Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem 2. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 2. Kapitel des Epheserbriefes, die Verse 17-22. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Liebe Gemeinde,

wer auf Facebook schon einmal unterwegs war, hat sicherlich bemerkt, dass man dort seinen Beziehungsstatus ändern kann. Vor 2000 Jahren lebte jemand auch unserer Erde, der durch seinen Opfertod unser aller Beziehungsstatus gegenüber Gott geändert hat.

Wir, die wir in der Gottesferne lebten, haben seit dem Kreuzestod Jesu, wenn wir es denn auch wirklich wollen, einen geänderten Beziehungsstatus Gott gegenüber. Vom gottesfernen Sünder hat uns Jesus den Weg zum Familienmitglied Gottes geebnet. Was sich dadurch geändert hat, das wollen wir uns heute Morgen anhand unseres Predigttextes einmal etwas näher anschauen.

1. Der alte Status: Fremdling

Unseren alten Status beschreibt unser Predigttext als Fremdling. Ein Fremdling war jemand, der eben nicht mit dazugehörte. Genau, wie wir nicht dazugehören, zur Familie Gottes, bis zu unserer Bekehrung. Gewiss, auch dem Fremdling gegenüber war man freundlich gesinnt und man hat ihm kein Hausverbot erteilt. Auch der Fremdling durfte am Tisch des Hauses Platz nehmen und seine Mahlzeit einnehmen.

Doch irgendwann war es dann soweit, der Fremdling musste wieder das Haus verlassen. Der Fremdling ist also kein Familienmitglied. Er hat keinerlei Bleiberechte und muss also irgendwann wieder weiterziehen.

Fremdlinge das waren wir alle irgendwann einmal. Und es tut gut, dass wir uns daran immer wieder einmal erinnern. Fremdlingen gegenüber, also Menschen, die im Glauben eben noch nicht den entscheidenden Schritt getan haben, sollen wir uns immer wieder freundlich und zuvorkommend verhalten. Es ist eben nicht unsere Aufgabe, diese außen vor zu lassen. Es ist unsere Christenpflicht, gerade diese Fremdlinge davon zu überzeugen, dass auch Sie Kinder Gottes werden.

Ich weiß, viele Gemeinden schotten sich Fremdlingen gegenüber lieber ab, als dass sie sie aufzunehmen versuchen. Das hat man ganz besonders deutlich im letzten Jahr sehen müssen, als Flüchtlinge in großer Zahl als Fremdlinge zu uns gekommen sind. Geben wir doch gerade diesen Fremdlingen das Gefühl, dass auch sie zuhause ankommen dürfen.

2. Der neue Status: Geliebtes Kind

Wie wir gesehen haben, sind wir von Natur aus eben vor Gott Fremdlinge. Durch unsere Bekehrung erhalten wir aber eine entscheidende Veränderung in unserem Beziehungsstatus. Aus Fremdlingen werden wir zu Gottes geliebten Kindern.

Mit dieser Änderung unseres Beziehungsstatus sind mancherlei Rechte verbunden, die der Fremdling eben nicht hat. Als Kinder haben wir ein Bleiberecht in des Vaters Hause. Und unser Vater im Himmel hat natürlich eine Fürsorgepflicht für seine Kinder. Genau, wie wir für unsere irdischen Kinder eintreten und alles tun, damit es ihnen wohl ergeht, genau so hat unser himmlischer Vater nur das Wohl seiner Kinder im Auge.

Das heißt nicht, dass wir ab sofort in Schlaraffia wohnen und wir alles bekommen, was wir uns wünschen oder alles erreichen, was uns persönlich lieb und teuer ist. Der himmlische Vater gibt uns nämlich genau das, was uns aus seiner Sicht heraus zu unserem Wohle dient. Wie unsere irdischen Kinder auch so manchen Verzicht erst viel später im Leben begreifen, so verstehen wir auch manches Mal Gottes Handeln an uns auch nicht sofort, sondern erst viel später.

Als Kinder des himmlischen Vaters dürfen wir aber gewiss sein, dass ER nur das tut, was gut für uns ist.

Mit den Rechten sind aber auch Pflichten verbunden. Mit einem Male haben wir Millionen von Geschwistern, die wie wir von Fremdlingen zu Kindern geworden sind. Wie wir vielleicht früher auf unsere jüngeren Geschwister achten mussten, wenn die Eltern mal kurz weg waren, so haben wir hier auf Erden auch die Pflicht auf unsere Glaubensgeschwister acht zu geben. Droht einer zu fallen, so sollen wir ihm rechtzeitig zu Hilfe eilen. Genau so haben wir mit einem Male natürlich auch viele ältere Geschwister bekommen, die auf uns achten. In Gottes Familie geht es genauso zu, wie in einer irdischen Großfamilie.

3. Unsere Ansprüche

Mit unserer Gotteskindschaft ist natürlich auch ein Erbe verbunden. Als Gottes Kinder haben wir den Anspruch in den Himmel zu kommen. Ja, Sie haben richtig gelesen, wir sind keine Bittsteller mehr, mit unserem Ja zu unserem Herrn treten wir unser Erbe an und somit auch den Erbanspruch. Häufig wird uns ja beigebracht, dass wir uns den Himmel immer wieder verdienen oder erdienen müssen. Das stimmt überhaupt nicht. Mit meiner Bekehrung bin ich Gottes geliebtes Kind, welches einen unabdingbaren Erbanspruch besitzt. Diesen Erbanspruch kann mir niemand mehr streitig machen. Noch nicht einmal Gott könnte dies tun, würde er doch dann seine Glaubwürdigkeit verlieren.

Ich bin natürlich auch weiterhin in meiner Entscheidung frei. Wenn ich das Erbe ausschlage, dann nimmt Gott auch dies zur Kenntnis. Ändere ich meine Gesinnung indes wieder, so nimmt er mich mit seinen leibenden Armen wieder als sein Kind an.

Daher sollen wir als Christen auch nicht duckmäuserisch durch die Welt gehen und ständig Angst davor haben, „unseren Himmel“ verlieren zu können. Nein, wir dürfen aufrecht und selbstbewusst durch unser Leben schreiten immer in der festen Gewissheit, dass wir den himmlischen Erbschein jeden Tag unseres Lebens bei uns tragen. Eingelöst wird dieser Erbschein natürlich erst nach unserem irdischen Ende.

Da wir wissen, dass mit diesem Leben eben nicht alles vorbei ist, dürfen wir es auf Erden auch etwas gelassener angehen lassen. Da wir wissen, dass wir im Himmel landen, ändern sich natürlich auch unsere irdischen Prioritäten. Es ist eben nicht mehr wichtigstes Ziel meines Lebens, dass ich hier auf Erden möglichst viel erlebe. Ich muss eben nicht mehr alles in dieses kleine Leben hineinpressen, was eben noch so geht. Ich habe ja die ganze Ewigkeit vor mir und kann mich daher ganz entspannt den wirklich wichtigen Dingen auf Erden widmen, zum Beispiel der Frage, wie es mir gelingen kann, möglichst vielen Menschen dabei zu helfen, dass diese ebenfalls von Fremdlingen zu Gottes Kindern werden.

Wie ich mich anbetend den wirklich wichtigen Dingen in meinem Leben widmen kann, das beschreibt der Liederdichter Gerhard Tersteegen sehr schön in dem 2. Vers seines Liedes „Ich bete an die Macht der Liebe…“ (EG 661), der da lautet, wie folgt:

Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart;
ich geb mich hin dem freien Triebe, wodurch ich Wurm geliebet ward;
ich will, anstatt an mich zu denken,
ins Meer der Liebe mich versenken.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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