ePredigt vom 07.12.2014 (Lukas 21, 25-33)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 2. Sonntag im Advent.

Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 21, die Verse 25-33. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.

Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an:

Wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass jetzt der Sommer nahe ist. So auch ihr: Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.

Liebe Gemeinde,

ganz schön starker Tobak für den 2. Advent. Wir befinden uns gerade in der so heimeligen Adventszeit und dann geht es um das Endzeitgeschehen.

Irgendwie ist das so gar nicht weihnachtlich. Oder doch? Lassen Sie uns heute Morgen ruhig einmal ein wenig tiefer über diesen Text nachdenken und was er uns sagen will. Ich glaube, drei Punkte sind für unser Verständnis von Advent immens wichtig.

1. Vermeintliche Sicherheiten

In unserem Lande lebt es sich doch ganz gut. Kein Mensch muss zwingend Hunger leiden. Ein jeder bekommt, wenn er es denn will, ein Dach über dem Kopf. Und auch die gesundheitliche Versorgung ist nahezu beispielhaft. Da kann man sich wirklich so einigermaßen wohl und sicher fühlen.

Wenn wir dazu noch einen gut dotierten Arbeitsplatz haben, eine Familie, die uns umgibt und Haus und Auto auch noch stimmen, dann liebe Gemeinde, geht es uns doch so richtig gut. Dann leben wir doch wirklich auf der Sonnenseite des Lebens. Und dann passiert es auf einmal, der Arbeitsplatz ist weg. Das teure Auto muss weg, weil es eh noch nicht bezahlt ist. Und dann lässt uns die Bank auch noch wissen, dass eigentlich ihr das Haus gehört und meldet diesbezüglich ihre Besitzansprüche an. Zu guter Letzt hat auch der Ehepartner genug von der Situation und sucht sich einen anderen Partner.

Das, liebe Gemeinde, dürfte dann wohl wirklich der „Super GAU“ sein, der uns passieren kann. Ich hoffe und wünsche uns allen natürlich, dass nichts von dem eintritt, was ich soeben geschildert habe. Aber wenn so etwas passiert, dann merken wir sehr schnell, wie wir all unser Vertrauen auf das falsche Pferd gesetzt haben.

Wer alles im Leben auf die materielle Karte setzt, der lebt ständig in der Angst, dieses zu verlieren. Und glauben Sie im Ernst, jemand der dies tut, hat noch Freude an seinen materiellen Reichtümern?

Hier setzt Jesus ein und sagt, dass der „Super-Gau“ eines Tages kommen wird. Eines Tages werden Himmel und Erde vergehen. Kein Stein wird mehr auf dem anderen bleiben. Mit einem Wisch werden alles unsere Besitztümer zerstört werden. Kein Geld der Welt kann uns dann noch retten. Alles ist weg, wir übrigens auch.

Tolle Aussichten so kurz vor Weihnachten !!! Aber es geht Gott sei Dank weiter.

2. Die Hoffnung

Jesus sagt uns nicht, dass mit der Zerstörung der Erde alles aus ist.
Nein er sagt, dass wir alle den Menschensohn sehen werden, wie er auf einer Wolke zur Erde herabkommt. Das erste Kommen, liebe Gemeinde war Weihnachten in einer Krippe, das zweite Kommen war die Auferstehung von den Toten. Das dritte Kommen wird das endgültige Kommen unseres Herrn sein.

Ohne Weihnachten kein Karfreitag, ohne Karfreitag kein Ostern, ohne Ostern keine Himmelfahrt und ohne Himmelfahrt kein endgültiges Kommen unseres Herrn. Mit seiner gesamten Geschichte will Jesus uns wachrütteln, dass wir bereit sind für den Tag des endgültigen Kommens.

Und die Geschichte fängt ja bekanntermaßen mit dem Kind in der Krippe an. Dieses Kind in der Krippe liegt dort und will uns eines geben, Hoffnung auf ein ewiges Leben. Hoffnung auf ein Leben, das nicht in den Gräbern endet, sondern weit darüber hinausgeht. Ein Leben, das niemals enden wird, ein ewiges Leben mit ihm zusammen.

Dieses Kind in der Krippe möchte uns in den Arm nehmen und uns sagen, dass wir seine, also Gottes geliebte Kinder sind. Dieses Kind in der Krippe möchte der Herrscher unseres Lebens werden. Wenn wir ihm dies zugestehen, dann ist das Kind in der Krippe in der Tat unser ganz persönlicher Erlöser.

Denken wir doch einmal daran, wenn wir an der nächsten Krippe vorbeikommen.

3. Die Sicherheit

Liebe Gemeinde, es gibt nur eine Sicherheit in unserem Leben. Und diese Sicherheit hat einen Namen: Jesus Christus. Egal, was uns auch widerfährt, egal, was wir alles im Leben verbocken, Jesus Christus will immer unser Herr und Heiland sein. Wir müssen ihm dies nur zugestehen.

Natürlich können wir auch ohne unseren Heiland durchs Leben marschieren.
Nur müssen wir dann für alle selber geradestehen. Und wir haben dann auch keinen Beistand bei uns der uns tröstet und uns Mut zuspricht, wenn es uns einmal so richtig mies geht.
Woher nehme ich die Gewissheit, dass dies auch tatsächlich der Fall ist.

Man könnte ja sagen, der Naber, dieser fromme Spinner denkt sich mal wieder einen schönen heiligen Blödsinn aus. Ich bin übrigens keinem böse, der mir dies sagt.
Aber, liebe Gemeinde, lassen Sie mich diesen Vorwurf nicht so im Raume stehen lassen. Gehen wir zusammen an das Ende des heutigen Predigttextes.

Dort finden wir das Wort „Wahrlich“. Immer dann, wenn wir dieses Wort lesen, können wir es getrost mit dem Wort „Amen“ übersetzen.

Jesus zeigt uns mit diesem Wort „Amen“, dass das, was er zuvor gesagt hat und was er kurz darauf sagt, nicht die Worte von ihm sind, sondern dass es sich dabei um Gottes direkte Worte handelt. Der Mensch gewordene Gott Jesus Christus empfängt also direkt von dem, ich nenne es einmal Vater-Gott Weissagungen, die er uns weitergibt. Immer, wenn wir über dieses Wort „Wahrlich“ in der Bibel stolpern, dann sollten wir kurz zurückgehen und das vorangegangene und das nachfolgende noch einmal ganz intensiv lesen.

Und was ist nun die zentrale Botschaft, die besagt, dass der Naber eben kein frommer Spinner ist? Hier ist sie: Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht. Das sagt kein anderer als der lebendige Gott zu uns. Und was bedeutet dies für uns?
Es gibt auf Erden keine Sicherheiten, an die wir uns klammern sollen.

Weder an den Besitz noch an andere Menschen. Jesus gibt uns die Sicherheit, dass sein Wort das endgültige Wort ist. Jesus gibt uns die einzige Sicherheit in unserem Leben und in der Ewigkeit. Wenn wir alles auf die Karte Jesus setzen, dann haben wir heute schon gewonnen, auch wenn das Spiel noch gar nicht vorbei ist.

Das liebe Gemeinde, dies ist die zentrale Botschaft des Kindes in der Krippe. Es sagt uns: Ich bin für Dich auf die Welt gekommen, damit Du (hier bitte den eigenen Namen einsetzen) wieder zu mir in den Himmel zurückkehren kannst.

Ein schöneres Weihnachtsgeschenk kann es doch gar nicht geben, als dieses. Nehmen wir es doch ganz einfach dankbar an. Mehr können und mehr sollen wir auch nicht tun. Ein mir bekannter Pfarrer sagt zu Weihnachten immer wieder den Satz: Nehmt all das fromme Gedöns aus den Stuben und stellt nur eine Krippe auf, dann kommt Weihnachten von alleine.
Der Liederdichter Paul Gerhardt drückte unseren Weg zur Krippe sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Ich steh an deiner Krippen hier…“ (EG 37) aus, der da lautet, wie folgt:

Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut,
nimm alles hin und lass dir’s wohl gefallen.

Der Herr lasse Dich erkennen, wenn Du nach falschen Sicherheiten im Leben suchst
Der Herr lasse Dich erkennen, dass allein ER es ist, der Dich erlösen kann
Der Herr lasse Dich erkennen, dass ER die einzige wahre Sicherheit in

Deinem Leben ist
Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen noch einen besinnlichen 2. Advent und einen schönen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr
Ulrich Naber