ePredigt vom 04.04.2004 (Philipper 2;5-11)

Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am 6.Sonntag in der Passionszeit, am Sonntag Palmarum.
Die nächste ePredigt kommt zum Karfreitag.
Das Predigtwort steht für heute im Philipperbrief im 2. Kapitel,
in den Versen 5 – 11:²

„Ein jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war: welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, nahm er´s nicht als einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein andrer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
In den letzten Tagen hatte ich viel im Garten zu tun. Neben den Arbeiten konnte ich mich an vielen Frühlingsblühern erfreuen und auch an den Austrieben von Stauden und Sträuchern. Dabei kamen immer wieder die Buchsbaumpflanzungen in den Blick. Sie erinnerten mich daran, wie wir vor mehr als 20 Jahren für Palmsonntag aus unserem Pfarrgarten für die Gottesdienste der katholischen Ortsgemeinde Buchsbaum geschnitten haben. Diese Zweige wurden im Gottesdienst verteilt.

Der heutige Palmsonntag ist schon ein besonder Sonntag unter den Sonntagen der Passionszeit. Er ist für mich verbunden mit dem Evangelium von Jesu Einzug in Jerusalem. Ich sehe vor mir eine jubelnde Menschenmenge, die Jesus als verheißenen König und Messias begrüßt. Jesus reitet auf einen Esel in Jerusalem ein. Auf SEINEN Weg werden Kleider ausgebreitet, mit Palmwedeln wird IHM zugewunken. Die Straße ist erfüllt von Rufen: (Joh 12,13)

„Hosianna. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel.“

Jesus einmal so erleben und zujubeln dürfen, das wäre ein Traumerlebnis. Doch wir haben nichts verpasst.

Wir werden IHN in göttlicher Herrlichkeit kommen sehen bei SEINER Wiederkunft. Dann werden wir IHM zujubeln können und mit IHM einziehen in Gottes Herrlichkeit.

Dazu ist die Geschichte von Palmsonntag das Vorspiel. In diesem Vorspiel sind zwei Ereignisse auf verschiedenen Ebenen verwoben – zum einen was kommen wird und zum anderen der Beginn der Vollendung von Jesu Leiden in SEINEM irdischen Leben.

Was hier so triumphal begann, endet für Jesus im Sterben am Kreuz. Noch sind Jesu Gegner ratlos, wie sie sich SEINER entledigen können. Aber nach dem Verrat des Judas werden sie IHN fernab von der Menge verhaften.

Sie werden IHN aus der Gemeinde ausschließen und als Gotteslästerer verurteilen. Sie werden die Menschenmassen bewegen, dass sie Jesu Tod fordern. Mit falschen Anklagen und versteckten Drohungen werden sie den römischen Stadthalter dazu bringen, dass er Jesus als Staatsfeind verurteilt und hinrichten lässt.

Und doch werden sie nicht Sieger sein. Sie können Jesus nicht zum Schweigen bringen. Sie können SEINEN Namen nicht aus der Geschichte des Volkes und der Gottesgemeinde löschen.

Sie beladen sich mit der Schuld, Gottes Sohn und Messias ausgestoßen und dem Tode überantwortet zu haben.

Gott lässt das nicht nur geschehen, sondern ER wandelt alle ihre Schuld und unsere Schuld vor Gott. ER nimmt Jesu Tod am Kreuz als freiwilliges Opfer als Erfüllung SEINES Rettungsplanes für alle Menschen an. Jesus tilgt für uns alle Schuld und Strafe.

Wer in Reue und Bitte um Vergebung zu Jesus kommt, wird von der Last der Schuld befreit. Dazu ist Jesus in diese Welt gekommen und den Weg des Leidens und Sterbens gegangen.

Der Philipperbrief beschreibt in unserem Predigtwort diesen Weg Jesu:
Jesus „war in allem Gott gleich und doch hielt er nicht daran fest, zu sein wie Gott. Er gab es willig auf und wurde einem Sklaven gleich. Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen. Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, daß er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz.“

Jesu Weg ist eine Umkehrung des Weges der Menschheit. Wir Menschen streben danach, auf allen Gebieten Gott gleich zu sein. Daran scheitern wir und zerstören uns und die Schöpfung.

Jesus aber legt SEINE Gottgleichheit ab und ER wird ein Mensch. ER wird uns in allem gleich mit einer Ausnahme. Jesus widersteht der Versuchung des Ungehorsams gegen Gottes Willen. Jesus geht den Weg des Gehorsams durch Leiden bis zum Tod.

Gott nimmt SEIN Opfer an und erweckt IHN zum Leben. ER setzt IHN zum Herrn über alles.

Bei SEINER Wiederkunft werden sich alle SEINER Herrschaft unterwerfen müssen, die Einen zum ewigen Leben, die Anderen zum ewigen Verderben. Bis zu diesem Geschehen ruft Jesus alle Menschen, SEINEN Opfertod anzunehmen um gerettet zu werden.

Jeder, der sich retten lässt, wird beauftragt Bote und Zeuge von der Errettung durch Jesus zu sein.

Liebe Gemeinde!
Ihr seid durch die Annahme von Jesu Opfer neue Menschen geworden!
Ihr seid nun Gottes Kinder!

Das ist ein wunderbares Geschenk. Denn nun könnt Ihr in Jesu Gemeinschaft die Fülle der Gnadengaben Gottes empfangen. Ihr habt in dieser Gemeinschaft eine Zukunft, die niemand zerstören kann.

Doch Ihr habt dies alles nicht wie ein Besitz. Ihr müsst es immer wieder neu in der Begegnung mit Jesus annehmen und empfangen.

Ihr empfangt Gottes Gnadengaben und Gottes Zukunft nicht für Euch allein.
Gaben sind immer Aufgaben. Sie sind der Auftrag, die rettende Botschaft mit Wort und Leben weiter zu geben.

Daran erinnert Paulus, wenn er dem Christuspsalm (Phil 2, 6-11) die Mahnung voraus stellt: „Ein jeglicher sei gesinnt, wie Christus auch gesinnt war“.

Möge Gott uns zeigen, was Jesus für unsere Rettung auf sich genommen hat.
Möge Gott uns zeigen, welche Schuld wir auf Jesu Kreuz geladen haben und uns in Reue und Bitten um Vergebung unters Kreuz führen.

Lasst uns unsere Last ablegen und in Dankbarkeit Gott die Ehre geben!
Dazu schenke uns der Herr SEINEN Segen.

Es grüßt herzlich
Pfr.i.R. Steinführer