenken sollte vor dem Vergessen bewahren.

Wir wissen ja alle, wie schnell wir wieder in den Alltag zurückkehren, wenn die Osterfeiertage vorbei sind. Gerade das Abendmahl will und soll uns immer wieder daran erinnern, was unser Herr für uns getan hat und soll und will uns immer wieder an den Tisch des Herrn zurückbringen.

Jesus sagte dies auch mit den Worten. „Solches tut zu meinem Gedächtnis..“

Etwas fällt aber dennoch auf. Wann dankten die Israeliten dem Herrn? Sie dankten dem Herrn nämlich vor ihrer Errettung. Die Israeliten rechneten fest damit, dass der Herr seine Zusagen auch einhalten werde, auch wenn gerade alles nicht danach aussah.

Und mit dieser Zusage in ihrem Reisegepäck waren sie auch bereit zum Aufbruch, zum Aufbruch, dem Herrn auf dem Wege zu folgen, den er für sie bereiten wird.

Natürlich können wir dies nicht 1:1 auf unser Abendmahl übertragen, da der Herr ja schon alles für unsere Errettung getan hat. Wir haben es da wesentlich einfacher. Wir müssen nur noch einfach Ja und Danke sagen.

Im Abendmahl, liebe Gemeinde, ist unser Herr stets gegenwärtig unter uns. Er erhört und stärkt uns durch seine Gegenwart.

Und ausgerüstet mit dieser Stärkung können wir getrost mit ihm zusammen aufbrechen und seine frohe Botschaft unter die Menschen bringen.

Im Abendmahl feiern wir unsere Errettung und freuen uns mit allen Geschwistern, dass diese Errettung für alle Menschen gilt. Das Abendmahl bewahrt uns zugleich auch vor dem Vergessen. Und im Abendmahl erfahren wir persönlich unsere Stärkung für unseren weiteren Lebensweg an der Hand unseres Herren.

Lassen Sie uns zum Abschluss unseres heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den 2. Vers des Liedes „Kommt her, ihr seid geladen…2 (EG 213) des Liederdichters Ernst Moritz Arndt einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Kommt her, verzagte Sünder, und werft die Ängste weg,
kommt her, versöhnte Kinder, hier ist der Lebensweg.
Empfangt die Himmelslust, die heilge Gottesspeise,
die auf verborgne Weise erquicket jede Brust.
Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Abend und grüße Sie alle ganz herzlich.
Ihr

Ulrich Naber

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