ePredigt vom 05.10.2014 (Hebräer 13,15-16)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich zum heutigen Erntedanktag des Jahres 2014. Zu einer erfolgreichen Ernte gehört sicherlich die harte Arbeit. Ganz ohne Zweifel. Aber ohne Gebet kann eine noch so harte Arbeit ins Leere laufen. Mit beiden Elementen beschäftigt sich unser heutiger Predigttext, den wir im 13. Kapitel des Hebräerbriefes, die Verse 15-16 finden. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

So lasst uns nun durch ihn Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Gutes zu tun und mit andern zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.

Liebe Gemeinde,

in meiner ländlichen Heimat sieht man sie in diesen Tagen zuhauf vorbeifahren, die vollgeladenen Erntewagen. Glücklich und doch erschöpft sitzen die Erntehelfer meist obenauf und lassen sich nach Hause fahren. Und auch auf den Altären finden wir heute einmal nicht den sonst üblichen Altarschmuck, sondern Früchte und Gemüse. Gegenstände, die die erfolgreiche Ernte repräsentieren sollen.

Auf einem Altar deswegen, weil beides, also das Arbeiten und die Ernte auf der einen Seite, aber auch das Gebet auf der anderen Seite miteinander verbunden sind. Das haben wir ja soeben in unserem Predigttext gehört. Lassen Sie uns am heutigen Erntedanktag darüber ein wenig nachdenken.

1. Das Gebet

Mit unseren Lippen bekennen wir Gott als unseren Schöpfer und Herren.
Das ist zunächst einmal nur eine Worthülse, die nicht allzu viel aussagt. Was steckt also dahinter? Wenn wir Gott als unseren Herrn und alleinigen Schöpfer bekennen, dann drücken wir damit aus, dass wir uns in allen Dingen, auch in den kleinsten Dingen unseres Alltages allein auf ihn verlassen und ihm allein vertrauen.

Als Christen vertrauen wir darauf, dass Gott unser Leben in seinen Händen trägt und wir all unsere Nöte, Sorgen und Probleme loslassen und ihm überlassen können.

Als Christen vertrauen wir auch darauf, dass Gott uns mit allem, was wir benötigen immer und überall versorgt. Stellvertretend sehen wir die Gaben auf dem Altar. Damit zeigen wir, dass alles von Gott her kommt und dass wir einen Teil davon wieder zurückgeben möchten.

Wenn wir uns allein auf unseren Herrn verlassen, dann haben wir es als Christen gar nicht mehr nötig nach Macht, Geld und Ansehen zu streben. Wie viel, liebe Gemeinde ist auf diesen drei Altären Geld, Macht und Ansehen schon geopfert worden. Wie viele Familien sind an diesen Götzen zerbrochen. Und wie viele Menschen haben diese Götzen in ihr Unheil geführt. Davon dürfen wir uns getrost frei machen.

Wenn wir die Gaben auf dem Altar betrachten, dann sind sie das Zeugnis dessen, dass uns Gott zur rechten Zeit, das rechte hat tun lassen. Die Welt mag dies alles vielleicht „Zufall“ nennen. Wir nennen es Gottes Führung.

Und an dem heutigen Tage möchten wir Gott dafür danken, dass er uns auch für das nächste Jahr wieder mit genügend Nahrungsmitteln und allem, was wir zum Leben benötigen, gesegnet hat.

2. Die Arbeit

Wir wollen an dieser Stelle nicht vergessen, dass zu einer erfolgreichen Ernte auch ein gerüttelt Maß an Arbeit gehört. Gott lässt es zwar wachsen und gedeihen, aber in die Scheunen einfahren das müssen wir schon selber.

Aber auch die Arbeit kann ein Gottesdienst sein, wenn wir sie als Gottesdienst ausgestalten. Dies erwartet nämlich unser Herr von uns. Nicht nur am heutigen Erntedanktag, sondern an 365 Tagen im Jahr.

Gott erwartet, dass wir unseren Gebeten auch Taten folgen lassen. An den Taten, liebe Gemeinde, sollen uns unsere Mitmenschen erkennen. Unsere Taten sollen sie aufhorchen lassen und neugierig machen auf uns und auf unsere gute Botschaft.

Was verstehen wir denn nun unter Taten ? Nun, das lesen wir in unserem heutigen Predigttext, nämlich Gutes tun und teilen.

Stellvertretend sehen wir auf dem Altar einen Bruchteil unserer Ernten diesen Jahres. Wir bringen sie als eine Art Danksagung zu Gott zurück. Aber die Gaben sollen uns auch daran erinnern, dass wir von dem, was wir haben auch abgeben sollen.

Denken wir nur an die Nöte der Menschen im Irak oder in Syrien. Wir merken dann ganz schnell, wie gut es uns doch geht. Mit einem „Danke Gott, dass es mir so gut geht“ ist es aber nicht getan. Gewiss, wir dürfen es auch genießen, dass es uns gut geht, wir müssen uns dessen nicht schämen. Das meinen ja einige christliche Gruppierungen. Das ist natürlich völlig unbiblisch. Aber wir sind aufgefordert, von unserem Wohlstand abzugeben.

Geben wir doch von dem ab, womit uns unser Herr so großzügig gesegnet hat. Geben wir doch dem, der Hunger und Durst hat, etwas von unserem Überfluss ab. Wenn wir nur 10 % dessen, was wir sonst für die berühmte „hohe Kante“ vorgesehen haben abgeben, dann können wir ein gutes Stück
weit, dem Hunger und dem Elend dieser Welt Paroli bieten.

Noch mehr Gutes können wir tun, wenn wir anderen Menschen von Gott, seiner Macht und seiner Kraft und seiner Liebe zu uns Menschen berichten und auch diese Menschen dazu bringen, es uns nachzutun.

Fangen wir doch gleich heute am Erntedanktag damit an.

Unseren Dank an unseren Herrn drückt der Liederdichter Martin Rickart
sehr schön in dem 1. Vers seines Liedes : „Nun danket alle Gott…“ aus, der da lautet, wie folgt:

Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen,
der große Dinge tut an uns und allen Enden,
der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an
unzählig viel zu gut bis hierher hat getan.

Der Herr erhöre alle Deine Gebete für Deine Mitmenschen
Der Herr helfe Dir, allen Deinen Mitmenschen Gutes zu tun
Der Herr mache Dein Herz frei zum Teilen mit Deinen Mitmenschen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Erntedanktag und einen guten Start in die neue Herbstwoche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber