Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen drittletzten Sonntag des Kirchenjahres. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Thessalonicher, Kapitel 5, die Verse 1-6. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Brüder, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr-, dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau und sie werden nicht entfliehen. Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichts und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.

Liebe Gemeinde,

in der Lutherbibel steht über unserem Predigttext die wunderschöne Überschrift: „Leben im Licht des kommenden Tages.“ In unseren heutigen Sprachgebrauch übertragen würden wir vielleicht sagen: „Wie sollen wir leben im Hinblick auf Jesu Wiederkunft ? Schauen wir einmal, was uns der Predigttext dazu mit auf den Weg geben möchte.

1. Nicht schlafen

Wenn wir die Anzahl der Gemeindemitglieder mal in Relation zu den Gottesdienstbesuchern setzen, dann fällt uns auf, dass wir wohl jede Menge Karteileichen in unseren Beständen haben. Natürlich wird ein Teil davon auch Gottesdiensten im Internet beiwohnen, aber ich wage zu bezweifeln, dass dies die überwiegende Anzahl der Gemeindemitglieder macht.

Ein französischer Pfarrer hatte einmal in seinem Gemeindebrief folgendes geschrieben: „Bei Ihrer Taufe wurden Sie in die Kirche hineingetragen. Bei Ihrer Bestattung werden Sie aus der Kirche herausgetragen. Es wäre schön, wenn Sie dazwischen auch mal selber in die Kirche kommen würden.“

Und so ist es mittlerweile leider Realität, dass die Kirche zur Taufe, zur Konfirmation, zur Hochzeit und zur Bestattung benötigt wird. Und die übrige Zeit verbringt man damit, sein eigenes Leben zu führen.

Und somit schläft ein einst reges Glaubensleben so nach und nach ein. Ein befreundeter Kollege von mir sagte einmal, dass die meisten Menschen die Kirche so betrachten wie einen Feuerlöscher. Es ist gut, wenn man einen hat, aber es ist noch besser, wenn man ihn nicht braucht.

So lasst uns nicht schlafen, das sagt uns heutiger Predigttext. Und das bedeutet, dass wir unsere Beziehung zu unserem Herrn stets lebendig halten sollen. Am besten mit Gebet und mit Gemeinschaft. Wenn wir unsere alten Freunde nicht mehr anrufen, sie nicht mehr besuchen dann werden diese Beziehung einschlafen. Genau so ist es mit unserem Glauben.

2. Wachen

Wachen bedeutet mit Gott rechnen. Wachen heißt, dass ich anerkenne, dass mein Herr stets das letzte Wort hat und ich immer auf ihn und sein Wort horche und gehorche.

Meine Großmutter hatte einen Standardspruch, den sie immer anwandte. Der war ihr schon in Fleisch und Blut übergegangen. Wenn man sie zum Beispiel fragte, was sie am morgigen Tage vorhabe, dann erhielt man natürlich eine Antwort, diese war aber immer mit dem Zusatz versehen: „So Gott, der Herr will“.

Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein unterzeichneten Kaufleute Verträge nicht nur mit ihrem Namen, sondern mit dem Kürzel s.c.j. was sub conditione jacobae bedeutet. Man verstand darunter den Jakobäischen Vorbehalt. In Jakobus 4,15 steht nämlich „Wenn der Herr will, werden wir dies oder das tun.“

So lebte man in früheren Jahrhunderten unter der ständigen Gewissheit, dass wir alle unter dem Schutz des Herrn stehen und dieser allein weiß, was gut oder weniger gut für uns ist. Daher lässt er das eine gelingen und das andere eben nicht. Man rechnete eben noch mit dem Herrn.

Gut, in dieser Form machen wir das heute nicht mehr. Aber auch heute sollten wir mit der Wiederkunft und dem Eingreifen Gottes rechnen. Ich habe mal ein Buch gelesen, welches den Titel trug. „Und wenn ER heute noch käme“. Dort machte sich ein Ehepaar Gedanken darüber, was denn wäre, wenn Jesus heute käme und er sie in der jeweiligen Situation vorfinden würde in welcher sie sich gerade befanden.

Diese Frage dürfen wir uns ruhig einmal selber stellen. Wäre es mir recht, wenn Jesus jetzt wiederkäme und mich bei der Tätigkeit vorfinden würde, der ich gerade nachgehe?

Das soll uns auf keinen Fall zu ängstlichen Menschen machen, die sich immer und immer wieder fragen, ob das, was sie tun, dem Herrn recht wäre. Das habe ich auch schon in Gemeinden gesehen. Dort wurde alles verboten, was Freude macht. Tanzen war verboten, Kino war verboten, Feierlichkeiten waren verboten. Sie können sich sicherlich vorstellen, was das für eine „fröhliche“ Gemeinde war.

Wir sollen wachen, dass wir auf dem rechten Weg bleiben und nicht auf falsche Wege abbiegen. Wenn wir wirklich wachen, dann erkennen wir sehr schnell, wenn wir einmal falsch abgebogen sind. Und wenn wir dies schnell erkennen, dann können wir auch schnell mit des Herrn Hilfe den Rückwärtsgang einlegen.

3. Vorsicht Falle

Jesus warnt uns davor auf falsche Propheten zu hören. Ha, da stehen wir doch drüber, uns kann keiner ein x für ein u vormachen. Wir stehen so fest im Glauben, dass uns das nicht passieren kann.

Wissen Sie, liebe Gemeinde, wer auch ganz fest im Glauben stand? Das waren Adam und Eva. Diese Menschen unterhielten sogar noch eine direkte Beziehung, so von Angesicht zu Angesicht zu ihrem Schöpfer. Mehr geht doch gar nicht.

Und dann waren es genau diese Menschen, die auf die Schliche des Satans hereinfielen. Es bedurfte nur der einfachen Frage Satans: „Sollte Gott gesagt haben…“ um diesen scheinbar festen Glauben ins wanken zu bringen.

Und glauben Sie mir eines. Satan ist heute noch so aktiv wie damals. Nicht bei den Menschen, die mit Gott nichts zu tun haben wollen. Die hat er ja eh schon in seiner Hand. Aber gerade wir, die wir unserem Herrn angehören sind ihm ein Dorn im Auge. Und daher kommt er mit den subtilsten Verführungen um uns in seine Fänge zu bringen.

Wir kennen alle das Sprichwort „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“. Und genau das sollten wir uns immer wieder vor Augen halten. Satan ist heute mindestens so gefährlich wie im Garten Eden. Und darum sollten wir unsere Antennen auf seine Verführungsversuche ausrichten. Wenn wir dies mit Jesus im Herzen und der Bibel in der Hand tun, dann wird er es verdammt schwer mit uns haben.

Lassen Sie mich kurz noch ein Letztes sagen: Ich bekomme immer wieder Zuschriften von gläubigen Menschen, die deshalb nicht mehr zur Kirche gehen, weil dort nur noch über Umwelt und Politik gepredigt wird. „Jesus kommt bei den Predigten nicht mehr vor“, so sagte es mir vor kurzem ein guter alter Bekannter.

Liebe Gemeinde, in eine dieser Kirchen würde ich auch keinen Fuß mehr hineinsetzen. Wer sich als Prediger Umweltaktivist oder als politscher Berater betätigt darf dies tun, aber ohne meine Gegenwart. Dann schaue ich mir lieber einen Gottesdienst im Fernsehen an oder suche mir eine Gemeinde, wo unser Herr noch im Zentrum steht.

Lassen Sie uns das, was wir heute zusammen bedacht haben noch einmal zusammenfassen, indem wir gemeinsam in den ersten Vers des Liedes „Wir warten dein, o Gottes Sohn…“ (EG 152) des Liederdichters Philipp Friedrich Hiller einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Wir warten dein, o Gottes Sohn, und lieben dein Erscheinen.
wir wissen dich auf deinem Thron und nennen uns die Deinen.
Wer an dich glaubt, erhebt sein Haupt und siehet dir entgegen;
du kommst uns ja zum Segen.

Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Bleiben Sie alle wohlbehütet von unserem Herrn und Heiland Jesus Christus.
Ihr

Ulrich Naber

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