ePredigt vom 05.05.2016 (Apostelgeschichte 1, 3-4; 8-1)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Himmelfahrtstag im Jahre 2016. Den Predigttext für den heutigen Tag finden wir im 1. Kapitel der Apostelgeschichte, die Verse 3-4 und 8-11. Lassen Sie uns diesen Text zunächst einmal gemeinsam lesen:

Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt. Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

Liebe Gemeinde,

Da standen die Jünger wohl sichtlich erstaunt und schauten dem Herrn nach, wie er vor ihren Augen in den Himmel entschwand. Das würden wir doch wohl auch alle getan haben wenn wir damals als Zeugen dabei gewesen wären. Aber damit war es ja nicht getan. Und so sagten ihnen zwei Männer in weißen Gewändern: „Was steht ihr da und seht zum Himmel?“, was gleichbedeutend ist mit „Steht nicht nur so rum, tut etwas!“ Lassen Sie uns einmal gemeinsam überlegen, welche Aufträge die Jünger damals und auch wir heute wahrnehmen sollten bis unser Herr wiederkommt.

1. Die Rüstzeit

„Alles ist besser, als nichts zu tun.“ Diese Redensweise ist uns allen sicherlich schon einmal begegnet. Und welchen Auftrag gibt Jesus seinen Jüngern mit auf den Weg ? Genau das Gegenteil. Warten sollen sie und Jerusalem erst dann verlassen, wenn sie mit der dazu notwendigen Kraft ausgerüstet worden sind.

Dieser Auftrag gilt uns allen heute genauso, wie er damals den Jüngern galt. Wir sollen nicht einfach drauflos preschen und das machen, was uns als christlich und gerade deswegen notwendig erscheint. Auch wir sollen auf die Kraft des Heiligen Geistes warten bis diese uns erfüllt. Mit der Fülle des Heiligen Geistes überträgt uns Gott auch die Aufgaben, die er für uns vorgesehen hat und deren Erledigung er auch von uns erwartet.

Wenn wir dies tun, liebe Gemeinde, dann kommen wir immer in vorbereitete Verhältnisse. Der Herr geht vorweg und räumt uns die Hindernisse so aus dem Weg, dass wir unseren Aufgaben gerecht werden können. Sind wir nicht alle schon einmal bei unserem Dienst für den Herren so richtig vor die sprichwörtliche Wand gelaufen? Kann es sein, dass wir dabei eher eigenmächtig gehandelt haben und gar nicht den für uns bestimmten Auftrag abgewartet haben? Schauen wir uns jetzt einmal unsere Aufgaben an, die auf uns warten, wenn wir ausgestattet sind mit der Kraft des Heiligen Geistes.

2. Konkrete Aufgaben

Unseren Generalauftrag, den sogenannten Missionsbefehl können wir im 28. Kapitel des Matthäusevangeliums nachlesen. Dieser lautet:

„Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker; Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“

In diesem Missionsbefehl stecken die vielfältigsten Aufgaben. Diese kann kein Mensch allein wahrnehmen. Und genau darum ist es damals wie heute sehr wichtig, dass wir erfüllt mit dem heiligen Geist genau die Aufgaben wahrnehmen, die Gott uns zuteilt. Für alle anderen Aufgaben hätten wir gar nicht die nötige Kraft und würden immer wieder vor die Wand laufen.

„Machet zu Jüngern“. Hiermit ist die Verbreitung der Lehre gemeint, die uns aufzeigt, wie wir wieder Gottes Kinder werden können. Dazu gehört natürlich auch ein gerüttelt Maß an Theorie. Und dazu hat Gott Menschen ausersehen und Ihnen die Gabe der Lehre und der Rede und der Auslegung gegeben.

„Lehret sie halten.“ Von wem lernen wir im Leben am meisten? Meistens doch von jemandem, der uns vormacht, wie etwas geht. Die reine theoretische Erklärung ist gut für das Verständnis, was hinter einer Sache steckt, aber wie sie tatsächlich funktioniert das kann ich am besten an einem Beispiel zeigen. Denken Sie nur einmal an den Chemieunterricht. Was ist uns mehr in Erinnerung geblieben: Die Theorie oder die praktischen Experimente?

Wir sollen also die Gotteskindschaft mit praktischem Leben füllen. Wenn wir uns den Jakobusbrief anschauen, dann strotz dieser geradezu von Hinweisen hinsichtlich der praktischen Umsetzung des Evangeliums.

Wir haben allezeit einsame Menschen um uns herum. Diese brauchen unsere Gesellschaft und einen guten Zuhörer. Vielleicht hat Gott gerade Sie zu einem verständigen Zuhörer bestimmt. Wir haben Kranke um uns herum, die eine seelische Stütze in ihrer Krankheit benötigen, die ihnen die Medizin nicht geben kann. Vielleicht hat Gott gerade Sie dazu ausersehen, den Kranken in ihrem Leid eine Stütze zu sein.

Jede Menge arme und mittellose Menschen leben unter uns. Vielleicht hat Gott gerade Sie dazu erkoren, dafür zu sorgen, dass die Armut dieser Menschen ein wenig gemildert wird. Vielleicht sind gerade Sie der am besten geeignete Mitarbeiter an einer der vielen Tafeln in unserem Land. Vielleicht sind gerade Sie derjenige, der hilflosen Menschen bei Behördengängen eine wertvolle Hilfe sein darf.

Wir sehen, es gibt viel zu tun. Jetzt bleibt noch die Frage: Wie erkenne ich meine Berufung? Mein Rat wäre: Nehmen Sie sich bitte die Zeit, dies ausführlich mit Gott zu besprechen. ER wird Ihnen zur rechten Zeit die rechte Aufgabe zuteilen. Das tat er vor 2000 Jahren und das tut er auch heute noch bei allen, die ihn inbrünstig darum bitten.

3. Die Zukunft

Alles, was wir tun, tun wir zukunftsorientiert und nicht um des eigentlichen Tuns willen. Also, wie geht es weiter? Der letzte Satz des Missionsbefehls lautet: Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bin an der Welt Ende.

Bei allen Aufgaben, die wir verrichten, dürfen wir immer ganz sicher sein, dass der Herr Jesus uns direkt begleitet. Egal, wo wir auch hingehen, er ist immer bei uns. Nicht als die große Moralinstanz, die nur wartet, dass wir einen Fehler machen, damit er uns mal so richtig abstrafen kann. Nein er ist bei uns Tröster, Beschützer und Helfer in allen Lebenslagen. Er möchte, dass wir unsere Aufgaben so wahrnehmen, wie er sein Reich aufbaut, nämlich mit Liebe. Diese Liebe ist es, die uns 24 Stunden am Tag unser ganzes Leben lang umgibt und uns dereinst wieder heimführen wird.

Und am Ende der Tage wird unser Herr wiederkommen. Und zwar genau so, wie ihn die Jünger haben gen Himmel fahren sehen. Das ist unsere Hoffnung und feste Gewissheit, die uns trägt, uns begleitet und uns ein Ansporn ist möglichst vielen Menschen die Möglichkeit vorzustellen, wie auch sie wieder Gottes Kinder werden können.

Also lassen Sie uns bei allem Staunen über das Himmelfahrtsgeschehen unsere ganz praktischen Konsequenzen daraus ziehen und frohen Mutes ans Werk gehen. Und dies in der ständigen Gewissheit, dass unser Herr stets nur ein Gebet weit von uns entfernt ist.

Und lassen Sie uns bei allem, was wir für den Herrn tun, immer an den 1. Vers des Liedes „In Gottes Namen fang ich an…“ (EG 494) von Salomo Liscow denken, der da lautet, wie folgt:

In Gottes Namen fang ich an, was mir zu tun gebühret;
mit Gott wird alles wohlgetan und glücklich ausgeführet.
Was man im Namen Gottes tut, ist allenthalben recht und gut
und kann uns auch gedeihen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Feiertag und ich freue mich auf ein Wiedersehen, Wiederhören oder ein Wiederlesen am kommenden Sonntag.

Herzliche Grüße sendet Ihnen

Ihr

Ulrich Naber