ePredigt vom 06.12.2015 (Jakobus 5, 7-8)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 2. Sonntag im Advent.
Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Jakobusbrief, Kapitel 5, die Verse 7-8. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Mahnung zur Geduld

So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und den Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.

Liebe Gemeinde,

zugegeben, ein recht kurzer Predigttext. Und doch steckt in ihm alles, was wir darüber wissen müssen, wie wir uns auf das Kommen des Herrn vorbereiten sollen. Wir gedenken in diesen Tagen ja des 1. Kommen unseres Herrn in diese Welt. Aber er wird noch einmal wiederkommen. Und wie wir uns bis dahin hier auf Erden verhalten sollen, das teilt uns Jakobus heute Morgen mit.

Jakobus teilt uns mit, dass wir unsere Herzen stärken sollen und uns in Geduld üben sollen. Lassen Sie uns diese beiden Anweisungen versuchen, mit konkreten Inhalten zu füllen.

1. Die Herzen stärken

Im Urtext finden wir hierfür das Wort „sterizo“, was übersetzt dreierlei
bedeutet:

-sich fest auf etwas ausrichten
-sich entschlossen jemandem zuwenden
-festgelegt sein auf etwas

Damit können wir schon etwas mehr anfangen. Wir sollen unsere Lebensspanne hier auf Erden damit verbringen, dass wir uns auf unseren Herrn ausrichten. Dadurch bekommt unser Leben eine ganz bestimmte Richtung, die von uns weg weist und auf den Herrn Jesus hinweist.

Wenn wir uns auf Jesus ausrichten, dann sind nicht mehr wir der Mittelpunkt unseres Lebens, sondern wir machen diesen Herrn Jesus zum Mittelpunkt unsers gesamten Daseins hier auf Erden.

Wie wende ich mich aber ganz entschlossen dem Herrn Jesus zu? Na, zuerst einmal dadurch, dass ich mit ihm rede. Wir Christen sagen natürlich Gebet dazu. Unser Herr ist immer nur ein Gebet weit entfernt von uns. Er wartet nur darauf, dass wir ihn anreden um seinerseits dann in eine tiefe Beziehung mit uns einzutreten. Wenn ich mich entschlossen jemandem zuwende, dann interessiert mich dieser jemand ja ganz besonders. Und wenn mich jemand ganz besonders interessiert, dann möchte ich doch auch möglichst viel von ihm erfahren. Das ist doch richtig, oder?

Alles, was ich von Jesus erfahren kann finde ich natürlich in der Bibel.
Wir alle kennen natürlich unsere Bibel bestens. Wenn ich einen „Glaubensneuling“ dazu ermuntern möchte, die Bibel zu lesen, dann höre ich oft, dass man mit dieser alten Sprache kaum noch etwas anzufangen vermag. Deshalb empfehlen Sie, wenn man Sie fragt, zum Einstieg doch besser eine sprachlich an unsere Zeit angepasst Version.

Und trotz allem Bibelstudium stehe ich doch mit meinen ganzen noch verbleibenden Fragen und Zweifeln ganz alleine dar. Das wusste natürlich schon der Herr Jesus und hat uns angeraten, den Glauben in Gemeinschaft zu üben. In der Gemeinschaft finden wir Ansprechpartner für unsere offenen Fragen, aber auch kompetente Ansprechpartner für all unsere Zweifel. Und in der Gemeinschaft können wir gemeinsam mit unserem Herrn reden.

Wenn wir dies tun, dann stärken wir nicht nur unsere Herzen, sondern ER stärkt unsere Herzen, damit wir fest mit ihm verbunden bleiben.

2. Geduld

Geduld ist natürlich nicht jedermanns Sache. Ich möchte auch am liebsten alles sofort und gleich erledigt wissen. Manchmal macht es mich richtiggehend unruhig, wenn ich ein Geschehen nicht beeinflussen kann und einfach abwarten soll. Aber ist das dann Geduld?

Ich habe einfach mal den Herrn Google befragt, was er denn über Geduld sagt:

„Geduld ist die Fähigkeit oder die Bereitschaft, etwas ruhig und beherrscht abzuwarten oder zu ertragen.“

Übertragen wir dies doch einmal auf unser Warten auf das Kommen unseres Herrn. Für alle stets Ungeduldigen finden wir neben dem Wort Fähigkeit das Wort Bereitschaft. Bereit zur Geduld bin ich ja, aber meist recht unfähig dazu.

Aber ich kenne einen, wenn ich mich an den wende, dann lehrt er mich auch die Geduld. Und das lehrt er jeden, der ihn darum bittet.

Jetzt sollen wir etwas beherrscht abwarten. Wenn ich beherrscht etwas tue, dann unterscheidet sich dies von dem Gegenteil, nämlich dem blinden Aktonismus. Alles, was ich beherrscht tue, das ist auf ein Ziel ausgerichtet, das tue ich in Ruhe aber in einer Stetigkeit, die mich immer weiter an das Ziel heranführt.

Wenn wir etwas ruhig und besonnen tun, dann werden wir auch als Menschen wahrgenommen, die ganz genau das Ziel kennen und ganz genau den Weg, wie sie dieses erreichen. Und wer uns dies ansieht, der wird ganz gewiss neugierig auf das sein, was uns so entschlossen unseren Weg gehen lässt.

Wir sollen also ganz entschlossen unseren Weg in dieser Welt gehen, immer mit dem Ziel auf unsere ewige Heimat hin. Wir sollen all das tun, was uns näher zu Jesus hinbringt und all das lassen, was uns von Jesus entfernt. Ganz sicher machen wir auch Fehler auf diesem Wege. Wenn wir dann unseren Herrn bitten, dann wird er uns auch wieder auf den rechten Weg zurückführen.

Und dann bleibt bei der Definition der Geduld noch die Sache mit „oder etwas zu ertragen“. Liebe Gemeinde, das Leben in der Gemeinschaft mit unserem Herrn ist nicht immer rosig. Solange wir als Christen in dieser Welt leben, wird uns auch das ein oder andere Leid nicht erspart bleiben.

Als Christen kennen wir aber das große Finale. Und weil wir das Ende kennen und ganz genau wissen, dass auch wir dereinst in den Himmel kommen werden, gerade deshalb können wir auch die Unbillens des Lebens hier auf Erden besser ertragen. Vielleicht schaffen wir es ja auch dann im Leiden einmal nicht die „Warum trifft es gerade mich?“ Frage zu stellen, vielleicht schaffen wir es ja, die Sinnfrage hinter diesem Leid zu stellen. Vielleicht will uns der Herr ja gerade im Leiden etwas ganz besonderes mitteilen.

Wenn ich mich mit alten Geschwistern unterhalte, die nach dem 2.Weltkrieg auf der Flucht waren, dann höre ich immer wieder, wie nahe Gott diesen Menschen in ihrem Leide war. Manche Flüchtlinge beschreiben diese Zeiten sogar als die Zeit, wo Ihnen Gott ganz, ganz nahe gewesen ist.

Wir wollen nun natürlich kein Leid herbeisehnen, aber wir können voller Vertrauen unserem Herrn entgegen gehen in der festen Gewissheit, dass er stets an unserer Seite ist, egal, was auch immer passiert. Denken wir doch auch einmal daran, wenn wir das Kind in der Krippe näher betrachten.

Wie wir uns auf das Kommen des Herrn vorbereiten können, das beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem 7. Vers seines Adventsliedes „Wie soll ich dich empfangen…“, der da lautet, wie folgt:

Ihr dürft euch nicht bemühen noch sorgen Tag und Nacht, wie ihr in wollet ziehen mit eures Armes Macht.
Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust, all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewusst.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen einen geruhsamen 2. Advent und eine schöne neue Adventswoche. Vielleicht schaffen wir es ja, ein wenig zu entschleunigen und uns ein wenig auf die Geduld einzustellen, die Jakobus uns beschreibt.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber