ePredigt vom 04.10.2015 Erntedank (Lukas 12; 15-21)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Erntedanktag des Jahres 2015. Alle Altäre sind geschmückt mit dem, was uns der Herr auch in diesem Jahr an Nahrung geschenkt hat. Grund genug, ihm nicht nur heute Dank zu sagen, für das was wir alles haben und verzehren dürfen. Um
jemandem, der dies nicht verstand, geht es in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 12. Kapitel des Lukasevangeliums, die Verse 15-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der reiche Kornbauer

Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun ? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten
Mut ! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.

Liebe Gemeinde,

wenn ich mir die letzten Worte unseres heutigen Predigttext anschaue, die da lauten: „und ist nicht reich bei Gott“, dann frage ich mich natürlich, was hat er denn falsch gemacht, der reiche Kornbauer, dass es zu diesem Ergebnis kommt ? Gehen wir heute Morgen einmal gemeinsam auf die Fehlersuche; denn ich vermute einmal, dass es unser aller Ziel ist, diese Fehler nicht zu machen.

Unser reicher Kornbauer hat die Blickwinkel des Lebens außer Acht gelassen, er war nur auf sich selber konzentriert. Welche Blickrichtungen genau hat er denn versäumt?

1. Links und rechts

Wer dabei ist, sich seinen Reichtum anzuhäufen, läuft eigentlich immer Gefahr, dass er den Blick für seine Mitmenschen verliert, die sich links und rechts um ihn herum befinden. Häufig ist man dann so mit sich selbst und den auf einen zuströmenden Aufgaben beschäftigt, dass man gar keine Zeit mehr hat für seine Mitmenschen.

Und genau dies möchte Gott nicht. Wie er uns hilft, so sollen auch wir die nicht aus dem Blickwinkel verlieren, die jetzt gerade unserer Hilfe so dringend bedürfen. Ganz aktuell verweise ich einmal auf das Flüchtlingsdrama.

Wir sind in Europa entsetzlich reich. Kein Mensch in Deutschland muss wirklich Hunger leiden. Aber alles, was ich um mich herum höre, sind Botschaften, wie : Das Boot ist voll. Und dergleichen mehr. Wir können, müssen und sollen uns gerade jetzt für diese Ärmsten der Armen einsetzen und ihnen von dem Reichtum abgeben, den wir besitzen.

Wenn ich dann osteuropäische Allianzen sehe, die beim Geldverteilen immer ganz vorn dabei sind, sich jetzt aber betont zurückhalten, dann möchte ich diesen Menschen nur eines zurufen: Gottes Mühlen mahlen zwar langsam, aber vortrefflich fein !!!

Darum wollen wir, die wir heute Morgen hier versammelt sind, denen ein Beispiel sein, die ihr links und rechts aus den Augen verloren haben. Ein jeder mit den Gaben und Fähigkeiten, die ihm Gott mit auf den Weg gegeben hat. Lassen Sie uns dies tun, damit wir am Ende nicht so dastehen, wie er reiche Kornbauer.

2. Oben

An keiner Stelle unseres Gleichnisses lesen wir etwas darüber, wie der reiche Kornbauer seinem Schöpfer und Geber aller Gaben für all das gedankt hat, was er ihm hat zukommen lassen.

Und auch dies ist ein Problem der heutigen Zeit. Geht etwas schief in unserem Leben oder erleiden wir gar einen heftigen Schicksalsschlag, dann sind wir ganz schnell dabei mit Worten wie: „Wie konnte Gott das alles zulassen?“.

Läuft aber alles bombig und können wir einen Erfolg nach dem anderen feiern, dann schlagen wir uns stolz auf die Brust und loben uns selbst mit den Worten, was wir doch für tolle Kerle sind. Und über dieses Eigenlob vergessen wir ganz schnell, dass es nicht nur unsere Leistung war, sondern dass ein noch viel tollerer Kerl seinen Segen dazugetan hat.

Lassen Sie uns also niemals vergessen, dass alles, aber auch wirklich alles, was wir in unserem Leben genießen dürfen, ein Geschenk Gottes an seine Geschöpfe ist. Das fängt im Kleinen an, nämlich schon bei dem täglichen Brot. Liebe Gemeinde, erinnern wir uns doch mal wieder daran, dass es eben nicht selbstverständlich ist, dass wir jeden Tag genug zu essen haben.

Das geht weiter mit der eigenen Familie. Es ist eben keine Selbstverständlichkeit, dass wir eine glückliche Ehe führen und gesunde Kinder haben. Danken wir doch unserem Schöpfer wieder regelmäßig dafür.

Das geht aber auch über unseren eigenen Tellerrand hinaus. Wir haben in Deutschland in den vergangenen Jahrhunderten niemals eine so lange Friedensperiode erleben dürfen, wie wir sie jetzt zur Zeit erleben dürfen. Danken wir unserem Herrn doch auch einmal dafür und beten wir
doch auch wieder regelmäßig für die Menschen die an den führenden Positionen in den Regierungen sitzen, dass Gott ihnen Weisheit bei all ihren Entscheidungen geben möge.

Wenn wir dies wieder tun, dann vermeiden wir auch diesen Fehler des reichen Kornbauern.

3. Unten

Zugegeben, da mag man nicht so gern dran denken, ich meine an die Tatsache des eigenen Ablebens. Aber auch dieser Tag kommt irgendwann auf uns zu. Was hätte der reiche Kornbauer denn tun können, um auch auf diesen Tag gut vorbereitet zu sein ?

Nun, liebe Gemeinde, er hätte tun können, was wir schon alle getan haben, nämlich sein Leben unserem Herrn zu übergeben, alle Sünden zu bereuen und den Herrn bitten können, die Herrschaft in seinem Leben zu übernehmen.

Offensichtlich hat er dies nicht getan. Hätte er dies getan, wäre wohl kaum von Gott der Ratschlag gekommen, größere Scheunen für noch mehr Reichtum zu bauen. Ich denke, von Gott wäre der Vorschlag des vernünftigen Umgangs mit seinem Reichtum gekommen.

An dieser Stelle sei mir ein kleiner Einwurf gestattet: Gott hat überhaupt nichts gegen Reichtum. Er liebt reiche Menschen genau so, wie er arme Menschen liebt. Dass reiche Menschen nicht in den Himmel kommen ist ein derartiger Blödsinn, der sich aber in gewissen christlichen Kreisen nach wie vor hält. Gott liebt also auch reiche Menschen. Was er nicht mag, das ist, wenn wir reichen Menschen, und dazu zähle ich uns alle einmal mit, wenn wir nicht gottgemäß mit unserem Reichtum umgehen.

Aber was genau sollen wir denn tun? Ganz einfach Gott die Herrschaft auch über unseren Geldbeutel zu übertragen. Er wird uns schon zeigen, was wir damit machen sollen. Bei vielen Menschen bleibt nämlich in der Geldfrage Gott gerne außen vor.

Wie könnten wir unsere heutige Botschaft in drei Punkten versuchen zusammenzufassen?

1. Wir müssen zu jeder Zeit mit Gott rechnen
2. Gott allein gebührt unser ganzer Dank für alles in unserem Leben
3. Gottes Regentschaft in unserem Leben lässt sich auch an unserer Bereitschaft des Abgebens erkennen.

Liebe Gemeinde, wenn wir diese Blickwinkel unseres Lebens wieder neu justieren und diesen Blick beibehalten dann sammeln wir uns vielleicht nicht gerade jede Menge Schätze hier auf Erden, aber wir werden unendlich reich bei Gott sein. Und dann müssen wir auch dem Tag und der Stunde nicht mehr furchtsam entgegensehen, wo wir diesen Planeten Erde verlassen und in den Himmel umziehen werden.

Diesen Blickwinkel in Richtung Himmel drückt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem 6. Vers seines Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG 529) aus, der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird

Der Herr lasse Dich allezeit erkennen, wem Du mit Deiner Hilfe dienen kannst
Der Herr lege Dir stets Dankbarkeit und Demut in Dein Herz hinein
Der Herr lasse Dich stets den Weg erkennen, den Du auf Erden mit ihm gehen sollst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Erntedanktag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber