ePredigt vom 06.03.2011 (Lukas 10;18-32)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Estomihi. Die Bibel, ein altes Buch mit überholten Inhalten, das höre ich mehrmals wöchentlich. Gegen das Wort „alt“ kann man eigentlich nur sagen, dass gerade die Weisheit im Alter kommt. Und Weisheit hat eigentlich noch niemandem geschadet. Und die Sache mit den überholten Inhalten widerlegt der heutige Predigttext, nimmt er sich doch der heute so beliebten Leistungsgesellschaft und deren Problematiken an. Wir finden den
Predigttext für den heutigen Sonntag im Lukasevangelium, Kapitel 10, die Verse 38-42.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Maria und Marta

Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen ? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll ! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

Liebe Gemeinde,

wir haben soeben zwei vollkommen unterschiedliche Menschen kennen gelernt. Und wenn man die Geschichte ein wenig oberflächlich betrachtet, dann schneidet die augenscheinlich faule Maria gar nicht gut ab. Marta hingegen, die sich so richtig in’s Zeug legt findet schnell unsere Sympathien. Und was meint Jesus dazu ? Genau das Gegenteil, liebe Gemeinde. Und deshalb sollten wir über diese Worte Jesu ein wenig näher nachdenken. Schauen wir uns die beiden Personen doch einmal genauer an.

1. Marta

Marta ist der typische Vertreter der heutigen Leistungsgesellschaft, deren Segen uns ja von allen möglichen wirtschaftlichen Institutionen immer wieder gepredigt wird. Sie erhält eine Aufgabe und kniet sich sofort in diese hinein. Sie arbeitet und rackert bis diese Aufgabe erledigt ist. Und dann kommt die nächste Aufgabe, heute würde man sagen, der nächste Schritt auf der Karriereleiter. Und wieder kniet man sich in die neue, noch verantwortungsvollere Aufgabe hinein, bis auch diese
erfolgreich abgeschlossen werden kann.

Und diese Gesellschaftsform ist es doch, die uns heute prägt. Wir leben doch alle irgendwie in einem Hamsterrad. Leben wir arbeitgeberkonform, dann wird der Käfig irgendwann vergoldet. Wenn wir so unser Leben leben, dann kommen mächtige Probleme auf uns zu, die wir in unserer
Arbeitsverliebtheit gar nicht erkennen. Als erstes verlieren wir den Blick für unsere Mitmenschen. Wir sind derart mit uns selbst beschäftigt, dass uns der Mitmensch gar nicht mehr interessiert.

Da wir natürlich den einzigen richtigen Weg gehen, werden andere schnell von uns vorverurteilt und z.B. als faul angesehen. Unser heutiger Predigttext zeigt sehr eindrucksvoll, wie schnell dies gehen kann. Wenn wir so leben, dann werden wir ganz schnell ganz einsam werden. Aber
nicht nur dies.

Gehen wir ruhig einmal einen Schritt weiter. So lange alles gut geht, finden wir in der Arbeit unseren festen Halt. Lob und Beförderung bestätigen uns ja immer wieder, dass wir auf der richtigen Seite sind. Denken wir einfach nur einmal zwei Jahre zurück, als viele Unternehmen
von der Krise durchgerüttelt worden sind. Wie viele Menschen haben in dieser Zeit ihren Arbeitsplatz verloren. Und dann war es auf einmal nicht nur die Finanzkrise, dann kam auch noch eine ausgewachsene Sinnkrise hinzu.

Alles, das was angeblich dem Leben Sinn verliehen hat, war mit einem Federstrich vorbei. Leider endeten viele dieser Sinnkrisen dann auch in Selbsmorden. Und hier will uns unser Predigttext aufrütteln. Wir sollen erkennen, dass unsere Arbeit und Streben nicht alles ist. Sie sind ohne
Zweifel ein wichtiger Teil unseres Lebens, aber eben nicht das wichtigste. Es muss also noch etwas anderes geben. Und dies erkannte:

2. Maria

Augenscheinlich ist Maria ja doch recht faul. Das könnte man so sehen.
Oberflächlich betrachtet mag dies ja auch stimmen, aber wenn wir uns Maria ein wenig näher betrachten, dann erkennen wir, dass etwas anderes dahinter steckt. Maria hat ein Zentrum in ihrem Leben entdeckt. Immer dann, wenn Menschen sich auf den auferstandenen Herrn einlassen, dann
ändert sich etwas in ihrem Leben.

Wie hat es der Liederdichter Reinhard Mey einmal so schön beschrieben:
„Was vorher groß und wichtig erscheint, wird auf einmal nichtig und klein“. Jesus setzt neue Maßstäbe im Leben eines Menschen. Auf dem Thron unseres Herzens sitzen dann nicht mehr wir, sondern unser Herr. In diesem Zusammenhang muss ich einmal etwas los werden, was mir immer
wieder begegnet.

Es geht um Gehirnwäsche. Immer dann, wenn Menschen dem Herrn Jesus begegnen, verändert sich auf dramatische Art und Weise ihr gesamtes Leben. Außenstehende sprechen dann schnell von Gehirnwäsche seitens der Kirche. Um es klipp und klar zu sagen: Jesus betreibt keine Gehirnwäsche. Er betreibt eine Herzenswäsche. Er wäscht unsere von Dreck umgebenen und verhärteten Herzen und macht sie frei für Seine Botschaft. Und wenn wir Seine Botschaft dann in der Klarheit Seines Wortes aufnehmen, dann verändert sich logischerweise ziemlich viel in uns. Aber wir bleiben immer noch wir selbst.

Und dies geschah auch mit Maria. Ihr Herz wurde angerührt von diesem Jesus. Gewiss hatte sie sich vorgenommen, ihrer Schwester zu helfen. Aber irgendwie kam sie nicht von Jesus los. Eine Kleinigkeit sollten wir in diesem Zusammenhang noch beachten. Maria begegnete Jesus nicht auf
Augenhöhe. Nein, sie setzte sich zu Seinen Füßen. Dieses kleine Detail verrät uns, dass Maria ihren Stand als Sünderin erkannt hatte. Sie ging, so würde man heute sagen, vor dem Herrn in die Knie. Und dann lauschte sie ganz gebannt Seinen Worten.

Und dies möchte der Herr auch von uns. Wir sollen eben nicht den Gesetzen der Leistungsgesellschaft gehorchen, sondern Seinen Gesetzen. Wenn wir in unserem Leben unserem Herrn immer und überall die erste Stelle einräumen, dann, liebe Gemeinde, werden wir in Ihm immer einen festen Halt haben. Das bedeutet nicht, dass die Stürme des Lebens nunmehr an uns vorbeiziehen. Nein, es kann sogar das Gegenteil geschehen, dass uns die Stürme des Lebens ganz besonders hart treffen. Aber sie können uns nicht mehr umwerfen, weil wir in dem auferstandenen
Herrn einen festen Halt haben, den uns kein Mensch bieten kann.

Und dieser feste Halt bleibt uns auch nach unserem Tode erhalten, nur können wir Jesus dann in Augenhöhe begegnen und ewige Zeiten mit Ihm verbringen. Lassen wir uns also nicht mehr blenden von dem Glanz und dem Pomp, den die Welt angeblich zu bieten hat. Letztendlich ist dies alles einmal vorbei. Im Angesicht Gottes verliert jedes Bankkonto und jedes auch noch so teure Statussymbol seinen Wert.

Ich möchte an dieser Stelle auch nicht missverstanden werden. Gott hat rein gar nichts gegen eine Arbeitsstelle. Die Früchte der Faulheit können wir alle in den Sprüchen Salomos nachlesen. Nur alles soll seine richtige Priorität bekommen. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen, so lesen wir es in der Bergpredigt, die ja auch immer wieder als die Regierungserklärung Gottes bezeichnet wird.

Und dieser Regierungserklärung dürfen wir alle unser vollstes Vertrauen schenken. Und dann können wir auch zustimmen, wenn Jesus zu Marta sagt, dass Maria den guten Weg gewählt hat. Wir können sogar noch einen Schritt weiter gehen. Maria hat den einzig richtigen Weg gewählt.

Und wenn auch wir diesen Weg als den einzig richtigen Weg erkennen, dann können wir voller Inbrunst in den ersten Vers des Liedes von Paul Gerhardt “ Du meine Seele singe…“ einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Du meine Seele singe,
wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge
zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben
hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben,
solang ich leben werd.

Der Herr schenke Dir jeden Tag die Zeit, SEIN Wort zu lesen
Der Herr schenke Dir die Kraft, SEIN Wort in die Tat umzusetzen
Der Herr schenke Dir die Freude, SEIN Wort weiter zu geben

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die folgende Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber