Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Drittletzten Sonntag des Kirchenjahres. In unserem heutigen Predigttext geht es um das Reich Gottes. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei Lukas im 17. Kapitel die Verse 20-24. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man’s beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es !, oder: Da ist es ! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch. Er aber sprach zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr Begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohnes, und werdet ihn nicht sehen. Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da!, oder:
Siehe, hier ! Geht nicht hin und lauft ihnen nicht nach! Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein.

Liebe Gemeinde,

diese paar Verse sollen es beschreiben, das Reich Gottes? Ich hätte mindestens ein ganzes Kapitel erwartet, wo das Reich Gottes dann detailliert beschrieben wird. Aber das braucht es nicht, wie wir gleich sehen werden. Was ist das Reich Gottes und was ist es nicht? Lassen Sie uns diesen beiden Fragen am heutigen Sonntag ein wenig nachgehen und versuchen, gemeinsam Antworten darauf zu finden.

1. Was ist das Reich Gottes nicht?

Wie es Jesus uns sehr schön beschreibt ist das Reich Gottes keine statische Größe, die aus dem Nichts auf einmal vor unseren Augen erscheint. Jesus bastelt im Himmel nicht an dem Reich Gottes und sendet dieses Reich eines Tages zu uns auf die Erde.

Auch sollen wir uns nicht blenden lassen von all den falschen Propheten, die uns immer wieder einmal weismachen wollen, wo sich das Reich Gottes befindet.

Wenn wir an das Wort Reich denken, dann assoziieren wir meist ein Königreich oder ein anderes weltliches Reich mit diesem Worte.
Kennzeichen dieser Reiche ist ein Über- Unterordnungsverhältnis. Der eine bestimmt und der andere hat zu gehorchen. So ist das Reich Gottes auch nicht.

2. Was ist denn das das Reich Gottes?

Liebe Gemeinde, wenn wir es auf den Punkt bringen wollen, dann sind wir selbst es. Jesus sagt uns ja in unserem heutigen Predigttext, dass das Reich Gottes bereits mitten unter uns ist.

Das bedeutet ganz einfach, dass Jesus das Reich Gottes mit uns zusammen aufbauen will. Wir alle, die wir uns zu unserem Herrn bekehrt haben, wir alle sind aufgerufen, uns an dem Aufbau dieses Reiches je nach unseren Fähigkeiten zu beteiligen. So wichtig sind wir unserem Herrn, dass er mit uns zusammen dieses Reich aufbauen will.

Gemeinsam sind wir also aufgefordert unter der Weisung unseres Herrn das Reich Gottes aufzubauen. Jetzt ist es aber immer noch eine imaginäre Größe. Woran können wir denn erkennen, dass dieses Reich bereits im Entstehen begriffen ist?

a. Die Sehnsucht

Gott hat einem jeden Menschen eine Sehnsucht in das Herz gelegt, welche weit über alle weltlichen Genüsse und Erlebnisse hinausgeht. Wir können so viel Geld besitzen, dass wir uns alles auf der Welt erlauben können, und trotzdem bleibt diese Sehnsucht bestehen. Sie äußert sich meist in der Unruhe unseres Herzens, welches auf der Suche nach etwas ist, was ihm den vollkommenen Frieden verspricht.

Hier beginnt das Reich Gottes in einem jeden von uns sein Werk. Diese Suche nach Frieden führt uns auf den Weg hin zu dem einen, der uns allein diesen Frieden schenken kann. Mit unserer Bekehrung fängt das Reich Gottes an, in uns Gestalt anzunehmen.

Wenn wir es so wollen, dann ist die Bekehrung die Gesellenprüfung, die uns befähigt, als Handwerker Gottes an dem Aufbau dieses Reiches mitzuwirken.

b. Innere Kennzeichen

Wenn wir das Reich Gottes aufbauen wollen, dann können wir uns dies durchaus einmal so vorstellen, als ob wir ein Haus bauen wollen. Wir bauen ein Haus ja auch nicht einfach wild drauf los mit dem Material, was uns gerade in die Hände kommt. Das Ergebnis wäre vermutlich nicht von einem dauerhaften Bestand.

Diesen Aktionismus finden wir übrigens auch bei vielen Menschen, die sich bekehrt haben. Der Aktionismus ist natürlich nicht schlecht, das will ich gar nicht sagen, aber wenn er nicht strukturiert ist, dann führt er eben nicht nur zu keinem Ergebnis, sondern endet meist in einer totalen Frustration. Ich habe es leider oftmals gesehen, dass Menschen dann sehr schnell das Vertrauen in Gott verlieren und die Sache mit dem Glauben wieder aufgeben.

Der Bauplan mit dem wir uns beschäftigen ist natürlich die Bibel. In der Bibel finden wir sehr viele Hinweise und Bauanleitungen für das Reich Gottes. Ich empfehle uns allen in der nächsten Woche einmal den Jakobusbrief zu studieren. Dort finden wir ganz konkrete Handlungsvorschläge, derer wir uns bei dem Aufbau des Reiches Gottes bedienen können. Aber auch die Bergpredigt (Matthäus 5-7) steckt voll mit wertvollen Hinweisen für unser Handeln.

Es ist aber nicht damit getan, dass wir alles darüber wissen, wie ein Haus gebaut wird. Dadurch ist noch kein Haus aufgebaut worden. Wir müssen bei allem Respekt vor der Theorie auch irgendwann einmal anfangen, den Grundstein und die anderen Steine zu legen, damit aus dem theoretischen Haus auch ein für alle anderen sichtbares Haus wird.

Nur wer nicht arbeitet, der macht garantiert keine Fehler. So ist es auch bei dem Reich Gottes. Wenn wir das Reich aufbauen, dann werden uns bestimmt auch Fehler unterlaufen. Im Eifer des Gefechtes können wir vielleicht mit unseren guten Taten über das Ziel hinausschießen. Da ist auch alles gar nicht schlimm. Es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wenn wir uns aber bei all unseren Bemühungen ganz eng an unseren Herrn anlehnen, dann wird er uns auch dann wieder auf den rechten Weg zurückführen, der dem Aufbau seines Reiches noch nützlicher ist.

Irgendwann ist ein Haus ja mal fertig. Dann kann man es betrachten, was man denn geschafft hat. Ganz so einfach ist dies bei dem Reich Gottes dann doch leider nicht. Auf Erden werden wir niemals damit fertig werden. Generationen vor uns haben schon Ihren Beitrag dazu geleistet und Generationen nach uns werden ebenfalls noch Ihren Beitrag dazu leisten.

Jetzt könnte man ja sagen, wenn ich keinen Fortschritt sehe, dann ist die ganze Abrackerei doch schon ein wenig frustrierend. Aber es gibt ganz bestimmte äußere Kennzeichen, die uns zeigen, dass der Aufbau des Reiches Gottes ganz konkret voranschreitet.

c. Konkrete Anzeichen

Wo aus Hass Liebe wird, da wirkt bereits das Reich Gottes mit seiner ganzen Dynamik. Da hat der Baumeister Gott uns Menschen ein Stück weit von seiner Gnade und seiner Barmherzigkeit in unser Herz gelegt. Und was Gott uns in unser Herz legt, das können wir nicht einfach brach liegen lassen.

Wo aus Zwietracht Eintracht wird, da ist das Reich Gottes schon mächtig in uns tätig. Wo unsere innere Stimme uns sagt, dass wir einen Streit beilegen sollen, da spüren wir, wie das Reich Gottes bereits in uns ganz konkret wirkt. Und wenn wir dann konkret auch so handeln, wie es Gott von uns erwartet, dann haben wir einen weiteren Stein an diesem Reich mit gebaut.

Wo aus Klage Gebet wird, da merken wir die dieses Reich ganz konkret. Wo Menschen Umstände, die ihnen missfallen vor Gott bringen und ihn allein um seine Hilfe bitten, und ihm allein alles zutrauen, da merken wir und unsere Mitmenschen ganz konkret, dass das Reich Gottes bereits mitten unter uns ist.

Was heißt dies nun ganz konkret für mich für und meine Zukunft? Ganz einfach, wir sollen unsere Begabungen, Talente und Fähigkeiten, die wir von unserem Herrn geschenkt bekommen haben auch dafür zur Verfügung stellen, dass der Herr mit diesen Fähigkeiten mit uns zusammen dieses Reich aufbauen kann. Natürlich dürfen wir unsere Begabungen auch für uns ganz persönlich einsetzen, aber eben nicht ausschließlich.

Wo wir diese Gaben in eine Gemeinschaftsleistung einbringen und für diese Gemeinschaftsleistung immer wieder unseren Herrn um seinen Beistand bitten, da ist dann das Reich Gottes in der Tat mitten unter uns. Da ist es dann spürbar und für einen jeden unter uns auch erlebbar.

Lassen Sie uns also gleich damit beginnen. Heute ist der Tag, wo Gott uns bei dem Bau dabei haben möchte. Geben wir ihm also die Ehre und fangen gleich an.

Bitten wir Gott uns doch zu zeigen, wo er uns ganz konkret gebrauchen möchte. Dies können wir mit dem zweiten Vers des Liedes von Klaus Peter Hertzsch „Vertraut den neuen Wegen…“ (EG 395) tun, der da lautet, wie
folgt:

Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!
Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.
Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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