ePredigt vom 07.10.2012 (1. Timotheus 4, 4-5)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Erntedanktag des Jahres 2012. Festlich geschmückt mit den Früchten des Feldes, so präsentieren sich heute deutschlandweit die Altäre in unseren Kirchen.
Grund genug, unserem Schöpfer Dank zu sagen, wenn man sich die üppige Ernte betrachtet, die er uns auch dieses Jahr geschenkt hat. Bevor wir über den heutigen Tag näher nachdenken, lassen Sie uns zuvor den Predigttext für den heutigen Erntedanktag gemeinsam lesen. Wir finden den Predigttext im 1. Timotheusbrief, Kapitel 4, die Verse 4-5:

Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.

Liebe Gemeinde,

ich glaube, unseren Predigttext müssen wir heute einmal zwischen den Zeilen lesen, denn er birgt so einiges in sich, was uns vielleicht abhanden gekommen ist. Wir nähern uns ja nun mit Riesenschritten dem Ende des Kirchenjahres. Und auch der Dank kommt am Ende des ewigen göttlichen Kreislaufes. Lassen Sie uns doch heute einmal diesen ewigen göttlichen Kreislauf ein wenig näher betrachten im Hinblick auf seine Bestandteile. Schauen wir ruhig ein wenig über den Tellerrand, sprich über den heutigen Tag hinaus, und wir werden sehen, dass eigentlich jeder Tag ein Erntedanktag ist.

1. Bitten

Nimm dir, was du kriegen kannst. So hören wir es doch an allen Ecken und Enden. Und genau damit beginnt die ganze Sache schon in eine Schräglage zu geraten. Wir sollen uns nicht einfach nehmen, was uns gefällt, sondern wir sollen unseren Herrn vorher bitten.

Die Bitte ist auch gleichzeitig ein Zeichen von Demut. Demut, die anerkennt, dass ich von Gott alles erbitten aber nichts zu beanspruchen habe. Wenn Gott mir nicht das gibt, worum ich ihn bitte, dann hält er etwas viel wunderbareres für mich bereitet. Darauf muss ich mich immer wieder besinnen.

Nehmen wir doch einfach mal die Wahl des Ehepartners. Wer bittet denn heute noch Gott, er möge ihm einen Partner an seine Seite stellen? Kaum noch einer. Und dann wundert sich ganz Deutschland, warum jede zweite Ehe wieder geschieden wird.

2. Warten und Empfangen

Heute muss ja alles immer sofort und gleich geschehen. Dieses Anspruchsdenken verlagern wir gerne aus dem beruflichen auch in das private Leben hinein. Und dann sind wir auch gleich wieder bei dem ersten Punkt. Wenn wir nicht warten können, dann nehmen wir uns, was wir kriegen können. Und diese ist selten die erste Wahl.

Kommen wir doch wieder dahin zurück, dass wir alles was wir erbittten in Gottes Hände legen und dann in aller Ruhe abwarten, was geschieht.

Wissen Sie eigentlich, was der Grundgedanke des Abwartens ist ? Wir geben unsere Zeit aus unseren Händen und legen sie voller Vertrauen in die Hand Gottes. Im Vertrauen darauf, dass er alles zur rechten Zeit am rechten Ort richtig macht, müssen wir nicht mehr wie die aufgescheuchten Hühner durch unser Leben laufen und von einem Event zum anderen hetzen.

Wenn wir unsere Zeit aus unseren Händen legen, dann, liebe Gemeinde, können wir auch wieder Gottes großartige Führung erkennen und spüren. „Meine Zeit steht in deinen Händen“, dies muss nicht erst über unserer Traueranzeige stehen. Dies sollte eigentlich über unserem ganzen Leben
auf dieser Erde stehen.

Nach dem Warten kommt das Empfangen. Nur wer stille und ruhig vor Gott wird, der kann auch erkennen, was Gott ihm alles schenken will. Wenn wir abgehetzt durch unser Leben hechten, dann werden wir die Geschenke Gottes für unser Leben achtlos am Wegesrand liegen lassen, ohne sie
überhaupt zu bemerken. Also lassen Sie uns alle wieder zur Ruhe kommen vor unserem Schöpfer.

3. Danken

Mit unserem Dank drücken wir aus: Es gibt jemanden, dem wir das alles zu verdanken haben. Es gibt jemanden, dem wir die Gaben auf dem Altar zu verdanken haben. Es gibt jemand, dem wir unseren Wohlstand zu verdanken haben und es gibt jemanden, dem wir alles, was mit uns geschieht zu verdanken haben. Wir anerkennen mit unserem „Danke“, dass es eben nicht selbstverständlich ist, dass wir die Gaben die auf dem Altar liegen, auch genießen und verspeisen dürfen. Ein paar tausend Kilometer südlich von uns ist dies noch lange nicht selbstverständlich.

Gott will, dass es seinen geliebten Kindern gut geht. Er beschenkt uns mit soviel in unserem Leben. Ist es da nicht an der Zeit, ihm jeden Tag für alles zu danken was aus seiner Hand kommt?

Übrigens auch das, was wir persönlich als Leid empfinden, kommt letztendlich aus seiner Hand. Er schenkt uns die Kraft, dass wir an dem Leid nicht zerbrechen, sondern gestärkt aus dem Leid hervorgehen. Auch ein Aspekt, so finde ich, über den man ruhig einmal am Erntedanktag
nachdenken kann. Soll ich nun auch noch dankbar sein, für alles Leid, was mir widerfahren ist ? Nein, natürlich nicht, aber für die großartige Führung Gottes, die uns durch alles Leid hindurchführt, dafür dürfen wir unserem Herrn und Heiland danken. Und das nicht nur am heutigen Tage, sondern jeden Tag, unser ganzes Leben lang. Lassen Sie uns also nicht nur einmal im Jahr den Erntedanktag feiern. Lassen Sie uns jeden Tag Gott danken für alles was wir in unserem Leben an Lebensfrüchten ernten dürfen.

Danken dürfen wir dem Herrn nicht nur mit Gebet, sondern auch mit unserem Gesang, z.B. mit dem ersten Vers des Liedes von Paul Gerhardt „Du meine Seele singe….“, der da lautet, wie folgt:

Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Es segne und behüte Dich der Vater, der dich geschaffen hat
Es segne und behüte Dich der Sohn, der dich erlöst hat
Es segne und behüte Dich der Heilige Geist, der alle Zeit bei Dir ist

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen noch einen schönen restlichen Sonntag. Genießen Sie von allen Gaben, die Ihnen unser Herr geschenkt hat und bleiben Sie wohlbehütet bis zum nächsten Sonntag.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr
Ulrich Naber