ePredigt vom 07.04.2019 (Johannes 18, 28 – 19,5)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 5. Sonntag der Passionszeit, dem Sonntag Judika. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Evangelisten Johannes im 18. Kapitel, die Verse 28 bis 19. Kapitel Vers 5. Lassen Sie uns diesen Predigttext zunächst gemeinsam lesen:

Da führten Sie Jesus von Kaiphas zum Prätorium; es war früh am Morgen. Und sie gingen nicht hinein, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passahmahl essen könnten.
Da kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Was für eine Klage bringt ihr gegen diesen Menschen vor? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten ihn dir nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmt ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand töten.
So sollte das Wort Jesu erfüllt werden, das er gesagt hatte, um anzuzeigen, welchen Todes er sterben würde. Da ging Pilatus wieder hinein ins Prätorium und rief Jesus und fragte ihn: Bist du der König de Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus oder haben’s dir andere über mich gesagt?
Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt.
Da fragte ihn Pilatus: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und als er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm.
Es besteht aber die Gewohnheit bei euch, dass ich euch einen zum Passafest losgebe; wollt ihr nun, dass ich euch den König der Juden losgebe? Da schrien sie wiederum: Nicht diesen, sondern Barrabas! Barrabas aber war ein Räuber. Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzen sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurgewand an und traten zu ihm und sprachen: Sie gegrüßt, König der Juden!, und schlugen ihm ins Gesicht.
Da ging Pilatus wieder hinaus und sprach zu ihnen: Seht, ich führe ihn heraus zu euch, damit ihr erkennt, dass ich keine Schuld an ihm finde. Und Jesus kam heraus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand. Und Pilatus spricht zu ihnen: Seht, welch ein Mensch!

Liebe Gemeinde,

eigentlich ein Text, der für Karfreitag eher passend wäre als für den Sonntag Judika. „Gott schaffe mir Recht“, so lautet die Übersetzung des Namens für diesen Sonntag. Recht und Gerechtigkeit gehören ja immer auch mit der Wahrheit zusammen. Wahres Recht und wahre Gerechtigkeit ohne Wahrheit sind daher schlichtweg undenkbar.

So lassen Sie uns heute morgen einmal über die Wahrheit zusammen nachdenken.

1. Was ist Wahrheit?

Diese Frage stellte sich Pilatus, als er zwischen zwei Stühlen, oder aber besser gesagt zwischen zwei Wahrheiten stand. Die Wahrheit des Sohnes Gottes und die Wahrheit der Ankläger und Leugner widersprechen sich total.

Kommt uns dies nicht bekannt vor ? Da treffen engagierte Jesusjünger auf Ungläubige und es entwickelt sich dann schnell ein Streitgespräch über den Glauben. Außenstehenden fällt es dann sehr schwer, sich ein Urteil über das zu bilden, was sie gerade so mitbekommen haben.

Die Wahrheit in der Religion zu suchen ist da sicherlich keine so gute Idee. Aber die Wahrheit in Jesus zu suchen, das könnte schon eher klappen. Aber wie komme ich zur Wahrheit ?

Wir finden die Wahrheit allein in Gottes Wort, der Bibel. Wenn die Bibel Gottes Wort ist und wenn Gott immer die Wahrheit spricht, dann ist alles, was in der Bibel steht auch tatsächlich wahr.

Und wenn wir uns jetzt das Neue Testament vornehmen und dort alles über Jesus nachlesen, dann kommen wir automatisch auch zu den „Ich bin Worten“ von Jesus im Johannesevangelium. Dort sagt Jesus einmal selbst: „Ich bin die Wahrheit und das Leben…“

Wenn wir die Bibel lesen, sie intensiv studieren und auch darüber beten, dann kommen wir zu dem Schluss, dass Jesus die Wahrheit ist. Einen anderen Schluss lässt die Bibel nämlich gar nicht zu.

Und dann ist es auch einfacher über die Wahrheit zu diskutieren. Sie macht sich nicht an irgendeiner Religion fest, sondern an der Person Jesu Christi. Und diese Wahrheit braucht keine Diskussionen über Glauben und Religion. Diese Wahrheit kann jeder persönlich erleben, der Jesus Christus in sein Leben einlädt.

2. Wie stehe ich zur Wahrheit ?

Jetzt kommt natürlich die spannende Frage: Wie gehe ich mit der Wahrheit um ? Gehe ich so damit um, dass ich es akzeptiere, dass Jesus die Wahrheit und der einzige Weg zu Gott ist.

Oder aber bastel ich mir meine eigene Wahrheit ? Und diese eigene Wahrheit kann ganz schön gefährlich werden. Wenn Jesus in dieser Wahrheit nicht mehr vorkommt, dann ist der Weg klar und ersichtlich, den ich gehe. Dies ist zum Beispiel beim Buddhismus der Fall.

Gefährlich wird meine Wahrheit, wenn Jesus immer noch irgendwie darin vorkommt, aber nur eine untergeordnete Rolle spielt. Wenn Jesus der Weg und die Wahrheit ist, dann kann ich ihn nicht zum Propheten degradieren, wie es der Islam macht.

Wenn ich zur Wahrheit stehe, dann ist alles andere als Jesus für mich nebensächlich. Alle Menschen, dies diesen Weg zu Jesus gefunden haben, berichten unisono, wie der Herr nach und nach ihr Leben umgekrempelt hat. Konsequente Anerkennung der Wahrheit führt also unter Jesu Führung in die konsequente Nachfolge hinein.

Wo zum Beispiel früher die Hobbys an erster Stelle standen, ist es jetzt die Bibel, das Gebet und die Gemeinschaft der Brüder und Schwestern, die an erster Stelle stehen.

3. Die Wahrheit im Alltag

So, und jetzt kommt noch der große Prüfstein des Alltages. Wenn wir sonntags in der Kirche Gottesdienst feiern, dann ist dies eine ganz besondere, heilige Stunde. Wenn wir an den Gemeinschaftsstunden teilnehmen, dann sind wir als Jünger und Jüngerinnen unseres Herrn unter uns. Und auch in der täglichen Gebetszeit sind wir mit dem Herrn allein auf Du und Du.

Und dann sind wir aber auch noch Menschen, die am Alltagsleben teilnehmen, also auch von ungläubigen Menschen umgeben sind.

Ist dann immer noch „Jesus First“ für uns, oder hängen wir dann unser Mäntelchen in den Wind. Wenn wir auf der Karriereleiter nach oben streben, dann kann es schon mal vonnöten sein, dass wird mit der Wahrheit ein wenig großzügig umgehen. Machen ja alle so.

Wenn es um den Verkauf meines Autos geht, dann kann man ja schon mal den einen oder anderen Mangel verschweigen. Fällt eh nicht auf und das machen doch alle so.

Und wenn es darum geht, einen Termin nicht wahrnehmen zu wollen, dann muss sie schon mal herhalten, die gute alte Notlüge.

Liebe Gemeinde, wer so mit der Wahrheit im Alltag umgeht, der geht sicherlich nicht so mit ihr um, wie der Herr es von uns erwartet. Wie ER selber stets in der Wahrheit blieb, so sollen auch wir als seine Jünger stets in der Wahrheit bleiben.

Natürlich tut dies manchmal weh. Wir verpassen vielleicht die ein oder andere Karriereposition oder aber verdienen eben nicht so viel Geld wie andere Menschen. Auch, um bei unserem Auto zu bleiben, erhalten wir einen geringeren Preis, wenn wir alle Mängel angeben. Aber, und das sagte ein guter Freund von mir, der schon in der Ewigkeit ist: „Abgerechnet wird zum Schluss.“

Also lassen Sie uns stets nach der Wahrheit streben und in ihr leben und uns von ihr leiten. Dann sind und bleiben wir auf dem Weg, den der Herr von uns erwartet.

Und wenn wir doch mal fallen sollten, und wir werden immer wieder fallen, dann gilt immer wieder das Wort unseres Herrn für uns, dass er bei uns ist alle Tage bis an der Welt Ende. Wir dürfen als gefallene Sünder nämlich immer wieder in die rettenden Arme unsreres Vaters im Himmel zurückkehren.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes unseren Herrn um seine immerwährende Gnade bitten, indem wir in den 1. und 4. Vers des Liedes „Ach bleib mit deiner Gnade…“ (EG 347) von Josua Stegman einstimmen, die da lauten, wie folgt:

Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ,
dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.
Ach bleib mit deinem Segen, bei uns, du reicher Herr;
dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag nd eine ebensolche Woche unter der ständigen Gnade unseres Herr.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber