Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 11. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 2. Kapitel des Epheserbriefes, die Verse 4-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden – ; und er hat uns auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

Liebe Gemeinde,

ganz schön viel Theologie auf einmal in unserem heutigen Predigttext. Wenn wir den Predigttext aufmerksam verfolgen, dann steckt in diesem die gesamte paulinische Theologie, die man wie folgt auf den Punkt bringen kann:

Sünde, Christus, Liebe, Gnade, Glaube, Werke, Tod und Leben.

Gehen wir diese paulinische Theologie heute Morgen einmal gemeinsam durch. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen ergeht, wenn Sie auf Ihren christlichen Glauben angesprochen werden; von mir erwartet man immer kurze, knappe und knackige Antworten und keine endlosen theologischen Erklärungen der Liebe Gottes. Nehmen wir doch die paulinische Kurztheologie als Handwerkszeug für den Fall, dass auch wir einmal in aller Kürze Rede und Antwort stehen müssen.

1. Sünde

Wir sind alle in unseren Sünden tot. Wir sind keine Sünder, weil wir sündigen, sondern wir sündigen, weil wir Sünder sind. Egal, wo und wann wir das Licht der Welt erblicken, wir sind allesamt Sünder. Und Sünder haben im Himmel nichts verloren. Wir können uns das Ganze immer wieder schönreden und betonen, was wir doch für gute Menschen sind, weil wir doch schließlich dies und das und jenes getan haben. Aber auch das ändert nichts an unserem Sünderstatus.

2. Liebe

Obwohl wir vor Gott als Sünder dastehen, mit denen er nichts anfangen kann, liebt er uns trotzdem über alles. Ich glaube, uns ist manchmal so gar nicht recht bewusst, was dies bedeutet. Nehmen wir einmal unseren Nachbarn. Gehen wir mal davon aus, Sie leihen sich von ihm ein Pfund Kaffee. Natürlich geben Sie das Pfund Kaffee nicht zurück, wäre auch noch schöner. Der Nachbar klingelt an ihrer Türe und Sie beleidigen ihn erst einmal nach Strich und Faden, wie er es wagen kann, Sie zu stören und was ihm einfiele, sein Eigentum zurückhaben zu wollen. Und darüber sind Sie anschließend noch so erbost, dass sie diesem ungehobelten Kerl alle vier Reifen seines Wagens zerstechen.

Stellen Sie sich einmal vor, dieser Nachbar wäre nach wie vor die Freundlichkeit in Person, und er erklärt Ihnen, dass es für ihn nichts Wichtigeres gäbe, als Ihr Freund zu sein. Diesem Nachbarn würden wir doch alle unterstellen, dass er als Kind wohl ein wenig zu heftig geschaukelt worden ist.

Aber so ist Gott, liebe Gemeinde. Obwohl wir ihn pausenlos beleidigen, ihn immer und immer wieder verletzen, ist seine Liebe zu uns von unendlicher Natur. Vielleicht verstehen wir ja jetzt, wie sehr uns Gott liebt.

3. Christus

Gott liebt uns über alles und er wünscht sich nichts sehnlicher, als seine Gemeinschaft mit uns. Das geht aber nicht, weil der Weg zwischen uns und Gott durch unsere Sünden versperrt worden ist. Also muss Gott zunächst einmal den Weg wieder frei machen, dass wir zu ihm kommen können.

Das bedeutet de facto: Die Sünde muss weg. Irgendjemand muss dafür sorgen, dass die Sünde von uns genommen wird ohne dass wir selber dafür die Strafe ertragen müssen. Dies tat Jesus für uns indem er für alle unsere Sünden mit seinem Tod bezahlte. Den Tod, den wir eigentlich verdient haben diesen Tod nahm er auf sich.

Nunmehr war der und ist der Weg von uns zu Gott hin wieder frei, weil Jesus nicht für uns, sondern an unserer Stelle gestorben ist.

4. Glaube

Es ist zwar richtig, dass Jesus den Weg zu Gott für uns Menschen wieder freigemacht hat. Aber eine Hürde ist immer noch da. Gott möchte keinen Menschen zwingen zu ihm in den Himmel zu kommen. Und daher ist zwar der Weg bereitet, aber gehen müssen wir ihn schon selber. Glaube, liebe Gemeinde, bedeutet nichts anderes als dass ich das, was Jesus für mich getan hat annehme.

Was Jesus getan hat, ist ein Geschenk Gottes an die verlorene Menschheit. Alles, was wir machen müssen ist dieses Geschenk, welches Gott uns hinhält auch tatsächlich anzunehmen. Mehr ist wirklich nicht notwendig.

5. Gnade – Werke

Wir kennen ja alle die Redewendung Gnade vor Recht ergehen lassen. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Angeklagte eigentlich eine Strafe verdient hätte, besondere Umstände es aber ermöglichen, von der Bestrafung des Angeklagten abzusehen, als Gnade walten zu lassen.

Die besonderen Umstände, die unsere Gnade vor Gott rechtfertigen bestehen aus nichts anderem als seiner unendliche Liebe zu uns. Wir haben dazu überhaupt nichts beigetragen. Alles, aber auch wirklich alles kommt von Gott her.

Das sind wir Menschen natürlich nicht gewohnt. Man muss für alles im Leben bezahlen, das wird uns ja schließlich schon von Kindheit an beigebracht. Nichts ist im Leben umsonst lautet ein ähnlicher Glaubenssatz. Und dann fällt es uns natürlich schwer, so ein gewaltiges Geschenk von Gott einfach so anzunehmen. Man muss doch irgendetwas als Gegenleistung anbieten können. Das dachten sich schon die Menschen vor 2000 Jahren.

Und damit fing der ganze, verzeihen Sie mir diesen Ausdruck, religiöse Zirkus an und hat bis heute mächtig Fahrt aufgenommen. Man muss man mindestens einmal pro Woche in die Kirche gehen, dann muss man regelmäßig beichten gehen. Natürlich darf man sich nichts zuschulden kommen lassen. Und das ein oder andere Ehrenamt ist natürlich ein absolutes Muss. Und wehe, man macht das alles nicht, dann ist Ende mit Himmel!!!

Wenn ich nur an das religiöse Gekrampfe der Zeugen Jehovas denke, dann ist dort von der frohen Botschaft nichts mehr zu spüren. Lassen wir uns alle also nicht von Menschen ins Bockshorn jagen, die uns weismachen wollen, dass wir schließlich doch noch für unsere Erlösung den Preis bezahlen müssen.

Wenn wir einen der o.g. Preise bezahlen möchten, dann tun wir das ausschließlich aus Dankbarkeit für das, was Gott bereits für uns getan hat und nicht als Preis, den wir gefälligst zu bezahlen haben. Ich sage dies so deutlich, weil ich sehr viele Christen in meinem Leben kennengelernt habe, die ständig mit einem schlechten Gewissen unterwegs waren, weil sie mal wieder dies oder das an religiösen Handlungen vergessen hatten.

6. Tod und Leben

Das ist brutal, aber auch ganz simpel. Wer den Weg des Glaubens geht, also die Erlösungstat unseres Herrn im Glauben annimmt, der hat das ewige Leben. Er kommt nach seinem irdischen Tode in den Himmel. Wer sich demgegenüber verschließt und den Tod unseres Herrn nicht als Bezahlung für seine Sünden in Anspruch nimmt, der landet in der Hölle.

Die Entscheidung treffen wir übrigen hier auf Erden. Solange wir leben haben wir die Zeit, Ja zu Gott zu sagen. Aber bitte bedenken Sie: Keiner von uns weiß, wann denn sein letztes Stündlein auf diesem Planeten schlägt. Deshalb lieber heute als morgen den Weg himmelwärts antreten.

Von Skeptikern höre ich immer wieder folgendes: „Was soll denn das für ein Gott sein, der Menschen in die Hölle wirft ?“ Liebe Gemeinde, Gott wirft keinen Menschen in die Hölle; diesen Weg gehen wir alle selber. Jeder Mensch auf Erden hat die Möglichkeit, den Himmel zu wählen; wer ihn indes nicht will, der landet halt in der Hölle. Und dies ganz und gar freiwillig.

Unser Leben auf Erden Richtung himmelwärts beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem 6. Vers seines Liedes: „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG 529), der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen tollen Start in die neue Woche.

Bleiben Sie wohl behütet
wünscht Ihnen Ihr

Ulrich Naber

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