Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 1. Sonntag nach Ostern.
In unserem heutigen Predigttext werden wir Zeugen einer ganz besonderen Begegnung, einer Begegnung mit dem auferstandenen Herrn. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im Markusevangelium, Kapitel 16, die Verse 9-14. Lasen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Als aber Jesus auferstanden war am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria von Magdala, von der er sieben böse Geister ausgetrieben hatte. Und sie ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren und Leid trugen und weinten. Und als diese hörten, dass er lebe und sei ihr erschienen, glaubten sie es nicht. Danach offenbarte er sich in anderer Gestalt zweien von ihnen unterwegs, als sie über Land gingen.
Und die gingen auch hin und verkündeten es den andern. Aber auch denen glaubten sie nicht. Zuletzt, als die elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt hatten, denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen.

Liebe Gemeinde,

eine ganz besondere Begegnung, die man schließlich nicht alle Tage erlebt, das finden wir doch sicherlich alle. Wie würden wir eigentlich heute morgen reagieren, wenn Jesus leibhaftig vor uns stünde und uns mit unserem Namen anredet? Unser Predigttext endet aber nicht mit dieser
Begegnung, sondern er geht noch weiter. Er verfolgt im Prinzip die Frage: Wie wird aus dem Unglauben der rechte und wahre Osterglaube, also der Glaube an den auferstandenen Jesus Christus?

Lassen Sie uns heute morgen ein wenig über die Phasen nachdenken, wie denn nun aus dem Unglaube ein wahrer Glaube wird.

1. Nichts ist unmöglich

Einige unter uns werden sich sicherlich noch an den Werbeslogan eines japanischen Autoherstellers erinnern. Wenn wir dies bereits einem Autohersteller zutrauen, warum dann eigentlich nicht Gott selber.

Und genau hier liegt unser Problem in unserer aufgeklärten Welt. Wir glauben nur noch, was wir sehen oder aber mit unseren Sinnen wahrnehmen können. Alles andere existiert nicht, frei nach dem Motto, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Nur hält sich Gott nicht daran.

Was können wir also tun? Als erstes sollten wir uns einmal bewusst machen, dass es mehr gibt, als wir mit unseren Sinnen er- und begreifen können. Vielleicht hilft uns sogar der technische Fortschritt dabei dieses besser zu erkennen. Hätten wir vor 30 Jahren geglaubt, dass man heute per email Briefe verschicken kann, die innerhalb von weniger Sekunden jeden Empfänger auf diesem Planeten erreichen ? Wohl eher kaum. Und doch ist dies heute möglich.

Schon der Apostel Paulus kannte dieses Problem. Er sagte einmal, dass wir auf Erden eben nur bruchstückhaft erkennen können. Wir aber einmal seine Herrlichkeit schauen dürfen.

Glaube könnte man so definieren: Meine Zustimmung zu dem, was bei Gott wahr ist. Wenn wir dies machen, sind wir schon ein gutes Stück weiter auf unserem Glaubensweg. Lassen Sie uns also wieder unserer eigenen Begrenztheit bewusst werden und einfach auf Gott und seine Allmacht
vertrauen.

2. Man sieht nur mit dem Herzen wirklich gut

Bisher war ja alles mehr oder weniger sehr kopflastig. Auch ein Problem unserer heutigen Zeit. Wir sehen und denken zu wenig mit unserem Herzen und zu viel mit unserem Kopf.

In unserem Predigttext werden ja die Emmausjünger angesprochen. Als Jesus mit ihnen auf dem Wege war, da war das Gespräch was sie zusammen führten sehr, sehr kopflastig. Es drehte sich alles nur um das, was seit Karfreitag geschehen war. Erst als Jesus ihre Herzen öffnete, da erkannten Sie die volle Wahrheit.

Sie hatten zwar schon die ganze Zeit so etwas gespürt, aber der Kopf hatte dieses Gefühl überdeckt. Hier können wir auch heute wieder ansetzen. Lassen wir in Glaubensfragen doch ganz einfach mal in erster Linie unser Herz hören und dann erst unseren Kopf. Wenn wir unser Herz für Jesus öffnen, dann wird er davon Besitz ergreifen. Und das können wir spüren und fühlen. Und was wir spüren und fühlen können, das wird auch von unserem Kopf akzeptiert.

Jesus geht nicht den Verstandesweg, sondern den Herzensweg des Glaubens. Öffnen wir ihm doch wieder den Weg zu unseren Herzen.

Jetzt höre ich natürlich schon wieder die Kritiker unisono sagen, dass der Glaube nur etwas für Menschen ist die ausgesprochen dämlich sind. Bitte, so war es nicht gemeint. Natürlich will unser Herr auch dass wir in Glaubensfragen unseren Kopf benutzen. Aber eben nur zusammen mit
unserem Herzen.

Nur wenn wir beides zusammen einsetzen, werden wir den Weg zum Osterglauben beschreiten können

3. Weil einfach einfach einfach ist

Schon wieder ein Spruch aus der Werbung. Aber, liebe Gemeinde, Werbefachleute können eines sehr gut, nämlich schwierige Sachverhalte auf einen Satz herunter brechen, der uns fortan als Leitsatz begleiten soll.

Schauen wir noch einmal auf unseren Predigttext. Maria von Magdala hatte Jesus gesehen und ihm einfach geglaubt. Genau so sieht der wahre Osterglaube aus.

Aber nur all zu menschlich geht die Geschichte weiter. Als sie den Jüngern dies erzählte, wurde ihr nicht geglaubt. „Was die wohl wieder gesehen hat ! Was sich Frauen nicht alles so einbilden können. Eine lebhafte Phantasie hat sie ja, die gute Maria.“ So werden die Jünger wohl gedacht haben.

Als dann auch noch die Emmausjünger von ihrem Erlebnis berichteten, wurde auch diesen nicht geglaubt. „Das kann doch gar nicht sein. Wer weiß, wo die überall eingekehrt sind auf ihrem Wege. Und überhaupt, warum ist ER uns denn noch nicht erschienen ?“ Alles Fragen, die sich die Jünger wohl gestellt haben könnten.

Und dann erscheint Jesus ihnen allen. Kurz und knapp, ohne Umschweife kommt er auch sogleich zum Thema. Es geht um die Härte unseres Herzens, damals wie heute. Diese Herzensverhärtung verhindert unseren einfachen Glauben. Aber genau dieser einfache Glaube ist es, der uns den Weg zum Osterglauben weist.

Es ist nicht das ausgeklügelte theologische Jesusmodel, dass unsern Kopf davon überzeugt, dass Jesus unser Herr ist. Nein es ist der einfache Glaube der Maria von Magdala, der uns unserem Herrn näher bringt.

Und diesen einfachen Glauben können wir alle haben, wenn wir nur noch unser Herz sprechen lassen und all unsere theoretischen Zweifel über Bord werfen. Dann werden wir erleben, wie unser Herr in unsere Herzen einzieht und von uns Besitz ergreift.

Gehen wir doch alle das ganze Jahr über diesen einfachen Herzensweg des Glaubens und lassen uns nicht mehr verrückt machen von allen möglichen modernen theologischen Konstrukten, die uns davon abzubringen versuchen.

Diese Glaubenshaltung bleibt natürlich nicht ohne tiefe innere Wirkung in uns. Eine dieser Wirkungen beschreibt der Liederdichter Gerhard Tersteegen sehr schön in dem 4. Vers seines Liedes „Ich bete an die Macht der Liebe…“, der da lautet, wie folgt:

O Jesu, dass dein Name bliebe
im Grunde tief gedrücket ein;
möcht deine süße Jesusliebe
in Herz und Sinn gepräget sein.
Im Wort, im Werk und allem Wesen
sei Jesus und sonst nichts zu lesen.

Der Herr öffne Dein Herz für sein Wort
Der Herr lasse sein Wort in Dir wirken
Der Herr wirke durch Dich in Deinen Mitmenschen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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